Das Vertrauen in die Banken nach der Krise

Äußere deine Meinung, Anregung oder Frage hier von Arvid Schwinge
25. Juni 2009 | 17:21 Uhr

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Am Standort des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) fand ein Expertengespräch zwischen dem FORSA-Chef, Prof. Manfred Güllner, und dem Leiter für Kommunikation und Medien des DSGV, Christian Achilles, über den Glaubwürdigkeitsverlust der Banken während und nach der Finanzkrise statt. Der Schwerpunkt lag natürlich auf der aktuellen Rolle der Sparkassen.

Es herrschte Einigkeit darüber, dass die Sparkassen zurzeit ein höheres Vertrauen als die Privatinstitute besitzen. Dies wurde unter anderem damit begründet, dass sie über eine Vielzahl von Filialen und Beratern verfügen und daher sehr bürgernah agieren. Darüber hinaus gehört es nicht zum Kerngeschäft der Sparkassen, Papiere mit hohen Renditemöglichkeiten zu verkaufen, weswegen sie so gut wie keine solcher “Giftpapiere” aufkaufte und daher kaum von der Finanzkrise betroffen war. Dagegen haben die Privat- und Landesbanken einen hohen Vertraunsverlust zu verzeichnen. Dies sei aber zumindest bei den Landesbanken nicht ganz berechtigt, da nicht alle von der Finanzkrise gleich betroffen sind.

Beim Blick in die Zukunft wurde mahnend darauf hingewiesen, dass einige Banken das “Casino” bereits wieder als eröffnet ansehen und aus der Krise nichts gelernt hätten. Sollten sie tatsächlich nicht ihre Lehren aus der Krise ziehen, werden sie das Vertrauen der Bürger nur sehr schwer zurückgewinnen.

Feuernde Griechen, ein feuernder Finanzminister und was Freud sagen würde. Blogschau (12/III)

Äußere deine Meinung, Anregung oder Frage hier von Eva
14. Dezember 2008 | 23:40 Uhr

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In der deutschen Blogosphäre dreht es sich in diesen Tagen eindeutig um die Probleme im eigenen Land: Wie soll Deutschland auf die Finanzkrise reagieren? Da scheinen ein paar Explosionen und Straßenkämpfe in Griechenland nicht wirklich wahrgenommen zu werden.

Tatsächlich findet sich in deutschen Blogs auffällig wenig zu den Krawallen in der Wiege der Demokratie. Gibt es da einfach nichts zu sagen?

Ein kaum zu ertragendes Pathos verbreitet das Blog “Alexis Grigoropoulos” durch tränenreiche Berichte und Bekenntnisse der Genossen. Dort findet sich leider wenig Faktenwissen, dafür aber Aussagen dieser Art:

Der Punkt ist: Wir haben Feuer in die Straßen gebracht, lasst uns jetzt Feuer in unsere Köpfe bringen.

Es ist also überaus schwer, das Blog als seriöse Quelle zu betrachten, wie es auf Duckhome geschieht.

Der Lindwurm nimmt die Ereignisse in Griechenland zum Anlass, um mal wieder richtig schön über die “hirnbefreite Bagage” der Autonomen herzuziehen. Polemik gegen Polemik, so scheint’s. Auch kein gesteigerter Erkenntnisgewinn.

Auf Spreeblick wird auf das Blog eines deutschen Erasmusstudenten in Athen hingewiesen. Ebenfalls keine Darstellung von Hintergründen, aber dafür eine erschreckend realitätsnahe Dokumentation der Ereignisse.

Das Parteibuch wittert schon wieder eine Verschwörung. Die konservative griechische Regierung sei vor den Ereignissen kurz vorm Scheitern und ihre Abwahl sicher gewesen. Und jetzt sei “jedoch nichts mehr sicher. Für Costas Karamanlis könnten sie (die Krawalle) bedeuten, dass er sich an der Macht halten kann. Zufall oder Kalkül?”
Ohne Beweislast wird sich gefragt, “ob der Tod von Alexis ein Auftragsmord von Costas Karamanlis zum Zwecke des Hervorrufens der Kravalle war, die ihm nun möglicherweise seinen Posten als Regierungschef sichern.”

Da das Tränengas in Griechenland langsam knapp wird, soll Nachschub aus Deutschland geschickt werden. Fefe findet das großartig.

Tolle Kombination. Wir wissen halt, wie man Demonstrationen niederschlägt. Wieso schicken wir nicht auch gleich die Bundeswehr? Oder ein paar Prügelkompanien der Polizei? Und die Israelis könnten ein paar Bulldozer ausleihen und Wohnhäuser plattmachen. Ich bin mir sicher, das würde der verweichlichten Jugend in Griechenland zeigen, aus welcher Richtung hier der Wind weht!1!!

