Nepal, das Land der 8000er und der ausgedehnten Trekkingtouren, wird nicht nur durch seine imposanten Berge, sondern auch durch seine Städte geprägt. Zwei besonders gegensätzliche Beispiele sind Kathmandu und Bhaktapur.
In der Hauptstadt Kathmandu leben knapp eine Millionen Menschen auf engstem Raum zusammen. Die Stadt wird vor allem im Monsunreichen Monaten von einer schwarzen Abgaswolke verhüllt. Unzählige Baustellen verursachen lange Staus und symbolisieren Aufbruch und Stillstand zu gleich. Auf den Straßen streiten sich die Fahrer von Rikschas, Motorrädern, Microbussen und Autos um den kaum vorhandenen Platz. Jede Lücke wird genutzt, egal ob der Platz wirklich ausreicht. Manche spotten, dass der Zustand des Straßenverkehrs viel über den Zustand der Gesellschaft verrät.

Das Foto von Kathmandu unterliegt einer CC Lizenz der Wikimedia Commons.
Kathmandu ist auch Sitz der nepalesischen Regierung unter Premier Madhav Kumar Nepal, dem Vorsitzenden der Kommunistischen Partei (CNP) und einer 22-Parteien-Allianz. Nach dem Rücktritt des vorherigen Premiers, dem Maoisten Pushpa Kamal Dahal, und der daraus resultierenden Oppositionshaltung der stärksten Partei, versuchen Nepal und seine Kollegen, demokratische Standards zu etablieren, eine Verfassung auszuarbeiten und den Friedensprozess weiter voranzutreiben. Schwere Aufgaben, die unweigerlich – wie der Verkehr – zu alltäglichem Chaos führen.
Bhaktapur, 15 Kilometer östlich der Hauptstadt gelegen, ist die drittgrößte Stadt im Kathmandu Valley und bildet einen Gegenpol zur Hauptstadt – in jeglicher Hinsicht. Die Stadt entwickelte sich an einem Handelsweg nach Tibet. Gegründet im 12. Jahrhundert von König Anand Dev Malla, sind 99 % der Stadt ist im traditionellen Stil der Newar erbaut und erhalten worden, unter anderem dank großzügiger Unterstützung aus Deutschland. So sagte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl 1987 zu, die nach dem Erdbeben teilweise zerstörte Stadt wieder aufzubauen. Fünf Jahre später wurden die restaurierten Tempel, darunter der Cysalin Mandap aus dem 18. Jahrhundert, eingeweiht.

Die besondere Verbundenheit der Menschen vor Ort mit Deutschland erfährt man nicht nur in Bhaktapur. Allein über 150 deutsche Nichtregierungsorganisationen (NGOs) haben sich in Nepal niedergelassen, um in den unterschiedlichsten Bereichen tätig zu sein. Von der Unterstützung eines Waisenhauses über den Ausbau der Schulbildung oder der Beratung von Projekten im Bereich der Wasseraufbereitung. Dazu gesellen sich noch Organisationen aus dem Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, angefangen von der GTZ und dem DED über CIM und die KfW.
Ein Land voller Gegensätze und Umbrüche, unterschiedlicher Interessensgruppen und wirtschaftlicher Abhängigkeiten, eingekeilt zwischen den aufstrebenden Global Playern Indien und China. Die Voraussetzungen könnten wahrlich einfacher sein.
Demnächst an dieser Stelle: Wie sich Unberührbare einen Platz in der Gesellschaft sichern wollen und warum junge Akademiker in Massen das Land verlassen.