Keynote: Medien im Wandel – Ende des Qualitätsjournalismus

Ein Kommentar » von David Kettner
27. November 2009 | 13:28 Uhr

Qualitätsjournalismus hat die Aufgabe durch gut ausgebildete Redakteure gesellschaftsrelevante Themen durch gründliche Recherche und Darreichung von Hintergrundinformationen dem Leser verständlich zu präsentieren. Er steht leider vor immer größeren Problemen und Herausforderungen. Dr Bernd Buchholz von der Gruner + Jahr AG, der die heutige Keynote hielt, sieht die Medienbranche von zwei großen Effekten betroffen. Zunächst verzeichnet die Branche durch die Weltwirtschaftskrise Verluste, die sich durch Anzeigenrückgang und Stellenabbau bemerkbar machen. Darüber hinaus stehen insbesondere die Verlagshäuser vor der Aufgabe, den strukturellen Veränderungen in der Medienbranche zu begegnen. Die große Anzahl neuer Medien, kostenlose Onlineportale sowie Social Networks, nehmen dem klassischen Qualitätsjournalismus den Raum zu existieren, „eine regelrechte Kostenloskultur etabliert sich,“ stellt Buchholz fest. Der Qualitätsjournalismus hat laut ihm allerdings einen hohen Wert, den es zu erhalten gibt. Die unabhängigen Medien gelten nicht umsonst als vierte Gewalt. Nur unabhängige Medien sichern eine bürgsame Kontrolle von Politik und Wirtschaft.

Die Frage die sich stellt ist vielmehr: Welche Rolle spielen journalistische Inhalte im digitalen Zeitalter? Buchholz konstatiert den klassischen Funktionen des Qualitätsjournalismus in der Tendenz einen steigenden Wert, den es geht um die inhaltliche Substanz, „Qualitätsjournalismus liefert relevante, seriöse Informationen und dient als Filterfunktion, er hilft dem potentiellen Leser über die Flut an Informationen im digitalen Zeitalter den Überblick zu behalten.“ Um dem beobachtbaren Rückgang von Finanzierungsmöglichkeiten zu begegnen gibt es zwei Lösungen. Entweder man entscheidet sich preiswerter zu produzieren, oder der Wert der Inhalte wird beim Nutzer beziehungsweiße dem Leser produziert. Klar ist aber, dass Qualität einen angebrachten Preis braucht, es kommt darauf an etwas Einzigartiges zu verkaufen. Das Problem ist, das Qualität über das Web verschenkt wird. Die Gruner + Jahr AG und andere Verlagshäuser fordern daher ein Leistungsschutzrecht, dass für andere Medienbranchen bereits existiert. Buchholz kommt zum Schluss, dass die Hamburger Erklärung, die bereits von 150 Medienhäusern unterzeichnet wurde und den Schutz von geistigem Eigentum fordert, weiter durch die Politik diskutiert werden sollte und die Schaffung einer adäquaten Gesetzgebung zur Folge haben muss. Von den Verlagen fordert er mehr Mut und Wille zur Veränderung um den qualitativ hochwertigen Journalismus auch in Zukunft zu erhalten.



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