Boom der Social Networks: Warum sie immer wichtiger werden

Äußere deine Meinung, Anregung oder Frage hier von Marnie Graeber
26. November 2009 | 18:12 Uhr

Social Networks wie StudiVZ, Facebook und twitter erleben insbesondere unter den 12 bis 24-Jährigen einen Boom. Als Medium der Informationsbeschaffung nutzen 90 Prozent der 650 befragten Jugendlichen das Internet und publizieren ihre News im Netz. Dr. Jan-Hinrik Schmidt vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung  stieg mit dieser repräsentativen Umfrage in seine Veranstaltung “Online-Kommunikation: Orientierung in Öffentlichkeiten des Social Web” ein und gab einen Überblick über die Nutzung von twitter&Co.

Warum nutzen immer mehr Menschen Social Networks? Eine berechtigte Frage, die Schmidt gleich zu Anfang zu beantworten versucht. Drei Gründe gibt es, sagt er, die für die Nutzung von Netzgemeinschaften sprechen.  An erster Stelle: Identitätsmanagement. “Wir versuchen immer mehr unsere Interessen und Erlebnisse im Netz zu veröffentlichen, um unsere Person zu präsentieren.” Dass das Downloaden von privaten Bildern, das Schreiben von Pinnwandeinträge und  das Posten von Online-Artikeln der Präsentation der eigenen Person dient, ist klar. Doch warum wird der Drang, sich im Netz zu entblößen, immer größer? Für Schmidt heißt die Antwort: Beziehungsmanagement. “Ob privat oder beruflich, wir nutzen das Netz, um mit Freunden und Kollegen in Kontakt zu bleiben oder neue Kontakte aufzubauen.”

Und was verändert sich durch das Identitäs- und Beziehungsmanagement, das täglich weltweit und millionenfach betrieben wird? “Es entstehen viele neue persönliche Öffentlichkeiten”, erklärt Schmidt.  Während es bei der Gestaltung der eigenen persönlichen Öffentlichkeit um Authentizität und Kommunikation gehe, stelle die Adressierung an die klassische Öffentlichkeit natürlich vielmehr den Anspruch an Objektivität. Bei der Schaffung der persönlichen Öffentlichkeit stünde lediglich die Verbereitung von Themen im Vordergrund, die die eigenen Interessen abdecken.

Genutzt werden Soziale Netzwerke natürlich auch zur Informationsbeschaffung. “Das klassiche Model des Informationsbeschaffung funktioniert nicht mehr. Professionelle Experten wie Bibliothekare, Journalisten und Enzyklopädisten verlieren immer mehr an Bedeutung”, so Schmidt. Überflüssig wird ihre Arbeit deswegen aber nicht: “Die von Journalisten produzierte Öffentlichkeit ist ein wichtiger Bestandteil der persönlichen Öffentlichkeiten.” So sei zum Beispiel die Verbreitung von Artikeln auf Seiten wie Facebook und StudiVZ Gang und Gebe.

Blogschau – Die Woche im Rückblick III

Äußere deine Meinung, Anregung oder Frage hier von Eva
22. Juli 2008 | 14:51 Uhr

Unter Anderem diese Woche in der Blogschau: Versuche der Selbsterschaffung – Die politische Blogosphäre analysiert sich selbst, facebook.com legt Wert auf eigenen “look and feel”, Bayern rüttelt im Alleingang an demokratischen Grundpfeilern, singende Knaben steigern das Image von Autos und ein Ministerpräsident charakterisiert sich selbst als Beta-Tierchen.

Auf Obamas Online-Strategie darf man auch in Zukunft gespannt sein, meldet netzpolitik.org via Zeit online. Merkel auf MySpace, Facebook, Twitter und iTunes ist ja eher schwer vorstellbar. Hoffentlich bleibt er bis dahin im Besitz seiner…nun, Nuts, die ihm gar ein eigener Parteifreund entfernen möchte.

