KRWP und YCL auf gefährlichem Konfrontationskurs

Ein Kommentar » von Alf-Tobias Zahn
29. August 2009 | 18:15 Uhr

Ein Eid auf Hindi sorgt für politische Konflikte und gewaltsame Übergriffe: Ein detonierter Sprengsatz und angedrohte Selbstmordanschläge offenbaren eine niedrige Hemmschwelle und eine zunehmende Radikalität innerhalb der politischen Klasse und der nepalesischen Gesellschaft.

Bereits unmittelbar nach seiner Vereidigung am 28. Juli musste sich Vizepräsident Paramananda Jha gegen Vorwürfe zur Wehr setzen, dass der von im auf Hindi geleistete Eid nicht gültig sei und wurde daraufhin mehrmals vom nepalesischen Supreme Court angewiesen, den Schwur zu wiederholen – und diesmal auf Nepali. Jha wiederum verwies auf sein Recht, eben jenen Schwur auch auf Hindi leisten zu dürfen.

Jha unter Druck

Dank der politischen Vertretung der Maoisten, die sich momentan in der Opposition befinden und keine Gelegenheit auslassen, auf die Regierungskoalition Druck auszuüben, wurde das Thema immer wieder am köcheln gehalten. Ihre Forderung war klar und unmissverständlich: Der Eid muss wiederholt werden, sonst drohen Streik und weitere Auseinandersetzungen.

Seit gestern Abend hat sich die Lage deutlich verschärft: 50 Meter von Jhas Haus entfernt detonierte um 19.30 Uhr ein Sprengsatz. Jha und seine Familie wurden nicht verletzt, lediglich ein Passant erlitt leichte Verletzungen. Ein Bekennerschreiben der Kirat Republican Workers Party (KRWP) wurde gefunden, die die Verantwortung für die Tat übernehmen. Die Gruppierung erregte bereits am Donnerstag landesweites Aufsehen, als fünf vermummte Mitglieder der Gruppierung auf einer Pressekonferenz mit Waffen erschienen und Drohungen gegen Innenminister Bhim Rawal aussprachen.

Was will die Kirat Republican Workers Party?

Rawal hatte unlängst in einem offiziellen Statement verkündet, weiter gegen bewaffnete Gruppierungen in Nepal vorzugehen und am Friedensprozess festzuhalten. Das Innenministerium veröffentlichte eine Liste mit 119 Gruppen, die in der nahen Zukunft entwaffnet werden sollen. Darunter: Die KRWP.

Welche Ziele die KRWP – die Anhänger einer leninistisch-maoistisch-kommunistischen Grundhaltung sind – verfolgt ist bislang nicht ersichtlich. Nach eigenen Aussagen kämpfen sie für die Einführung eines eigenen Bundesstaates innerhalb Nepals – und wollen sich gegen eine Verfolgung durch die Regierung zur Wehr setzen. Sie drohen offen mit Selbstmordattentaten, falls die Regierung die KRWP nicht von der Liste streicht. Sie sind mit schweren Waffnen ausgestattet und wurden angeblich von den Tamil Tigers aus Sri Lanka ausgebildet. Der gestrige Anschlag unterstreicht ihr offensichtlich vorhandenes Gewaltpotential.

Jugendorganisation der Maoisten verprügelt Lehrer

Die Nachrichten über politisch motivierte Gewalttaten dominieren die nationalen Schlagzeilen. Am Donnerstag griffen 30 Männer der Young Communist League (YCL), der Jugendorganisation der Maoisten der Unified CPN-Maoist, eine Schule im Gorkha Distrikt an. Ziel war Krishna Prasad Dhital, ein Lehrer der Syartan Lower Secondary School in Kharibot. Er gehört der Lehrergewerkschaft an, die wiederum dem nepalesischen Kongress nahe steht. Dies reichte offensichtlich aus, Dhital und die komplette Lehrerschaft zu verprügeln. Die Schule wurde vorübergehend geschlossen. 400 Schüler warten nun auf die Fortsetzung des Unterrichts in den nächsten Tagen.

Und aus aktuellem Anlass erneute Fotoarbeiten von Nabin Baral, der maoistische Rebellen mit seiner Kamera begleiten konnte. Hier geht es direkt zu den Fotos.

Die Einschätzungen meiner nepalesischen Freunde und Bekannten scheinen sich zu bewahrheiten: Kaum geht der Monsun zu Ende, steigt die Streik- und Gewaltbereitschaft. In den nächsten Wochen könnte sich die Lage zunehmend verschärfen und erst zum zehntätigen Dashain Festival wieder etwas beruhigen. Was danach passiert? Man kann eigentlich nur auf Regen hoffen.

Ostermärsche: Spaziergänge für den Frieden

Äußere deine Meinung, Anregung oder Frage hier von Manuel Lianos politik.de
10. April 2007 | 10:23 Uhr

Ostern ist wie Weihnachten eine Zeit, in der wegen der gebratenen Gänse und Lämmer der Cholesterinspiegel akut gefährdet ist. Doch es gibt auch die – politisch motivierte – Gegenbewegung: Raus aus dem Speisezimmer und rauf die Straße, zum traditionellen Ostermarsch! Am vergangenen Wochenende sollen es gar wieder mehr Friedensdemonstranten gewesen sein als noch im Vorjahr!

Demo_Ostern

Ob Afghanistan, Irak, Iran – Gründe, für den Frieden die Beine in die Hand und die Trillerpfeife in den Mund zu nehmen, die gibt es ja durchaus auch 2007. Lebt die totgesagte Demo als Form des sinnlich erfahrbaren Protestes auch in diesem Jahr weiter?

Franziska Eichstädt-Bolig, Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, hält in der taz dagegen: “Das Phänomen Ostermarsch hatte seine Zeit”, die Märsche seien “eine Protestform des Kalten Krieges” gewesen. Aus! Schluss! Vorbei! Heute müssen wir eben lernen zu differenzieren! Liebe Grünen-Vorsitzende, sollen wir nun in Zukunft, weil es die rote Gefahr nicht mehr gibt, an Ostern zu Hause bleiben, Eier suchen und uns italienische Filmproduktionen über die letzten Tage des Messias zu Gemüte führen?



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