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Stadt Duisburg verklagt Blogger: Die “brutalstmögliche” Aufklärung ala Adolf Sauerland

Mittwoch, 18. August 2010

(Blogschau) Der Blog Xtranews hatte Auszüge aus dem Anhang eines von der Stadt Duisburg in Auftrag gegebenen Zwischenberichts über die Zuständigkeit der Kommune bei der Loveparade veröffentlicht:

Stadt Duisburg hält nicht viel von Pressefreiheit

Um die stetig zunehmenden Nachfragen zu ‘allen’ Dokumenten zu befriedigen, stellen wir nunmehr hier alle uns vorliegenden Dokumente zum einzelnen Download und insgesamt als Archiv zur Verfügung. Und wir hoffen, dass andere Medien unserem Beispiel folgen und die ihnen vorliegenden Dokumente ebenfalls der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. So das ein Bild dessen entstehen kann, was tatsächlich gewesen ist. Und wir nicht mehr über das reden, was wir glauben sollen.“ (xtranews)

Im Gegensatz zu dem Zwischenbericht selbst, der Sauerland weitgehend entlastete, sollen die Dokumente im Anhang des Berichts die Vorgehensweise der Stadt  zweifelhafter erscheinen lassen.

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Direkte Demokratie – Letzte Rettung für die Republik?

Samstag, 24. Juli 2010

Schweizer Minarett-Verbot, bayrischer Nichtraucherschutz und nun am letzten Wochenende das Nein von Hamburgs Bürgerschaft zum sozial gerechteren Bildungssystem der Gemeinschaftsschule. In der Bloggerwelt, ebenso wie im Forum von politik.de, werden das Für und Wider der direkten Beteiligung der Bürger an politischen Entscheidungen hart diskutiert. Dieses Thema beleuchten wir in der folgenden Blogschau.

Akademisches Prekariat: Keine Hoffnung auf mehr Bildung

Mit Kritik am zu sehr etablierten repräsentativen System wird oftmals nicht gespart, dennoch, so scheint die überwiegende Mehrheit der deutschen Blogger zu meinen, sind Volksentscheide auf Landesebene eher demokratische Pyrrhussiege.

In Hamburg sollte per Volksentscheid geklärt werden, ob die Grundschule zukünftig sechs Jahre dauern sollte. Das bedeutet mehr Zeit für gemeinsames Lernen. Dadurch sollten vor allem sozial benachteiligten Schülern mehr Chancen eingeräumt werden, später das Gymnasium zu besuchen. Die bürgerliche Initiative “Wir wollen lernen” hat nun erfolgreich im Namen der Kinder von Besserverdienenden diese noch sehr sanfte Schulreform der schwarz-grünen Koalition gekippt.

Sieg auf ganzer Linie: das Bürgertum hat in Hamburg über das Proletariat triumphiert“, meint Stefan Sasse im Blog Oeffingerfreidenker und sieht bereits den Klassenkampf von oben vor den Toren stehen: „Wer diese Formulierungen für zu marxistisch hält, muss sich Naivität vorhalten lassen: genau darum ging es. Vor hundert Jahren war sich eine Klasse ihrer selbst bewusst und kämpfte gegen eine andere, die sich unter diesem Druck erst als solche konstituierte; heute kämpft eine Klasse unter umgekehrten Vorzeichen gegen eingebildete Gegner. (…)

Tatsächlich haben gerade Anhänger der Initiative „Wir wollen lernen“ diese duale Sichtweise bestärkt. Man erinnert sich an die gegenüber Spiegel TV geäußerten Ängste eines Mitglieds, dass “akademisches Prekariat” und „Asoziale“ den eigenen gutbürgerlichen Kindern Konkurrenz bereiten könnten. Wenig feinsinnig, sondern recht brachial fasst der Blog Feynsinn das in eigene Worte:

„Die Rotznasen des Prekariats siechen derweil woanders und infizieren die Elite-Schüler nicht mit ihren ekligen Malaisen. Das ist also die Strategie der Bundesregierung im Bildungsbürgerkrieg. Wer weiß, vielleicht hat so mancher aus der Riege der segensreichen Beschützer unseres oberen Mittelstandes in Berlin die Gegner der Schulreform unterstützt – heimlich oder unheimlich. “Volksentscheid”, so lernen wir bei dieser Gelegenheit einmal mehr, bedeutet nicht, daß das Volk entscheidet, sondern daß das Volk entschieden wird. Da gibt es eben die in der Loge und die auf den Stehplätzen. Man ist halt gern unter sich.“

Den Klassenkampf sieht der Blog The Dishwasher auch durch die demografische Auswertung der Wahlbeteiligung bestätigt: „Wahlbeteiligung spiegelt Armutsverteilung“. In Wohngebieten mit sozial schwachen Verhältnissen wie beispielsweise Billbrook war die Wahlbeteiligung extrem niedrig, während in traditionell gutbürgerlichen Vierteln überdurchschnittlich viele Wähler mobilisiert werden konnten.

