Schlagzeilen der Woche

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6. September 2009 | 08:57 Uhr

Seit Donnerstag wird in ganz Nepal das Indra Jatra Festival gefeiert, an dem sich die lebende Königin Kumari, den Menschen zeigt. Höhepunkt war die Eröffnungsveranstaltung am Durbar Square in Basantapur, Kathmandu. Was noch alles in den zurückliegenden Tagen passiert ist: jetzt in den Schlagzeilen der Woche.

“Schwarze” Proteste während Indra Jatra

Tausende Nepalis und hunderte Touristen säumten am Donnerstag den Durbar Square in Kathmandu, um die lebende Göttin Kumari zu erleben. Gegen 15.30 Uhr fuhren dann die Limousinen von Premierminister Madhav Kumar Nepal und Präsident Ram Baran Yadav vor. Die beiden Regierungspolitiker wurden von zahlreichen Demonstranten mit schwarzen Fahnen und kritischen Slogans empfangen.

Die Proteste wurden von den UCPN-Maoist organisiert, die sich nicht nur gegen die Regierung richtete, sondern auch gegen den indischen Regierungsgast Rakesh Sood. Nachdem die Deomonstranten die anderen Gäste aufforderten, sich aktiv zu beteiligen, brach für einen kurzen Moment Panik aus, die von den bereitstehenden Polizisten unterbunden wurde. Dabei wurden drei Polizisten verletzt, einer davon in einer Auseinandersetzung mit dem “Schwarzen Block” schwer.

Jha wiederholt Eid auf Maithili’

Nach Wochen der Ungewissheit und politischer Machtspielchen hat sich Vizpräsident Paramananda Jha dazu bereit erklärt, den zwischenzeitlich annulierten Eid zur Amtseinführung in einem lokalen nepalesischen Dialekt zu wiederholen. Am heutigen Sonntag soll dem Supreme Court, der Jha mit einer gerichtlichen Auflage zur Wiederholung der Vereidung gedrängt hatte, ein Schreiben des Vizepräsident überstellt werden.

Darin soll er seine Sicht der vergangenen Wochen dargelegt haben und sich zu einer erneuten Vereidung bekennen, die er auf Maithili’ leisten wird. Als Reaktion auf seine wochenlange Weigerung zog das Militär vor wenigen Tagen die Schutzbeamten vor Jhas Residenz ab. Letzte Woche detonierten zwei Sprengsätze in der Nähe seines Hauses. Grund für den Abzug sei Jhas “Respektlosigkeit” gegenüber dem nepalesischen Staat. Die Beamten wurden durch Polizeikräfte ersetzt.

Überfall auf indische Priester am Pashupatinath

Eigentlich stehen die hinduistischen Priester des Pashupatinath-Tempel für Besinnung, Gebete und Frieden. Doch die Einführung zweier indischer Geistlicher führte zu einem gewaltsamen Übergriff. Girish Bhatta und Raghavendra Bhatta wurden in dieser Woche zu Priestern des Tempels geweiht. Bereits im Vorfeld hatte es auf Grund der Ernennung zu zahlreichen Diskussionen zwischen dem Regierungsbündnis und der maoistischen Opposition gegeben. Zwei indische Priester eines nepalesischen Tempels?

Für Premierminister Nepal schloßen sich dieser Zusammenhang nicht aus. Die beiden Priesterstellen, die seit Monaten vakant waren, mussten aus traditionellen Gründen noch vor den großen Feierlichkeiten um Dashain besetzt werden. Girish und Raghavendra durften die beiden Plätze einnehmen, die sie seit vergangenen Mittwoch auch offiziell in Anspruch nahmen. Die angekündigten Proteste und Aktionen der Maoisten gegen die Ernennung ließen nur einen Tag auf sich warten und endeten in einem exzessiven Gewaltakt.

Die Angreifer, bestehend aus Mitgliedern der Unified CPN-Maoist und der Priest Appointment Joint Struggle Committee (PAJSC), drangen am Donnerstag in den heiligen Aufenthaltsraum der beiden indischen Priester ein und traktierten beide mit Eisenstangen. Sie wurden aus dem Raum geschleift und zu einem 100 Meter entfernten Tempel geschleppt. Dort wurden sie zusammengeschlagen.