Zweitens bleibt zu hoffen, dass Obama Threads, die Kritik an der Parteiführung üben, nicht löschen lassen wird. So geschehen auf der SPD-Plattform, die Beck-kritische Beiträge (eines Juso Mitgliedes!) von der Webseite tilgte.
Robert Basic fragt sich in der Folge, ob die deutsche Politik überhaupt reif ist für das Netz und seine Möglichkeiten. Um diese Frage zu beantworten sichtet er erstmal, was überhaupt an ernstzunehmenden Politblogs, die über das Einfügen von Pressemitteilungen hinausgehen, in Deutschland aufzufinden ist. Lumma steigt auch mit ein. Im neuen Spiegel steht hingegen eher Vernichtendes über die politische Blogosphäre, neidischen Blickes schmachtet man über den großen Teich die “massenmedialen Alphatiere” an.

Staat im Staat I: Die Frage nach dem Gegenwert stellt sich der Oeffinger Freidenker bezüglich der kostenpflichtigen Lizenz für Live-Stream-Seiten, die in Bayern ab dem 1.8. fällig wird. Deren Inhalte im Übrigen vorher überprüft werden. Aber: “Das Internet ist frei, Leute! Und ihr werdet es auch nicht so leicht unter Kontrolle bekommen. Als ob man seine Live-Stream-Seite in Bayern registrieren müsste…” Richtig so.

Das Videos eines Verhöres in Guantanamo wirft bei Spreeblick mal wieder die Frage auf: Warum also Guantanamo?

Was große Unternehmen so an Kohle für Werbeagenturen ausgeben, ist schon beachtlich. Auch wenn nicht bekannt ist, wie viel Mercedes für das “Einspielen” der neuen Erkennungsmelodei gezahlt hat: Jeder, der sich im Besitz der CD “Symphony of voices” hätte auf die zarte Knabenstimme kommen können. Via Esse est percipi. Da rollen Praktikantenköpfe.

Der Misanthrop wirft einen kritischen Blick auf die Gestik Samir Kuntars, einen der beiden im Austausch gegen die sterblichen Überreste zweier Israelis freigelassenen Libanesen. Die Presse habe die vermeintliche Hitlergeste nicht thematisieren wollen. Sie sei wohl nicht zumutbar für die Leserschaft. Auch das fdog-blog klagt die “Verharmlosungsaktion” der Medien gegenüber den Libanesen an. Diese seien nicht als Hisbollah-Kämpfer zu bezeichnen, sondern als verurteilte Mörder und Terroristen.

Wenn man seinen WLAN-Hotspot nicht verschlüsselt, finden die Nachbarn einen nett. Doch wie netzpolitik.org berichtet, kann ganz schnell Bushido vor der Tür stehen und einen wegen Filesharing verklagen – auch wenn man Rentner ist und noch nie von ihm gehört hat.

Staat im Staat II: Fefe berichtet über das neue Versammlungsgesetz der Bayern: “Demonstrationen müssen künftig im Regelfall mindestens 72 Stunden vorher angemeldet werden und alle Teilnehmer dürfen gefilmt werden”, heißt es da. Das Befassen mit den eingereichten Petitionen wurde selbstverständlich abgelehnt.

Den viel zitierten Willen zur Macht hat Christian Wulff sehr wohl, meint Duckhome. Seine Absage an das Kanzleramt sei dem Erkennen des vielleicht härtesten Gegners, Thomas de Maizière, geschuldet. Dem “Innenkanzler hinter der Außenkanzlerin Merkel” als tapferer Wahlkämpfer in Niedersachsen zu begegnen, könne von Vorteil sein. Hach, vielleicht hält Wulff es einfach tatsächlich mit Melvilles Bartleby: “I would prefer no to” ist und bleibt ein Satz, der für die Mitmenschen schwer zu verdauen ist.

Zum Ende der Woche hin holt Titan facebook zum Schlag gegen das Studivz aus. Doch was mag das sein, dieses Kopieren von “Look and Feel” einer solchen Plattform? Netzpolitik.org scheint es zu wissen, da man sich etwas wundert, warum das mit der Anzeige “solange gedauert hat”.



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