Klassenkampf 2.0: Marx & Engels reloaded

Doch was bedeutet das für den Volksentscheid als relativ junges demokratisches Instrument in Deutschland? Darauf werfen die Nachdenkseiten einen Blick: „Der Vorgang von Hamburg hat übrigens sehr viel mit der Kernaussage von „Meinungsmache“ zu tun: Die Bessergestellten haben entdeckt, dass sie ihre Minderheitenposition in der demokratischen Gesellschaft dadurch korrigieren können, dass sie ihre Interessen mithilfe von Propaganda, mit viel Geld und publizistischer Macht durchsetzen. Diese Aushebelung des Gedankens der Demokratie ist das eigentliche Signal der Bedrohung, das vom vergangenen Sonntag ausgeht.“

Der Blog F!XMBR führt zehn detaillierte Argumente auf, warum der Hamburger Volksentscheid ein Beispiel gegen die Direkte Demokratie ist. Denn es zeigt, dass Politik noch stärker, als in der repräsentativen Demokratie durch finanzielle Mittel entschieden werden können: „Die Gegner der Schulreform konnten nahezu auf unbegrenzte finanzielle Mittel zurückgreifen, während die Befürworter sich gar gegen die Anwälte «der anderen Seite» zur Wehr setzten mussten (…).“

In einem anderen Punkt sieht F!XMBR die geringe Wahlbeteiligung als Indikator für fehlende Legitimation: „Nach jeder Wahl wird von Politikern und Publizisten die niedrige Wahlbeteiligung kritisiert. Es gibt bereits Stimmen, die davor warnen, unseren Politikern fehle die Legitimation durch das Volk. Das kann nicht damit ausgeglichen werden, dass Volksentscheide initiiert werden, bei denen noch viel weniger Menschen zur Wahlurne schreiten. Wenn Politikern bei einer Wahlbeteiligung von 60% die Legitimation des Volkes fehlen soll, dann ist dies bei Volksentscheiden mit Wahlbeteiligungen von rund 40% um so mehr der Fall. Jedem Volksentscheid fehlt somit die gesellschaftliche Legitimation.“

Ist Deutschland reif für diese Form der Demokratie? Diskutiere mit im Forum von politik.de!

(p.t.)

(Bildnachweis: flickr.com:  hamburgr, dunechaser)

Minderheitsregierungen: Eine Chance für die Demokratie?

Freitag, 16. Juli 2010

Diese Woche in der Blogschau von politik.de: Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen: eine Chance für die Demokratie? Public Private Partnership-Programme auf dem Prüfstein: Entlastung der öffentlichen Kassen oder Selbstbedienungsladen für Unternehmer?

NRW: Alles in Richtung Demokratie?

Die Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen lässt interessante Diskussionen über dem Umgang mit der Politikverdrossenheit gedeihen. Denn manch einer unkt, dass eine in den deutschen Landtagen sehr seltene Minderheitsregierung womöglich die Chance wäre, endlich echte Diskussionen anstatt des üblichen Gemauschels im Plenarsaal zu erzwingen.

Der Spiegelfechter erinnert daran, dass Minderheitsregierungen zudem in der Vergangenheit oftmals zur Etablierung von Randparteien diente: „Wenn eine Minderheitsregierung erfolgreich sein will, sollte sie politisch in der Mitte stehen. Nur wenn sie sowohl der linken, als auch der rechten Opposition im Parlament inhaltliche Angebote machen kann, ist sie handlungsfähig. Minderheitsregierungen sind daher auch das Terrain der SPD und nicht der CDU. Nötig werden solche Regierungen immer dann, wenn man zwar einen impliziten Mehrheitsbeschaffer hat, ihm aber politisch (noch) nicht über den Weg traut. Als die Grünen in den frühen 80ern das Dreiparteien-System sprengten, ließ sich die SPD zunächst als Minderheitsregierung von den Grünen tolerieren. Das Testlabor für dieses Experiment war damals Hessen. 1983 bildete dort Holger Börner eine SPD-Minderheitsregierung, die von den Grünen toleriert wurde. Das Experiment glückte, zwei Jahre später stiegen die Grünen zum offiziellen Koalitionspartner auf. Dies war die Geburtsstunde von Rot-Grün.”