Die verantwortlichen Behörden des Tempels konnten zunächst nicht gegen die Angreifer einschreiten. Erst als ein Polizeiaufgebot eintraf, konnten die Angreifer überwältigt werden. 12 Personen wurden festgenommen, fünf davon trugen Verletzungen von sich. Trotz der Inhaftierung kündigte der Präsident der PAJSC, Rishi Prasad Sharma, weitere gewaltsame Aktionen gegen die beiden Bhattas an.

Nepalesische Priester wurden abgesetzt

Hintergrund der Auseinandersetzung ist die Nationalität der beiden Priester und die Absetzung zweier nepalesischer Kandidaten Anfang des Jahres. Die ersten nepalesischen Priester, Bishnu Dahal und Shaligram Dhakal, wurden Ende Dezember 2008 von der damals regierenden Maoistischen Allianz eingesetzt. Nach dem Regiernungswechsel hatte diese Einsetzung keinen Bestand mehr. Maoisten und PAJSC kämpfen für mehr nepalesische Priester in den heiligen Stätten in Kathmandu. Dass die angewendete Gewalt der hinduistischen Religion und dem Dasein als Priester konträr gegenübersteht, scheint beide Parteien nicht von ihren Vorhaben abzuhalten.

In der Zwischenzeit hat sich auch die indische Regierung zu Wort gemeldet und die nepalesischen Behörden in die Pflicht genommen. “The Nepali authorities have assured us that they are taking additional steps to ensure the safety and security of Indian priests in Nepal”, sagte der indische Außenminister SM Krishna.

100 Tage Regierung: Ein erstes Fazit der Himalayan Times

Journalist Bishnu Prasad Aryal bezeichnet in seinem Artikel die ersten 100 Tage der Regierung als “Honeymoon”. Fünf der wichtigsten Ziele der Regierung wurden noch nicht umgesetzt. Dazu zählt eine Neuausrichtung der verschiedenen regionalen Gemeinden und das Inkrafttreten neu gewählter Gemeindevorstände. “Über 1.100 Sitze sind weiterhin vakant”, so Bhim Prasad Dhungana von der Village Development Committee Federation (VDCF). Ein weiterer Grund für die Maoisten, sich gegen die Regierung zu stellen und zusammen mit der VDCF eine Schattenregierung zu gründen.

Außerdem scheint vor allem das Ministry of Local Development (MoLD) mit den verschiedenen Aufgaben überfordert zu sein. Weder die Aufteilung der Gemeinden noch das Problem der Müllbeseitigung (mehr dazu am Dienstag auf Jindagi in Nepal) wurde bisland in Angriff genommen. Außerdem sollten die Schäden an der Infrastruktur, die durch die maoistischen Rebellen verursacht wurden, behoben werden. Es bleibt noch viel zu tun für die Regierungskoalition um Premierminister Nepal. Doch die Hoffnung, dass die nächsten 100 Tage sich deutlich von den ersten unterscheiden, scheint gering zu sein.

Kinderheirat in Nepal weiterhin vorhanden

Laut einer neuen Studie der nepalesischen NGO Child Workers in Nepal Concerned Centre (CWIN) werden 34 Prozent aller Ehen in Nepal mit Frauen unter 16 Jahren abgeschlossen. Sumnima Manandhar von CWIN bestätigte zudem, dass 7 Prozent dieser Ehen mit Mädchen im Alter unter 10 Jahren vollzogen werden. Darüber hinaus hat sich die Situation für Frauen in Nepal in den zurückliegenden Jahren nicht gebessert: “12.000 nepalesische Frauen und Mädchen werden jedes Jahr ins Ausland verkauft, davon sind knapp 20 Prozent deutlich unter 16 Jahre alt.” Die CWIN erarbeitet momentan ein Konzept, welches sie Sarbadev Prasad Ojha, Ministerin für Frauen, Kinder und Soziale Fürsorge, in Kürze vorlegen will.

Prachanda übt weiter Druck auf die Regierung aus

Der Oppositionsführer und Vorsitzende der UCPN-Maoist, Pushpa Kamal Dahal ‘Prachanda’, warnte am gestrigen Samstag die Regierung vor einer weiteren Zuspitzung des Konfliktes mit den oppositionellen Maoisten. Sollte die Koalition weiterhin die Ergebnisse der zurückliegenden Wahl missachten, führe dies unweigerlich zu einer “Rebellion”: “If the nation goes into conflict, then 1 million people will be killed, which is far more than those 10.000 people who sacrificed their lives during the people’s war.”

