
Mit dem Gaza-Konflikt flammen in Deutschlands Blogosphäre wieder die alten Diskussionen auf. Wer hat das Recht, jemanden Antisemit zu nennen, wer darf wann wo welche Flagge zeigen? Darüber hinaus wundert man sich augenreibend über Thorsten Schäfer-Gümbels Web-Strategie.
Der Angriff der Israelis auf den Gaza-Streifen hebt erneut den schmalen Grat hervor, auf dem ein Israel-Kritiker wandert – schnell wird der Antisemitismus-Vorwurf laut. Ist dieses Etikett so gemein und unzutreffend, wie linke Anti-Israel-Demonstranten meinen? Bernd Zeller hebt die feine Unterscheidung zwischen Einstellung und Wirkung hervor: Natürlich vertreten die meisten Demonstranten keine antisemitische Ideologie, aber die Konsequenzen ihres Handelns und Sprechens lassen sich als antisemitisch bezeichnen.
Das Verhalten Israels in Gaza als Massaker an den Palästinensern zu bezeichnen und die Israelis mit den Nazis zu vergleichen, darf indessen wohl auch nur ein britischer Abgeordneter mit jüdischen Wurzeln (Sir Gerald Kaufmann heißt der Mann). Für Wissenmachtnix spricht dieser die “Wahrheit” (auch so ein gefährliches Wort). Politiker hierzulande sollten sich an ihm ein Beispiel nehmen.
Die Freunde der offenen Gesellschaft meinen, dass der Banner des Antisemitismus die Linken und Nazis dieser Welt eine. Apropos Banner: Wer die Flagge Israels hisst, kann schon mal mit Polizeibesuch und Angriff von Demonstranten auf sein Haus rechnen. Auf Demonstranten als auch Polizisten wird durch die Duisburger Aktion ein sehr negatives Licht geworfen, meint Robin Haseler.
Einige Blogger erinnert dies düster an die Zustände innerhalb der Hitler-Diktatur. So zum Beispiel Zettels Raum, der dem Vokabular der Anti-Israel-Demonstranten bescheinigt, selbst dazu beizutragen, dass sich diese einem Nazi-Vergleich aussetzten.
Nichtidentisches hat sich in den Kommentar-Dschungel von Youtube-Videos zu Israel- und Hamas- Demos gewagt – starker Tobak, was dabei herauskommt.
Auch bei den Ruhrbaronen ist man schockiert. Liza nennt es “geschichtsbewusste Gefahrenabwehr”: vor 70 Jahren musste der Davidstern getragen werden, um jüdische Gefahr zu kennzeichnen, heute muss die Davidsternfahne entfernt werden, um Gefahr zu verhindern.
Was die Medien daraus machen, ist wieder eine andere Sache. Stefan Niggemeier berichtet über den “Schamhügel der Tagesschau” und die undurchsichtige Mehrfachverwendung von Bildern in verschiedenen Kontexten.
SideEffects fasst den medialen Irrsinn kurz und kompakt zusammen.
Die von Ehud Olmert angekündigte Waffenruhe ist für Mein Parteibuch nur ein Beweis mehr für dessen notorische Lügerei. Olmerts Äußerungen seien “verbaler Durchfall” – ach, und das Skandieren von “eine Welt ohne Israel ist eine bessere Welt” etwa nicht? Das Parteibuch wagt sich in grenzwertige, unnötig polemische Sprachverwendungen vor.
Zurück zu den Fakten: Bricht Israel mit seinem Angriff das Völkerrecht oder nicht? Die Ereignisse, Zahlen und Vorkommnisse, die Jens Berger von UN- und AmnestyInternational-Berichten zusammenträgt, sind erschütternd und sprechen nicht gerade für einen Verteidigungsschlag Israels. Bergers niederschmetternde Schlussfolgerung:
Es kann nur als Schande angesehen werden, dass ein Staat, der seine Existenz einem Beschluss der Vereinten Nationen verdankt, sämtliche Regeln dieser internationalen Gemeinschaft mit Füßen tritt.
Für Malte gehört es zu den Eigenheiten der deutschen Psyche, dass dem Nahostkonflikt so viel Aufmerksamkeit zukommt, und beschäftigt sich aufgrund dessen mit der somalischen Piraten-Problematik und der Rolle des deutschen Militärs. Bizarr.
In Hessen sind inzwischen kraftlos die Würfel gefallen (nur 60 % müde Wahlbeteiligung). In letzter Minute kam Roland Koch noch ein altes Bin-Laden-Video zu Hilfe.
Koch ist aber trotz 37% net wirklich se Winnä. Wird sich aber bestimmt dennoch als solchen darstellen.
F!XMBR hält trotz aller Skandale und attestierter Machtgeilheit an Andrea Ypsilanti fest, sie müsse für ihre Durchhaltekraft bewundert werden. Eine Rehabilitierung der SPD könne es hingegen nur geben, wenn diese zu ihren sozialdemokratischen Wurzeln zurückfände.
Nico Lumma zeigt sich beeindruckt von den (Web-) Kommunikationsstrategien des TSG. Andere fanden sein Herumgetwittere und die Youtuberei eher peinlich. Und tatsächlich hat ihm selbst der Rückenwind von Deutschlands Alphamäuschen Robert Basic in letzter Konsequenz nichts gebracht.
Bild: flickr.com (cromacom)

