Heute Abend um 21.00 Uhr treten im TV-Duell die Präsidentschaftskandidaten Ségolène Royal und Nikolas Sarkozy gegeneinander an. Vor laufenden Kameras wird ein heftiger Schlagabtausch der beiden erwartet. Vorab gibt es noch einen Einblick in das politische Handeln der Sozialistin Ségolène Royal.
Ségolène Royal
Charmant, weiblich und unermüdlich – so tritt Ségolène Royal gegen Nikolas Sarkozy an. Sie strebt es an als erste Frau das höchste Amt Frankreichs zu erringen. Die Mutter von vier Kindern wirkt viel jünger als sie ist. Mit allen Mitteln setzt sie im Wahlkampf ihre Weiblichkeit ein. In der Amtsführung jedoch ist sie Autoritär wie die Männer. Liliane Delwasse, Autorin eines kürzlich erschienenen Werks mit dem Titel “Wenn Frauen die Macht ergreifen” über Royal: “Sie übt ihre Macht mit einer autoritären Haltung aus, wie es sich viele Männer gar nicht trauen würden. Ich glaube, dass es letztendlich keine grundlegenden Unterschiede zwischen Politikerinnen und Politikern gibt.”
Obwohl sie lange Zeit keine nennenswerte politische Rolle spielte, ist Madame Royal seit Jahren ziemlich beliebt bei ihren Landsleuten. Auch innerhalb ihrer Partei „Parti socialiste“, deren Vorsitzende ihr Lebensgefährte Hollande ist, rief sie eine große Sympathiewelle hervor. 70.000 neue Mitglieder sind der Partei beigetreten. Diese sind wohl auch maßgeblich an ihrem souveränen Sieg am 16.November 2006 bei der Wahl zur Spitzenkandidatur für die Staatspräsidentenwahl 2007 verantwortlich. Mit 60,62 Prozent der Stimmen setzte sie sich gegen die Herren Fabius und Strauss-Kahn durch.
Leitbild ihrer politischen Programmatik ist das Prinzip der partizipativen Demokratie unter Einbeziehung neuer Kommunikationsformen des Internet, Weblogs und Foren. Ausgehend von ihrer Beobachtung, das politische Frankreich erlebe gegenwärtig durch den Glaubwürdigkeitsverlust und die zunehmende Bürgerferne seiner Regierung eine tiefe demokratische Krise, fordert sie von der Politik, sich stärker auf die Fähigkeit der Bürger zu stützen, ihre persönliche Expertise in den politischen Prozess einzubringen und sie so „direkter an die Ausarbeitung von Entscheidungen zu binden, die sie betreffen, sowohl auf nationaler wie auf regionaler Ebene. Die Mobilisierung dieser kollektiven Intelligenz bringt unverfälschte Ergebnisse. Der Autismus und die Arroganz der Regierung funktionieren nicht.“
Ansich ist sie in ihrem Werbefeldzug bewusst sehr vage geblieben. Nicht einmal auf ihre Worte vom Vortag hat sie sich festlegen lassen. Hat sie doch immer wieder Stichworte ins Spiel gebracht, die bürgerliche Wähler ansprachen – etwa zu Problemen der Erziehung, der Bildung und der inneren Ordnung. In der Außenpolitik kritisierte sie das Vorgehen von der US-Regierung unter George W. Bush: „Präventivkriege verschlimmern die Probleme eher, als dass sie diese zu lösen imstande sind. Es gibt niemanden außer George Bush, der der Meinung ist, die Welt sei seit der Besetzung des Irak sicherer geworden“.