Nun aber zu dem Thema, das die Deutschen eigentlich interessiert.
Jens Berger kritisiert die große Koalition unter Merkel für ihre Politik der ruhigen Hand. Nur Ahnungslosigkeit und Überheblichkeit könnten “Kohls Mädchen” dazu bringen, sich gegen die Wirtschaft stimulierende Ausgaben zu sperren.
Nicht nur beim Spiegelfechter, auch im Ausland stößt das Verhalten der Bundesrepublik langsam auf Unverständnis.
Offen kritisierte Finanzminister Peer Steinbrück die massive Steuersenkung und Verschuldung Großbritanniens. Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman meldete sich daraufhin zu Wort und warf dem Minister und der Bundesregierung „Dummheit“ vor.
Auch Wolfgang Lieb meint auf den NachDenkSeiten: Steinbrücks Mundwerk ist häufig schneller als sein Hirn.

Auf Mein Parteibuch und bei Feynsinn wird sich Peer Steinbrück gleichfalls vorgeknöpft.

Krugmans eigene Theorien führen hingegen nur in eine Verschuldung in Billionenhöhe, meint Fefe – auch wenn er Krugmans Regierungs-Bashing natürlich prinzipiell unterstützt. Die Verschuldung erscheint flatter immer noch erstrebenswerter als die aktuelle Vogel-Strauß-Politik.

Weissgarnix rollt die ganze Misere von der Freud’schen Sichtweise her auf – als anal-erotische Finanzkrise.

Bild: flickr.com (fffriendly)

Weshalb sächsische Schüler so schlau sind und wie Truthähne gemacht werden: Blogschau (11/IV)

Äußere deine Meinung, Anregung oder Frage hier von Eva
24. November 2008 | 16:11 Uhr

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Die Pisa-Studie hat für allgemeines Aufatmen gesorgt: Insgesamt haben sich alle angestrengt und das Sorgenkind Ostdeutschland ist gar auf die ersten Plätze gerutscht. Na okay, nicht der ganze Osten, sondern zwei Länder. Und wie haben die das bitteschön gemacht?
In Zettels Raum wird darauf hingewiesen, dass es sich auffälligerweise um CDU-Länder handelt! Und bei genauerer Betrachtung erkennt Zettel: Auch die alten Bundesländer, die in Sachen Lebensqualität an der Spitze stehen, werden von der Union regiert! Das Zettel’sche Gesetz: Unions-regierten Ländern geht es besser. Quod erat demonstrandum.

Tatsächlich hängt das Schlussfolgern von den Wahrnehmungskategorien des jeweiligen Bloggers ab: Für Christian Soeder sind es (natürlich augenzwinkernd) die “komischen Liberalen”, die nun in Bayern mitregieren und Schuld tragen am Punkteverlust des Freistaates in der Pisa-Studie.

Es gibt aber auch Begründungsmodelle, die nichts mit der jeweiligen herrschenden Partei, sondern mit den Menschen selbst zu tun haben: Jörg Lau verweist (zwar betitelt mit “Schmutzige kleine Geheimnisse der Bildungsforschung”, aber leider kommentarlos) auf ein Interview mit Pisa-Chef Manfred Prenzel. Dieser stimmt der Äußerung zu, dass Sachsen so gut abgeschnitten habe, weil es eine geringe Zahl von Migrantenkindern in den Schulen gäbe.

Und dann die Finanzkrise. Niemand kennt sich aus, alle reden mit. So zum Beispiel Spreeblick: Weniger Gejammere und mehr Contenance wünscht sich Johnny Haeusler von Firmenbossen und Topmanagern, beispielsweise von der BASF. Die würden mit dem Kopf an die vielleicht unvermeidliche natürliche Wachstumsgrenze stoßen und weinend zu Mama Staat rennen.
Andererseits sind nun einmal Arbeitsplätze in Gefahr, wie Duckhome berichtet. Und wenn die Jobs erst mal weg sind, wird das Geschrei groß sein, warum bestimmte Firmen nicht früh genug gejammert haben…

Jens Berger beschäftigt sich mit konkreten Rettungsplänen von Opel und Mutterkonzern General Motors. Diese hängen in letzter Konsequenz mit der Entscheidung Washingtons zusammen, General Motors fallen zu lassen oder nicht. Somit retten amerikanische Steuergelder europäische Arbeitsplätze, weshalb jeder Euro, der in GM investiert wird, in Washington willkommen sein wird. “Wenn man GM retten will, so wird dies am ehesten gemeinsam möglich sein – USA und EU Hand in Hand.”
Gott hilft denen, die sich selbst helfen: Das CDU-Blog gibt sich im Gegensatz zu Jens Berger wesentlich egoistischer und nicht ganz so harmoniesüchtig:

Aber einmal muß auch Schluß sein mit der uneingeschränkten Solidarität – ersteinmal müssen wir auch in einem noch so eng vernetzten Europa das eigene brennende Dach löschen um danach unserer Wasser in größeren Einheiten weggeben zu können.

Was die Wirtschaftsweisen zu der Finanzkrise zu sagen haben, interessiert “Mein Parteibuch” nicht – und befindet sich damit in ungewohnter Gesellschaft mit Peter Struck.