Hingegen ist für Michael Spreng, ehemaliger Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ und Autor des Blogs „Sprengsatz“,  die Regierung in NRW bereits jetzt gescheitert. Die Minderheitsregierung wird ihr politisches Programm so glätten müssen, dass es von den anderen Fraktionen toleriert wird. Das politische Überleben der Minderheitsregierung ist so nur abhängig von den Umfragewerten der Opposition: „Die Koalition wird allerdings so lange an der (Ohn-)macht bleiben,  solange Linkspartei, CDU und FDP glauben, bei Neuwahlen schlechter als bei der letzten Wahl abzuschneiden.“

Der Zwang zur Minderheitsregierung ist für den Sprengsatz-Blogger das Ergebnis des neuen Fünfparteien-Systems, welches die politische Landschaft instabil macht: „Die neue Regierung in NRW ist ein Ergebnis des inzwischen etablierten Fünf-Parteien-Systems. Es zwingt zu Dreier-Bündnissen, Alternativen sind – bis auf Ausnahmen – nur große Koalitionen oder eben Minderheitsregierungen. Die Demokratie lebt aber von starken Alternativen, von klaren Verhältnissen, vom Wechselspiel der Macht. Die Wähler wissen nicht mehr, was am Ende mit ihrer Stimme geschieht. Sie können keine Regierungen mehr wählen, sondern sie nur noch nach vier oder fünf Jahren abwählen oder bestätigen. Dies wird auf Dauer das Interesse an der parlamentarischen Demokratie weiter sinken lassen, die Wahlbeteiligung wird weiter zurückgehen.“

Eine Lösung wäre Ministerpräsidenten und Kanzler direkt durch das Volk wählen zu lassen, meint Spreng, damit der zunehmenden Zersplitterung der politischen Landschaft eine starke, direkt gewählte, politische Figur gegenübersteht. Quizfrage: Woher kennt man das?

Public-Private-Partnership

Die Nachdenkseiten widmen sich einem Phänomen, das in Deutschland schon so alltäglich geworden ist, dass man sich schon gar nicht mehr darüber aufregt: Der Verschmelzung von öffentlichen Geldern und privatem Unternehmertum. „Public Private Partnership“ nennt sich das. PPP galt einst als „vermeintliches Heilmittel gegen die Staatsverschuldung“.

Doch mehr und mehr erweisen sich die Versprechen als leer, ja sogar als Täuschung. So stand beispielsweise die Einführung einer Straßenmaut Toll-Collect-Projekts, PPP als Synonym für Pleiten, Pech und Pannen.“

PPP-Projekten haftet das neoliberale Dogma des Gewinns durch Privatisierung an. Mit dem Ziel, die öffentlichen Haushalte zu entlasten wurden mittlerweile über 150 PPP-Projekte in Deutschland gestartet. Der Haken dabei sei „vor allem auch die Tatsache, dass alle diese Verträge geheim seien. Selbst die Kommunalaufsicht, die als Aufsichtsbehörde das Vertragswerk genehmige, könne nicht zweifelsfrei sicher sein, ob ihr alle Unterlagen und Informationen zugeleitet worden seien. Als Begründung werde immer das Geschäfts- und Betriebsgeheimnis der beteiligten Unternehmen (des Konsortiums oder der Zweckgesellschaft, das den PPP Auftrag übernimmt) angeführt.“

Doch die Erfahrung zeige, so der Blog, „dass PPP/ÖPP-Modelle oftmals keineswegs günstiger sind als konventionelle Modelle.

Nach so viel schwerer Kost erheitert uns die Telekom mit der (ungefragten) Auflistung von 101 Leitlinien für die digitale Welt. Beispielsweise Nummer 99: „Sorge für einen ausgewogenen Medienkonsum und schalte auch mal ab. Vergiss nicht – es gibt ein analoges Leben neben dem digitalen.“

Die „e-Etiquette“ sind geboren. Nicht, dass Netikette besonders neu wären, aber zum Aufpolieren des Images kann es ja nicht schaden. Noch viel lustiger allerdings sind die Reaktionen in den deutschen Blogs. Jetzt.de, der Blog der Süddeutschen, gibt der Telekom einfach mal 10 Gegenratschläge: Lesen!