Prachanda sieht die Schuld seines “hurt motherland” im Büro des Premierministers und erneuerte gleichzeitig das Angebot, sich “die Hände zu reichen”. Dabei übersieht er gänzlich, dass die UCPN-Maoist aus freien Stücken aus der Regierung ausgetreten ist. Grund war die nicht erfolgte Absetzung des Militärchefs Rookmangud Karawal, der aber mittlerweile in den Ruhestand versetzt wurde. Seine Drohungen und Ankündigungen der zurückliegende Wochen verfolgen den Zweck, seine Anhänger zu mobilisieren.

Betrachtet man die massiven Proteste und die gewaltsamen Übergriffe der Maoisten, gibt es momentan keinen plausiblen Grund, den maoistischen Parteien wieder Vertrauen entgegenzubringen und Regierungsverantwortung übertragen zu können.

Jhas einsame Entscheidung

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3. September 2009 | 09:10 Uhr

Vizepräsident Paramananda Jha hat auf einer Pressekonferenz eine Entscheidung getroffen, mit der niemand gerechnet hat.

Jha verkündete, dass er weder zurücktreten noch den Eid auf Nepali wiederholen werde. Stattdessen werde er für einige Tage sein Büro verlassen und “abtauchen”. Damit kam er weder dem Drängen von Premierminister Madhav Kumar Nepal und des Supreme Courts noch den Forderungen seiner Kritiker nach, die vehement und nachdrücklich seinen Rücktritt forderten.

Kurz nach der Pressekonferenz kündigten die Maoisten – reflexartig – Proteste an, während die Presse in den zurückliegenden Tagen eine Diskussion über die Vielfalt der Amtssprachen in Nepal angestossen haben. Sollen neben Nepali auch die verschiedenen Dialekte der nepalesischen Distrikte, Hindi und sogar Englisch (nach indischem Vorbild) als Amtssprache erlaubt werden?

Alle Ankündigungen und Diskussionen werden ihren Höhepunkt erreichen, so bald Jha aus seinem selbstgewählten Untergrunddomizil wieder auftaucht. Der Zeitpunkt ist noch nicht bekannt, sicher ist aber: Die linguistischen Possespiele um Vizepräsident Jha gehen weiter.

Lösung im Fall Jha in Sicht?

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30. August 2009 | 06:39 Uhr

Nach den Vorfällen am Freitag (“KRWP und YCL auf gefährlichem Konfrontationskurs”) wurde am gestrigen Samstag ein weiterer Sprengsatz in der Nähe des Hauses von Vizepräsident Jha gefunden.

Dieser konnte durch das Bombenkommando der nepalesischen Polizei entschärft werden. Erneut soll die Kirat Republican Workers Party (KRWP) dafür verantwortlich sein. Eine offizielle Bestätigung gibt es allerdings noch nicht. In der Zwischenzeit konnten vier Verdächtige am Freitag vorläufig festgenommen werden. Sie sollen aus dem Umfeld der KRWP stammen.

Gleichzeitig gingen Unterstützer des Vizepräsidenten in Birgunj (Distrikt Janakpurdham) auf die Straßen. Sie protestierten gegen die Entscheidung des Supreme Court, Jha solle innerhalb einer Woche seinen auf Hindi geleisteten Eid auf Nepali, der offiziellen Amtssprache in Nepal, wiederholen. Bei den Protesten zündeten die Männer Reifen an und blockierten die Hauptverkehrsstraßen. Die Polizei musste mit Tränengas einschreiten und nahm vier Demonstranten fest. Die betroffenen Geschäfte, die am Vormittag wegen der Unruhen geschlossen wurden, konnten am Nachmittag wieder öffnen.

Premierminister Madhav Kumar Nepal erneuerte noch einmal seine Bitte, Jha solle seine strikte Ablehnung in diesem Fall noch einmal überdenken. Dieser entgegnete, dass er gerade unter dem Eindruck der Sprengsätze nicht zurückweichen werde. Die gesetzte Frist wird morgen auslaufen. Jha kündigte für heute Nachmittag eine Pressekonferenz an. Auf dieser könnte er mit einem denkbaren Kompromissvorschlag seine Kritiker besänftigen: An Stelle auf Nepali könnte er den Eid in (s)einem lokalen, nepalesischen Dialekt wiederholen. Weshalb Jha den Schwur nur auf Hindi ablegen will, ist weiterhin unklar.

