
In der deutschen Blogosphäre dreht es sich in diesen Tagen eindeutig um die Probleme im eigenen Land: Wie soll Deutschland auf die Finanzkrise reagieren? Da scheinen ein paar Explosionen und Straßenkämpfe in Griechenland nicht wirklich wahrgenommen zu werden.
Tatsächlich findet sich in deutschen Blogs auffällig wenig zu den Krawallen in der Wiege der Demokratie. Gibt es da einfach nichts zu sagen?
Ein kaum zu ertragendes Pathos verbreitet das Blog “Alexis Grigoropoulos” durch tränenreiche Berichte und Bekenntnisse der Genossen. Dort findet sich leider wenig Faktenwissen, dafür aber Aussagen dieser Art:
Der Punkt ist: Wir haben Feuer in die Straßen gebracht, lasst uns jetzt Feuer in unsere Köpfe bringen.
Es ist also überaus schwer, das Blog als seriöse Quelle zu betrachten, wie es auf Duckhome geschieht.
Der Lindwurm nimmt die Ereignisse in Griechenland zum Anlass, um mal wieder richtig schön über die “hirnbefreite Bagage” der Autonomen herzuziehen. Polemik gegen Polemik, so scheint’s. Auch kein gesteigerter Erkenntnisgewinn.
Auf Spreeblick wird auf das Blog eines deutschen Erasmusstudenten in Athen hingewiesen. Ebenfalls keine Darstellung von Hintergründen, aber dafür eine erschreckend realitätsnahe Dokumentation der Ereignisse.
Das Parteibuch wittert schon wieder eine Verschwörung. Die konservative griechische Regierung sei vor den Ereignissen kurz vorm Scheitern und ihre Abwahl sicher gewesen. Und jetzt sei “jedoch nichts mehr sicher. Für Costas Karamanlis könnten sie (die Krawalle) bedeuten, dass er sich an der Macht halten kann. Zufall oder Kalkül?”
Ohne Beweislast wird sich gefragt, “ob der Tod von Alexis ein Auftragsmord von Costas Karamanlis zum Zwecke des Hervorrufens der Kravalle war, die ihm nun möglicherweise seinen Posten als Regierungschef sichern.”
Da das Tränengas in Griechenland langsam knapp wird, soll Nachschub aus Deutschland geschickt werden. Fefe findet das großartig.
Tolle Kombination. Wir wissen halt, wie man Demonstrationen niederschlägt. Wieso schicken wir nicht auch gleich die Bundeswehr? Oder ein paar Prügelkompanien der Polizei? Und die Israelis könnten ein paar Bulldozer ausleihen und Wohnhäuser plattmachen. Ich bin mir sicher, das würde der verweichlichten Jugend in Griechenland zeigen, aus welcher Richtung hier der Wind weht!1!!
Nun aber zu dem Thema, das die Deutschen eigentlich interessiert.
Jens Berger kritisiert die große Koalition unter Merkel für ihre Politik der ruhigen Hand. Nur Ahnungslosigkeit und Überheblichkeit könnten “Kohls Mädchen” dazu bringen, sich gegen die Wirtschaft stimulierende Ausgaben zu sperren.
Nicht nur beim Spiegelfechter, auch im Ausland stößt das Verhalten der Bundesrepublik langsam auf Unverständnis.
Offen kritisierte Finanzminister Peer Steinbrück die massive Steuersenkung und Verschuldung Großbritanniens. Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman meldete sich daraufhin zu Wort und warf dem Minister und der Bundesregierung „Dummheit“ vor.
Auch Wolfgang Lieb meint auf den NachDenkSeiten: Steinbrücks Mundwerk ist häufig schneller als sein Hirn.
Auf Mein Parteibuch und bei Feynsinn wird sich Peer Steinbrück gleichfalls vorgeknöpft.
Krugmans eigene Theorien führen hingegen nur in eine Verschuldung in Billionenhöhe, meint Fefe – auch wenn er Krugmans Regierungs-Bashing natürlich prinzipiell unterstützt. Die Verschuldung erscheint flatter immer noch erstrebenswerter als die aktuelle Vogel-Strauß-Politik.
Weissgarnix rollt die ganze Misere von der Freud’schen Sichtweise her auf – als anal-erotische Finanzkrise.
Bild: flickr.com (fffriendly)