(p.t.)

(Bildnachweis: iwanp, Leon96: flickr.com)

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view photos Hochgeladen am 19. April 2009
von iwanp.

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Undemokratischer Volksentscheid? Rauchverbot, Demokratie und Hartz-IV Gutscheine

Samstag, 10. Juli 2010

Was ist Demokratie? Warum ist ein Volksentscheid undemokratisch, wenn es ums Rauchen geht? Und warum stellt ein Gutscheinsystem für Hartz-IV Kinder kein Eingriff in die persönliche Freiheit dar? Das und noch mehr in der wöchentlichen Forenschau.

Totale Demokratie...

Was ist Demokratie wirklich?“ fragte der User Katermauz und wollte wissen, warum Die Linke aufgrund ihrer Historie für undemokratisch gehalten wird.

„(…) Demokratie kommt aus dem griechischen und hat eine einzige exakte Bedeutung, nämlich Volksherrschaft. In welcher Weise herrscht hier bitte schön das Volk? Haben wir die Möglichkeit, über die gesellschaftlichen Belange unseres Lebens mit zu entscheiden, oder machen nicht die Abgeordneten nach Wahlen das, was sie wollen, aber nicht das, wofür ihnen der Wähler eigentlich den Auftrag erteilt hat?“

Denn während Die Linke immer wieder Volksentscheide gefordert hatte, haben sich die gewählten Repräsentanten der anderen Parteien darüber hinweggesetzt und sozusagen parlamentarisch entschieden.

Der User Gregorius I. gibt zu Bedenken, dass sowohl direkte wie auch repräsentative Demokratie demokratisch ist, denn „(…) das Volk herrscht, aber es regiert nicht.“ Er kontert: „Die Befähigung des Volkes zur politischen Urteilsbildung ist äußerst umstritten. Wenn heute der Widerspruch gegen den erst vor wenigen Jahren eingeführten EURO aus dem Volke lauter hervorschallt, so ist politische Stetigkeit und Zuverlässigkeit für das Ansehen Deutschlands in der Welt wichtiger als der wetterwendische Wille des unberechenbaren Volkes.

Wer hat das Sagen: die Mehrheit oder die Expertise? Das vermeintliche Problem der Entscheidungsträger in demokratischen Systemen behandelt Gregorius weiter: „Die Frage stellt sich sehr wohl und auch schon seit langer Zeit, ob bei einer Abstimmung die Mehrheit (maior pars) oder die ‚Klugheit’ (sanior pars) die Oberhand behalten soll. Eine repräsentative Demokratie geht zumindest in der Theorie davon aus, dass die Volksvertreter aus Angehörigen der Gruppe der Klugheit’ bestehen, die (…) in freier, gewissensunterworfener Mehrheitsentscheidung zu einem Beschluss kommen, der zum Recht (Gesetz) wird (…)“.

Der Einwurf des Users ewass scheint zu bezeugen, dass es sich dabei tatsächlich nur um Theorie handelt:  „Ich bin absolut für mehr Demokratie und würde alles unterstützen was nach meiner Meinung Aussicht auf Erfolg hat, bloß ich sehe weit und breit nichts was mir Hoffnung macht, ganz im Gegenteil, durch die Fülle der Informationen die ich auch neuerdings durch das Multimedium Internet erhalte, kann ich glasklar erkennen wie unmöglich dieser Traum ist.

Man fordert gerne mal etwas mehr Demokratie – aber bitte immer nur dann, wenn die Masse auch das nur entscheidet, was man selber will. Darum scheint es auch im Streit über den Volksentscheid in Bayern über das Rauchverbot zu sein.

Hier haben Menschen eine Bevormundung anderer durchgesetzt, allen voran ein religiöser Eiferer und Weltverbesserer der diese Initiative ins Leben gerufen hat. Vermutlich besuchen die meisten dieser Rauchverbotsbefürworter weder Eckkneipen noch Wirtshäuser. Welche Minderheit muss als nächstes daran glauben?“, sieht der Nutzer Pudding schon eine Art Raucher-Apartheid voraus.

Für Nutzer Magus dämmert daher schon die „Schöne neue, gesunde Welt….“.

