Scheitern auf bayrisch: Blogschau (10/II)

Äußere deine Meinung, Anregung oder Frage hier von Eva
6. Oktober 2008 | 07:56 Uhr

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Wahrscheinlich wird über die Gesichter vieler Bürger, auch über die einiger politisch Uninteressierten, am Sonntag Abend nach dem Tatort-Schauen ein gehässiges Grinsen gehuscht sein. 17,7 % Wählerstimmenverlust der CSU, der größte in der Geschichte der Bundesrepublik. Wie reagierte die Blogosphäre, wenn sie sich nicht gerade still freut?

Frédéric befragt seine bayerische Großtante. Die erklärt das Fiasko auf Spreeblick mit dem fehlenden “Format” Becksteins und Hubers – diesen Verdacht äußert auch der Oeffinger Freidenker. Jochen Hoff schließt sich mit dem Wort vom “Charisma wie ein totes Schaf” an. Aber wenn es darum ging, wieso war die CSU um Himmels Willen unter Stoiber so erfolgreich?

Als zwei weniger offensichtliche Verlierer kennzeichnen die Nachdenkseiten die Demoskopen und die SPD. Kein demoskopisches Unternehmen habe den Absturz der CSU auch nur ansatzweise ermittelt, Forsa verfehlte am auffälligsten den letztendlichen Wahlausgang. Auch das ebenso schlechte Ergebnis der SPD sei teilweise ob der “euphorischen Sprachregelung” der SPD untergegangen.
Dass SPD-Kandidat Maget weiterlächeln würde, komme was da wolle, war aber vorauszusehen. Dass er das vernichtende SPD-Ergebnis aber gleich als “historischen Tag feiert, entbehrt allerdings nicht eines gewissen Euphemismus einer gewissen Größe.

Beschönigungen finden sich, wie soll’s auch anders sein, im CSU-Blog. Von einer “Katastrophe” möchte man hier nicht reden, auch wenn es schon “a Watschn” für die CSU war. Lieber frönt man weiter dem Giftpfeileschießen gegen den “hyperventilierenden Maget” .
Nachdem sich selbst die Junge Union in Bayern gegen Beckstein ausspricht, kommt es Mitte der Woche zur logischen Konsequenz aus dem Wahl-GAU: Beckstein und Huber treten zurück (Fefe freut sich). In Zettels Raum wird applaudiert: Endlich mal wieder Politik wie im Shakespeare’schen Königsdrama!

Doch auch die Berliner CDU führt ihr ganz eigenes Possenstück auf. Kaum sind die Wählerschrecke Ingo Schmitt und Pflüger weg, geht die Intrigenspinnerei los, diesmal gegen die “einzige vorzeigbare Kandidatin weit und breit” (CDU-Blog), Monika Grütters. Da ist selbst das CDU-Blog entsetzt und fragt sich, ob der Hauptstadt-CDU überhaupt noch zu helfen sei.

Neben der Bayernwahl gab es da auch noch das erschreckend rechte Wahlergebnis von der Österreicher Nationalratswahl, mit dem sich Big Berta auf Duckhome eingehender befasst. Erklärungen finden sich hier nicht, aber immerhin eine Presseschau.

Zum Schluss sei noch auf Begleiterscheinungen des neuen RAF-Films “Baader-Meinhof-Komplex” hinzweisen. “Man weiß so wenig”, resümiert Spiegelfechter Jens Berger angesichts der neuen Terrorhysterie, die, passend zum Herbst, über Deutschland hereinbricht. Und verweist auf Staatsfeind No. 1, den Innenminister, der (bitte bildlich vorstellen) “wie ein hawaiianischer Surfjunkie auf solchen Hysteriewellen” reite.

Bild: flickr.com (Lars Trebing)

Bayern-Des samma mia: Blogschau (o9/I)

4 Kommentare » von Eva
1. September 2008 | 11:26 Uhr

Wankt die CSU in Bayern? Wird die Linke Einzug ins Maximilianeum halten? Am 28.9. wird sich zeigen, wie unzufrieden die Bürger mit der CSU-Alleinregierung sind – oder ob doch alles beim Alten bleiben soll.

Ein für andere Bundesländer schwer nachvollziehbares Phänomen: die CSU. So mächtig, so beliebt! Und dabei doch so konservativ.
Jedoch, ein bißchen Angst scheint sie schon zu haben vor der linken Bedrohung. Erwin Huber sprach von einem Kreuzzug, den es nun gegen die Kommunisten zu führen gälte. Ein Blogger denkt nostalgisch an die Wahlplaketten aus den 60ern und 70ern zurück, die beim jetzigen Wahlkampf auch wieder ihre Verwendung finden könnten: “Komm aus deiner linken Ecke! Vater, Mutter, Tochter, Sohn, alle wählen die Union!”
Ein antifaschistisches Blog sieht in diesem Zug Hubers eine Parallele zu Hessens Roland Koch und seiner Dämonisierung der Linken: “Mittels Verteufelung des Politischen Gegners eine Angstglocke aufbauen, um den Politischen Gegner auszustechen.”

Aber: Kreuzzug! – das ist gelungene Wahlkampfrhetorik. Fast so gut wie die Symbolik, die das Wahlkampf 08 – Outfit der CSUler aufweist.

