Mit ‘Atomstrom’ getaggte Artikel

Blogschau – Die Woche im Rückblick

Montag, 07. Juli 2008

Unaufgeregt versickerte die EM letzte Woche im Sande.
Dafür kam einem Wachs-Hitler der Kopf abhanden, wurde Ingrid Betancourt nach sechs Jahren Geiselhaft befreit und spannte ein großes Telekommunikationsunternehmen den britischen Opernsänger mit der Zahnlücke als Zugpferd vor ihren Werbe-Karren.

Und was fand die politische, Sommerloch-resistente Blogosphäre wichtig? Ein Wochenrückblick.

Alles nur Wahlkampf: Das CDU-Blog regte sich über Umweltminister Gabriels Pläne auf, eine Steuer auf Atomstrom einzuführen. “Die fadenscheinige Begründung dafür sind angebliche CO2 Emissionen bei der Erzeugung von Atomstrom. Dabei weiß jedes Kind, daß aus Kernkraft erzeugter Strom überhaupt keine CO2 Emissionen zur Folge hat.”

Auch wenn der Track schon etwas älter ist, entdeckte Malte auf Spreeblick den politisch-gesellschaftlich interessierten Hip Hop. Pan rappte hier über den Einfluss des “Buchclubs” Bertelsmann.

Aus dem “Barbara Ann” von den Beach Boys “Bomb Iran” zu machen, ist nur einer von John McCains beliebten kernigen Schenkelklopfern. Auf Gawkerwurde sich gefragt, wie weit er damit wohl kommen mag.
Zettels Raum sinnierte über den Humor Bushs und fragte sich: Sind tatsächlich nur die Republikaner wirklich ironisch und (manchmal) witzig?

Doch McCain reisst nicht nur Possen, sondern zeigte sich ebenfalls für den Vorschlag verantwortlich, “ein “Bund der Demokratien” sollte die Vereinten Nationen aushebeln“. Aus deutscher Sicht wird zähneknirschend festgestellt: “Das ist cool. Der benutzt meine Argumente gegen mich. Respekt. Und das war’s aber auch schon.”
Einen Blick in das Lobbyisten-Universum des McCain wagte TPMmuckraker.

Augenrollend wies das Hitlerblog darauf hin, dass auch Konkurrent Obama nicht ganz koscher ist. Leuchtet ein, bei den mitreissenden Reden drängt sich der beliebte Hitlervergleich ja geradezu auf.
Ein taz-Blog zeigte die Schattenseiten Obamas Erfolg: (Meist christliche) Homophobe und die Waffenlobby machen gegen ihn mobil.
Einen ernstzunehmenden kritischen Obama-Beitrag brachte der Citizen Reporter Bicyclemark.

Zurück zum Hitlervergleich: Die “Bild” zeigte sich empört ob der Verharmlosung Hitlers durch die Ausstellung seiner Wachsfigur – dann hat die Redaktion nämlich nichts mehr zum verharmlosen, wie das Bildblog zeigt.

Jochen auf Duckhome übte Kritik an der Linken und ihrem Anpassen an das Verhalten der anderen Parteien in der Diktatur in Deutschland. Die Domainpfändung von Linkszeitung und scharflinks sei typisch für deutsche “Demokratie”, denn “genau so gehen die anderen gegen Kritiker vor, wobei Regierungsparteien noch direkt über die Staatsanwaltschaft und die Richter agieren können.” Auch wenn der offene Brief des Parteibuchs ungehört in den Leitungen der Linken verhallen wird, ist sowieso klar: “Die Linke hat sich auf jeden Fall noch rechtzeitig vor den Wahlen selbst erledigt. Tschüss und Danke für Nichts.”

Die nie endende Lovestory, welche Blogs mit dem Thema Datenschutz eingegangen sind, neu aufgewärmt auf netzpolitik.org. Wiefelspütz will, dass Deutschland sich wieder auf Platz 1 beim Datenschutz mausert, will sagen: Die SPD möchte der CDU ganz furchtbar gern den Schuh anziehen, der Überwachungsstaat-Befürworter zu sein. Jaja, das nahende Grollen des Wahlkampfes. Im Westen nichts Neues.
Aber Mercedes Bunz erklärte sie noch einmal schön, die Crux mit der Privatsphäre.

Aktiver Datenschutz bedarf jedoch des ständigen Auf-die-Finger-Schauens der Abgeordneten, weshalb Fefe und viele Andere auf den Einfluss von Lobbyisten bezüglich neuer EU-Telekommunikationsgesetzgebungen (Telekom-Paket) aufmerksam machten.
Die Telekom selber landete Ende der Woche einen Schleim-Coup erster Güteklasse. Die Gänsehaut beim Sehen des Werbeclips stellt sich automatisch ein, auch wenn man sich natürlich nicht manipulieren lässt oder gar ein positives Marken-Image übernimmt. Dennoch ist der Spot “eine schöne Hommage an das moderne, digitale Leben“.

Wusstet ihr’s schon? Die politische Blogosphäre in Deutschland ist äußerst lethargisch, Wahlkampf findet höchstens auf 1.0-Niveau statt. Nein, wirklich! Ist so!
Darüber wundert man sich nur noch auf Spreeblick, nämlich über die politikfaule deutsche Blogosphäre. Eine Netzpolitik-Studie unterstützt die schockierenden Erkenntnisse, bestätigt also, was Alle schon wussten und schielt über den großen Teich, wo wenigstens in diesem Fall Alles besser ist.

In Zettels Raum wurde Mitte der Woche auf Meldungen aus dem Irak hingewiesen, die kaum noch Aufmerksamkeit erfahren. Im selbigen Raum freute man sich über eine vitale Ingrid Betancourt ohne Stockholm-Syndrom.

Und zum Abschluss noch einmal Hitler und das geglückte Attentat: Eine Riesen-Verschwörung witterte die Achse des Guten. Der Kopf musste einfach ab – man hätte es sonst wagen können, über ein “an der Wiener Kunstakademie gescheitertes Würstchen” zu lachen.