Und Tritium sieht die Tyrannei der Nichtraucher kommen: „Nein, es tat sich etwas, was unserer Gesellschaft schweren Schaden zufügt, es tat sich etwas beim Zerfall der Demokratie. Denn wenn Demokratie ein System wird, bei dem wechselnde Mehrheiten nach belieben Minderheiten bevormunden und ausgrenzen können, dann ist aus der Demokratie eine Tyrannei geworden.

Direkte Demokratie als Zeichen des demokratischen Zerfalls. Die Ironie daran legt Schinken-Pizza dar:  „Dieser Volksentscheid ist ein schwerer Schlag für die Demokratie…köstlich

Raucher sehen sich in ihrer persönlichen Freiheit beschränkt, wobei das Verbot in Bayern ja kein grundsätzliches Konsumverbot darstellt, sondern nur die Örtlichkeit des Suchtgenusses etwas einschränkt. Genau wie das beispielsweise auch beim öffentlichen Urinieren der Fall ist. Dazu Citizen Cyborg:Fakt ist, dass neun von zehn Rauchern aufhören wollen, aber nicht können. Nikotin ist eine der Drogen mit dem höchsten Suchtpotential. Soviel zum Thema Freiheit. Das ist die Freiheit, von der Sucht getrieben zu werden und sein schwer erarbeitetes Geld und seine Gesundheit gegen die eigene Vernunft den Tabakmultis zu opfern, während andere ihr Geld anlegen und sich ein angenehmes, gesundes Leben machen können.“

Während die einen die persönliche Beschneidung ihrer Sucht lautstark lamentieren, sehen andere bei dem neuen elektronischen Gutscheinsystem für Hartz-IV Kinder keinen Eingriff in deren Freiheit. Onno meint dazu: „Es ist nicht unwürdig, arm zu sein! Es ist hingegen unwürdig, wenn man einer abstrakten Idee von Würde wegen Kindern den Zugang zu Bildung erschwert. Die Chipkarte ist in erste Linie für jene ein Problem, die nicht an das Geld auf der Karte heran können, um es für andere Zwecke auszugeben.“

Es ist doch cooler bei Mc Donald futtern zu gehen als zu lernen, und wenn die Kinder das Geld nicht bekommen geben es die Eltern für wer weiß was aus“, meint Stephantikes und lobt die Zweckbindung der Sozialhilfe.

Freedy sieht in der Sozialhilfe generell schon das Ende nahen:  „Der Wohlfahrtsstaat ist eine zivilisatorische Sackgasse. Wir werden diese aber nicht verlassen können, wenn wir nur ein bißchen rechts blinken.“

Wer wenig verdient hat weniger Rechte, scheint der Tenor zu sein. Vielleicht gibt’s dann auch bald Menschenrechte auf Verbrauchsmärkchen. Oder? Diskutieren Sie mit im Forum von politik.de!

(p.t.)

(Fotonachweis: flickr.com: Mister J Photography)

Hasta la vista WM! Willkommen Sommerloch?

Donnerstag, 08. Juli 2010

Hasta la vista WM! Willkommen Sommerloch?

Ist mit der zerschossenen Hoffnung auf das Finale der WM schon das spannnenste Thema des Sommerlochs abgefrühstückt? Keineswegs! In dieser Blogschau werfen wir einen Blick auf die bewegenden Themen in den deutschen Blogs.

Rauchverbot: Einschränkung persönlicher Sexyness?

Die Bayern haben ihrer ‚grundrevolutionären Geisteshaltung‘ freien Lauf gelassen und die Republik mit einem totalen Rauchverbot geschockt.

Raucherverbot: Der Bayer hat gesprochen …“ vermeldet Peter Podewitz im Blog Ruhrbarone und beleuchtet Für und Wider des andauernden fundamentalen Streits über den Glimmstängel. Durch einen Volksentscheid werden zum 1. August alle bisherigen Ausnahmen des Rauchverbots in Bayern aufgehoben. Das heißt: Kein Qualm mehr in Bierzelten und Raucherklubs.

Doch die Diskussion über den sogenannten Nichtraucherschutz wird von beiden Seiten mit heruntergelassenem Visier geführt. Die argumentative Blindheit erklärt Podewitz so: „(…) auf unserer Seite der Zigarette gab es ja kein Problem. Durch den eigenen Qualm waren die Nöte der anderen wohl auch schlecht zu erkennen und das Genörgel atemringender Nichtraucher war ja bei dem Gehuste eh nicht zu verstehen“.