Allgemein scheint neben dem CSU-Blog die bayerische politische Blogosphäre eher linksgerichtet zu sein und beschäftigt sich unter Anderem mit der Schwierigkeit, Bayer und gleichzeitig Atheist zu sein. Würde die CSU an Macht verlieren, könnten tatsächlich einige atheistische Träume wahr werden. Denn beispielsweise fordern die Grünen, die Bezahlung der Bischöfe aus dem Staatshaushalt und damit aus den allgemeinen Steuergeldern zu beenden.
Auch für Studenten dürfte die anstehende Wahl interessant werden. Wenn die CSU die absolute Mehrheit verliert, rückt die von SPD, Grüne und Linke geforderte Abschaffung der ‘Campusmaut’ in greifbare Nähe.

Aufrufe, die CSU allein wegen peinlicher Wahlkampfsongs nicht zu wählen, sind keine Seltenheit. Bei “der Himmel ist blau-weiß” gruselt es selbst CSU-Wähler.
Es muss aber erwähnt werden, dass manche Blogger auch auf gute Ideen der CSU verweisen, wie das Versammlungsgesetz, dass rechtsextremistische Aufmärsche an symbolträchtigen Orten unterbinden soll.
Und bezüglich der Wahlk(r)ampfvideos hat die SPD ebenfalls nicht die Gnade besessen, ihren Youtube-Auftritt so zu vollziehen, dass ein Fremdschämen verhindert wird.
Eine Annäherung der beiden Parteien scheint kaum möglich zu sein, betrachtet man die Spitzen, die das CSU-Blog gegen Franz Maget, der Spitzenkandidaten der bayerischen “Kohlekraftswerkpartei” vorbringt: Dessen Wahlkampfbus sei eine Dreckschleuder, 17 Jahre alt und entspräche nicht der europäischen Umwelt-Norm.

Alternativen? Die FDP beispielsweise. Doch selbst ein bloggendes FDP-Mitglied ärgert sich über das Fehlen klarer Absagen an “Chaos-Koalitionen” mit den Grünen und den Freien Wählern. Viel eher sollte sich die FDP bei der CSU anbiedern, dann könnt es auch mit dem Wiedereinzug in den Landtag klappen.

Was man auch machen kann: Einfach blau wählen gehen. Meinen zumindest die Republikaner, die sich wohl auf ihre weißbiertrunkenen Wähler verlassen müssen. Welche Agentur sich das wohl ausgedacht hat? Vielleicht kann man bei kandidatenwatch.de mal nachfragen.

Ein bißchen bestätigt die bayrische Blogosphäre ja die Klischee-Schublade namens ‘Bayern’. Wühlt man in ihr, steigen Kruzifixe, Bierhumpen stemmende CSU-ler und Stammtischatmosphäre vor dem geistigen Auge auf.
Und tatsächlich berichtet ein bayerischer Journalist und Blogger von den Problemen, denen sich Wahlkämpfende als auch mündige politikinteressierte Bürger ausgesetzt sehen. So reicht auf dem Land das Auftauchen einer Kellnerin mit Kesselfleisch und Bier, um die Konzentration von Wegpauschale und Rentenversicherung abzulenken.

Auch die am vergangenen Freitag taufrisch online gegangene Ulmen-tv-Staffel spielt mit stereotypisierten Vorstellungen von bayerischen CSU-Politikern. Der gezeigte bayerische Bürgermeister gibt offen zu, nur in der CSU zu sein um gewählt zu werden, ansonsten sei er eher ein ‘Freier’ (im politischen Sinne, als auch im allgemeinen Sinne, wie sich erschreckenderweise im Lauf der Sendung zeigt. Ach so, und er ist auch noch ein Ausländerfeind und Schwulenhasser).
So quält man sich durch die Sendung und kann nur noch hoffen, dass dies eine absolute Ausnahmeerscheinung der CSU ist.

2.12. Hans-Peter Uhl im Video-Adventskalender

Äußere deine Meinung, Anregung oder Frage hier von Redaktion politik.de
2. Dezember 2007 | 00:01 Uhr

60 Sekunden Hans-Peter Uhl (CSU)
Unsere Fragen an Hans-Peter Uhl:

  • Was sind Ihre persönlichen privaten und politischen Ziele für das nächste Jahr?
  • Wo sehen Sie sich und Ihre Partei nach der nächsten Bundestagswahl?
  • Welche/r Bundeskanzler/in wird 2009 die Weihnachtsbotschaft an die Bürger richten?

Stellen Sie Ihre Fragen an Hans-Peter Uhl bei abgeordnetenwatch.de

Seehofer hat Angst vor Second Life

Äußere deine Meinung, Anregung oder Frage hier von Christian Hochhuth politik.de
15. März 2007 | 20:43 Uhr

DIE WELT meldet in ihrer heutigen Online-Ausgabe:

“Die Online-Welt Second Life birgt nach Ansicht von Bundes-Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) zahlreiche Risiken. Bisher sei unklar, welchem Recht ein Kaufvertrag unterliege, ob die Computerfiguren Rechtsansprüche hätten und ob sie Kredite aufnehmen könnten.

‘Bislang ist das Second Life ein rechtsfreier Raum für Verbraucher’, sagte Seehofer auf einem Kongress zum Welt-Verbraucherschutztag in Berlin.”

Kein Wunder, wo doch gestern auch schon der Bundestag seine Abgeordneten auf die neuen Risiken im “zweiten Leben” hingewiesen hat. Wie soll man sich denn jetzt auch noch um das “Second Life” kümmern, wenn schon im “First Life” vieles so kompliziert und aussichtslos in der Politik ist. Wer weiß, wie viele Politiker schon in ihr zweites Leben geflüchtet sind … !?



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