Wie Jörg Lau berichtet, wurde der iranische Blogger “Hoder” angeblich verhaftet. Außer von den Jahan News wurde die Meldung noch nicht bestätigt. Hoder (Hossein Derakhshan) gilt als iranischer Blogger-Pate. Durch eine Reise nach Israel hatte er die Regierung in Teheran verstimmt. Aber in den letzten Monaten näherte er sich verstärkt den Grundsätzen des aktuellen iranischen Regimes an und verurteilte eine zu harsche Kritik an Irans (Atom-) Politik. Dennoch wurde er nun vermutlich wegen Spionage festgenommen.

Fast-Vizepräsidentin der USA Sarah Palin sendet Thanksgiving-Grüße mit Live-Schlachtung im Hintergrund. Es stellt sich die Frage nach dem verantwortlichen PR-Berater, andererseits: herrlich ehrlich, die Dame. Irgendwo muss er ja herkommen, der Thanksgiving-Turkey.
Duckhome sagt:


Dabei ist ihr eine grandiose Aussage über die Politik an und für sich gelungen: vorne wird Süßholz geraspelt, im Hintergrund geschehen die Grausamkeiten. Klasse!

Bild: flickr.com (StrudelMonkey)

Orwell, Finanzkrise und ausgelachte Nazis: Blogschau (10/VI)

Ein Kommentar » von Eva
27. Oktober 2008 | 11:46 Uhr

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Die Finanzkrise ist das überall anzutreffende Thema der Woche. Das ist auch verständlich, geht es doch um unser aller wackelig-prekäre Zukunft.

Auf Spreeblick wird sich die berechtigte Frage gestellt, weshalb aller Orten von Sozialismus die Rede ist, wenn es um die Rettungspakete von Regierungen für Banken geht. Der Spiegelfechter beschäftigt sich näher mit der Finanzkrise und beleuchtet die Hintergründe des deutschen Rettungspaketes.
Gleich mehrere Sündenböcke für die Finanzkrise findet der Oeffinger Freidenker. Zunächst einmal hätte mehr auf die Linkspartei in ihrer Rolle als Kassandra gehört werden sollen. Nun wolle niemand seinen Irrtum gegenüber Lafontaine eingestehen, der schon 1998/99 seine Warnungen geäußert habe. Harsche Kritik trifft auch die Medien und ihre parteiische Berichterstattung (vor allem am Beispiel Anne Will). Insgesamt, so der Freidenker, sei die Demokratie faktisch abgeschafft und gibt für die Zukunft den Ratschlag, mehr auf die Modelle der Linksliberalen einzugehen.

Einen Sündenbock sucht auch ifo-Wirtschaftsinstitutschef Hans-Werner Sinn und schafft den Vergleich zwischen Managern und Juden im dritten Reich. Passiert also doch alles in der Geschichte zweimal? Frank reibt sich da nur “latent angewidert” die Augen und deckt andere Ungereimtheiten in der Sinn’schen Logik auf.
Zum selben Thema schreibt Roberto De Lapuente auf den NachDenkSeiten.

Passend zur Krisenstimmung kommt zum Wochenende hin eine Prise Orwell dazu. Die EU plant Ganzkörperscanner für Flughafenkontrollen. Soll man dem Wachpersonal ein bißchen Spaß gönnen? Nein, meint Frank.
Ralf Bendrath gewinnt dem Nacktscanner-Vorschlag positive Seiten ab: So “verstehen nämlich auch die älteren Herrschaften, warum es nun wirklich mal reicht mit der Sicherheitshysterie.” Auf jeden Fall ist die Idee ein heißer Kandidat für die Verleihung des nächsten Big Brother Awards. Das Ranking der diesjährigen Verleihung findet sich bei Netzpolitik.

Einen nicht sonderlich begeisterten Beitrag leistet das Lawblog zur Kampagne “Nazis Auslachen”. Das Bekämpfen rechtsextremistischen Meinungsgutes unter Jugendlichen solle nicht unter der Prämisse stattfinden, dass die Jugend ein ebenso intolerantes Verhalten an den Tag lege wie Nazis. Personen würden so zu Unpersonen gemacht, die sachliche Auseinandersetzung mit Andersdenkenden untergraben. Mag sein, dass es sich die Bundesregierung mit ihren politischen Erziehungsmethoden hier tatsächlich etwas einfach macht.

A propos Erziehung und Bildung: Weil eine Studie über die abschreckende Wirkung von Studiengebühren auf potentielle Studenten aus ärmeren Schichten nicht veröffentlicht werden sollte, gibt es Ärger in der Koalition. Bei den “bissigen Liberalen” fragt man sich, woher die ganze Aufregung kommt. Etwas, was teuer ist, will eben nicht jeder. Ist doch schön, wenn es endlich einen Wettbewerb zwischen den Unis gibt! Und überhaupt: Das Studium sei sowieso nicht der beste Weg für jeden, eine “annehmliche Zukunft” aufzubauen.
Das wird bei den NachDenkSeiten etwas anders gesehen. Klemens Himpele, Geschäftsführer des Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren, schreibt über seine Erfahrungen und die taz als einzige Zeitung mit eigenem Studiengebührenmodell.

Bild: flickr.com (xcaballe)



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