Unabhängig von seiner Entscheidung und weiteren Ausschreitungen bezeichnen viele Nepalis die Situation weiterhin als ruhig. Man sei weit entfernt von einer Eskalation. Auf die Frage, ob sie die Sprengsätze nicht beunruhigen würden, entgegnen sie: “Während dem Kampf der maoistischen Rebellen gegen den König ging mindestens ein Sprengsatz pro Tag in die Luft. Die jetzige Situation ist also noch sehr ruhig.”

Standortbestimmung

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3. August 2009 | 19:44 Uhr

Nepal, das Land der 8000er und der ausgedehnten Trekkingtouren, wird nicht nur durch seine imposanten Berge, sondern auch durch seine Städte geprägt. Zwei besonders gegensätzliche Beispiele sind Kathmandu und Bhaktapur.

In der Hauptstadt Kathmandu leben knapp eine Millionen Menschen auf engstem Raum zusammen. Die Stadt wird vor allem im Monsunreichen Monaten von einer schwarzen Abgaswolke verhüllt. Unzählige Baustellen verursachen lange Staus und symbolisieren Aufbruch und Stillstand zu gleich. Auf den Straßen streiten sich die Fahrer von Rikschas, Motorrädern, Microbussen und Autos um den kaum vorhandenen Platz. Jede Lücke wird genutzt, egal ob der Platz wirklich ausreicht. Manche spotten, dass der Zustand des Straßenverkehrs viel über den Zustand der Gesellschaft verrät.

Kathmandu
Das Foto von Kathmandu unterliegt einer CC Lizenz der Wikimedia Commons.

Kathmandu ist auch Sitz der nepalesischen Regierung unter Premier Madhav Kumar Nepal, dem Vorsitzenden der Kommunistischen Partei (CNP) und einer 22-Parteien-Allianz. Nach dem Rücktritt des vorherigen Premiers, dem Maoisten Pushpa Kamal Dahal, und der daraus resultierenden Oppositionshaltung der stärksten Partei, versuchen Nepal und seine Kollegen, demokratische Standards zu etablieren, eine Verfassung auszuarbeiten und den Friedensprozess weiter voranzutreiben. Schwere Aufgaben, die unweigerlich – wie der Verkehr – zu alltäglichem Chaos führen.

Bhaktapur, 15 Kilometer östlich der Hauptstadt gelegen, ist die drittgrößte Stadt im Kathmandu Valley und bildet einen Gegenpol zur Hauptstadt – in jeglicher Hinsicht. Die Stadt entwickelte sich an einem Handelsweg nach Tibet. Gegründet im 12. Jahrhundert von König Anand Dev Malla, sind 99 % der Stadt ist im traditionellen Stil der Newar erbaut und erhalten worden, unter anderem dank großzügiger Unterstützung aus Deutschland. So sagte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl 1987 zu, die nach dem Erdbeben teilweise zerstörte Stadt wieder aufzubauen. Fünf Jahre später wurden die restaurierten Tempel, darunter der Cysalin Mandap aus dem 18. Jahrhundert, eingeweiht.

55-Fenster-Palast in Bhaktapur

Die besondere Verbundenheit der Menschen vor Ort mit Deutschland erfährt man nicht nur in Bhaktapur. Allein über 150 deutsche Nichtregierungsorganisationen (NGOs) haben sich in Nepal niedergelassen, um in den unterschiedlichsten Bereichen tätig zu sein. Von der Unterstützung eines Waisenhauses über den Ausbau der Schulbildung oder der Beratung von Projekten im Bereich der Wasseraufbereitung. Dazu gesellen sich noch Organisationen aus dem Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, angefangen von der GTZ und dem DED über CIM und die KfW.

Ein Land voller Gegensätze und Umbrüche, unterschiedlicher Interessensgruppen und wirtschaftlicher Abhängigkeiten, eingekeilt zwischen den aufstrebenden Global Playern Indien und China. Die Voraussetzungen könnten wahrlich einfacher sein.

Demnächst an dieser Stelle: Wie sich Unberührbare einen Platz in der Gesellschaft sichern wollen und warum junge Akademiker in Massen das Land verlassen.



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