Geschätzte 20 Millionen sahen gestern Abend die erste und einzige Debatte zwischen den französischen Präsidentschaftskandidaten Ségolène Royal und Nicolas Sarkozy. Um die Gunst der noch unentschlossenen Wähler haben die beiden Rivalen in einem hitzigen Schlagabtausch geworben, bevor sie am Sonntag zur Stichwahl antreten. Die Sozialistin Royal gab sich angriffslustig und versuchte ihr Gegenüber immer wieder aus dem Konzept zu bringen. Der konservative Sarkozy, einer der besten Debattierer der Nation, aber auch bekannt für seine Temperamentausbrüche, bemühte sich spürbar die Haltung zu bewahren.
Das Los entschied – Sarkozy hatte das erste Wort und blieb eher unverbindlich. Royal nutzte dies gleich um einen ersten Angriff zu starten. Beim Thema Sicherheit und Ordnung hat sie mehrfach auf Sarkozys Mitverantwortung als bisheriger Innenminister hingewiesen. Er hingegen gab sich erstaunlich einsichtig und selbstkritisch. Als es um die Wirtschaftsfragen ging, äußerte Royal eher allgemeine Aussagen: Der Mittelstand sei der Motor der französischen Wirtschaft. Nur dort könnten nennenswert neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Weitere Themen, die den Wahlkampf in den letzten Wochen geprägt hatten, wurden heruntergespult. Die unterschiedlichen Pläne wurden deutlich. Eine Überraschung – bei den Mindestlöhnen und der Kaufkraft sind sich die Kandidaten einig.
Eher ruhig verlief die Debatte bis dahin. Keiner konnte wirkliche Akzente setzen, keiner leistete sich größere Patzer. Erst nach 2 Stunden erreichte die Debatte ihren emotionalen Höhepunkt, als Sarkozy Behinderten einen Rechtsanspruch auf einen Platz im normalen Schulsystem versprach. Da brauste Royal auf und zählte auf, wie viele Sozialarbeiter und Betreuer in den fünf Jahren der konservativen Regierung aus den Schulen entlassen worden seien: “Nein, ich werde mich nicht beruhigen”, sagte die Kandidatin, Sarkozy erwiderte, um Präsident zu sein, müsse man ruhig bleiben, Antwort Royal: “Nicht, wenn es Ungerechtigkeiten gibt.” Mehrere Minuten hielt der teils auch inhaltliche Streit an, bis der konservative Sarkozy noch einmal nachlegte: “Wenigstens hatte dieser Streit einen Erkenntniswert: Sie werden leicht zornig, sie fahren leicht aus der Haut. Aber, Frau Royal, der Präsident der Republik trägt eine hohe Verantwortung, eine sehr hohe Verantwortung.”
Wenn man den anschließenden Umfragen glaubt, hatte die um Etliches überzogene Debatte keinen wirklichen Gewinner. Genau wird man es erst am Sonntag wissen, dann wird gewählt. Danach beginnt ein neuer Wahlkampf, um die Mehrheit im Parlament.


Charmant, weiblich und unermüdlich – so tritt Ségolène Royal gegen Nikolas Sarkozy an. Sie strebt es an als erste Frau das höchste Amt Frankreichs zu erringen. Die Mutter von vier Kindern wirkt viel jünger als sie ist. Mit allen Mitteln setzt sie im Wahlkampf ihre Weiblichkeit ein. In der Amtsführung jedoch ist sie Autoritär wie die Männer. Liliane Delwasse, Autorin eines kürzlich erschienenen Werks mit dem Titel “Wenn Frauen die Macht ergreifen” über Royal: “Sie übt ihre Macht mit einer autoritären Haltung aus, wie es sich viele Männer gar nicht trauen würden. Ich glaube, dass es letztendlich keine grundlegenden Unterschiede zwischen Politikerinnen und Politikern gibt.”
Nach 12 Jahren neigt sich die Ära Jacques Chirac dem Ende zu. Der Staatspräsident verzichtet auf eine dritte Kandidatur. Aus dem ersten Wahlgang am 22. April sind der konservative Nicolas Sarkozy (UMP) und die Sozialistin Ségolène Royal (PS) als Sieger hervor gegangen. Beide stehen sich nun in der Stichwahl am 6. Mai gegenüber.
Seit fünf Jahren ist er ohne Pause auf Stimmenfang. Nun sind es nur noch wenige Meter die ihm bis zu seinem Ziel “Le président de la France” fehlen. Dabei legte er sich anfangs selber Steine in den Weg. Bei den Präsidentschaftswahlen 1995 wechselte er ins Lager von Edouard Balladur, Gegner seines Entdeckers und politischen Ziehvaters Jacques Chirac. Doch Chirac gewann und ist seit fast zwölf Jahren Präsident der Franzosen.