Die Raucher sehen in den Nichtrauchern puritanische Kontrollfreaks, während diese die anderen als drogensüchtige Nikotinabhängige klassifizieren. Darin wird deutlich, dass da noch viel mehr dahinter steckt: Denn man fürchtet um die Beschneidung der persönlichen Freiheit, auch wenn diese auf die Kosten der eigenen Gesundheit und der von anderen geht. Selbst vor Nazi-Vergleichen schreckt die Raucherlobby nicht zurück: „Faschisten“, tönt es den Nichtrauchern entgegen. Kaum ein Blog, welches sich positiv zum Nichtraucherschutz äußert.

Jurgal in xnextranews fasst das so zusammen:„Nicht der Nichtraucherschutz steht auf der Agenda, sondern ein großdimensioniertes Umerziehungsprogramm. Jeder,der schon einmal in so ein ebenso hasserfülltes wie selbstgerechtes Blockwart-Gesicht der gesundheitsschützenden Aktivisten blicken
durfte, weiß das.

Kompromissvorschlag für Raucher

Auch der Spiegelfechter schlägt in die gleiche Kerbe:„War es früher der preussisch geprägte Ordnungssinn, der in Form von Obrigkeitswahn, vorauseilendem Gehorsam des deutschen Biedermanns und reglementierender Bürokratie unser Leben formte, so haben sich die Pickelhauben von gestern mit den Latzhosen von heute verbündet. Der Gesundheits-, Ernährungs- und Ökowahn der gut situierten, aber politisch desillusionierten und weltanschaulich sinnentleerten Mittelschicht mit Bildungshintergrund, hat sich längst zu einer Religion entwickelt.

Die Angst geht um vor einem bourgeoisen Enthaltsamkeitsgelübte, welches mit Staatsmacht in jeden gesellschaftlichen Winkel getragen werden könnte. Das setzt plötzlich mehr Widerstand frei, als die Sparpläne der Bundesregierung oder die verfassungswidrigen Hartz-IV Beiträge für Kinder.

Auch um Verschwörung, Enthaltsamkeit und Gesundheit geht es bei einem anderen Thema: Der Schweinegrippe-Impfung, derer sich die meisten Bürger freiwillig entzogen hatten. Der Verschwörungsblog „Alles Schall und Rauch“ erinnert an die Schweinegrippe-Pandemie und die Millionen an Impfdosen, die vorsorglich auf Kosten der Steuerzahler bestellt wurden. „In den USA sind ein Viertel der übriggebliebenen Schweingrippeimpfung abgelaufen, sagenhafte 40 Millionen Dosen. Damit muss ein Wert von 260 Millionen Dollar abgeschrieben werden. Das meiste wird verbrannt. Weitere 30 Millionen werden demnächst ablaufen, was dann insgesamt eine Wertvernichtung von 455 Millionen Dollar bedeutet.“

Vielleicht kann man die Impfung ja im nächsten Winter mit der üblichen Grippeimpfung unterjubeln, sozusagen als Supercocktail gegen alle Grippeviren, empfiehlt der Autor.

Der Krieg in Afghanistan rückt auch wieder in den Fokus der großen Blogs. Der Spiegelfechter sieht nach neun Jahren Krieg am Hindukusch in der Berichterstattung Parallelen zu George Orwells Roman 1984: „In George Orwells Roman 1984 führen die Supermächte begrenzte Kriege an der Peripherie. Diese Kriege sind fortwährend, sie sind der Normalzustand, auch wenn die Berichterstattung der gleichgeschalteten Medien immer wieder den Frieden als erwünschten Endzustand in greifbare Nähe rückt. In 1984 dient der fortwährende Krieg an der Peripherie der Herrschaftssicherung der Eliten. Um Kritik am Krieg zu untergraben, wird er in der Propaganda als alternativlos dargestellt – ‚Krieg ist Frieden‘.“

Wo Orwell endet und Bond beginnt...

Reicht noch nicht, um das Sommerloch zu stopfen? Ach ja: Das ARD-Hörfunkstudio Moskau meldete soeben, dass es offensichtlich einen Agentenaustausch zwischen der USA und Russland geben soll. Die zehn in den Staaten verhafteten Spione, die ja laut Kreml gar keine seien, sollen angeblich gegen ein paar der Spionage verdächtigten Wissenschaftler ausgetauscht werden. In der Blogschau zum Dossier hatten wir das Thema bereits angeschnitten. Die Agentensoap um die russische femme fatale geht also weiter.

(p.t.)

(Fotonachweis: flickr.com: LensENVY, Tomizak, id)