Terror in Mumbai und das linke Element: Blogschau (12/I)

Äußere deine Meinung, Anregung oder Frage hier von Eva
30. November 2008 | 16:07 Uhr

3062423828_310cd05caa.jpg

Schreckliche Ereignisse wie die Massaker und Geiselnahmen in Mumbai erhöhen naturgemäß den Stressfaktor in der Blogosphäre: Es stehen die “Politisch Unkorrekten” gegen die “Gutmenschen”, und in der Grauzone zwischen den beiden Polen finden sich noch jede Menge Misch-Positionen.

Malte reagiert auf die Terror-Anschläge in Mumbai mit dem Hinweis auf den schon seit Jahrhunderten schwelenden Konflikt zwischen Hindus und Moslems. Auch wenn er betont, dass ein Konflikt keine Rechtfertigung für Terror ist, schlagen die Wellen in den Kommentaren hoch.

Verglichen allerdings mit Bloggern wie dem “islamkritischen” und “politisch unkorrekten” (aha) Tankdriver nimmt sich Maltes Beitrag wie der eines bändchenknüfendem Hippies auf Ibiza aus. Der Tankdriver fordert von friedlichen Muslimen endgültig ein lautes Bekenntnis zur westlichen Kultur und gegen die muslimischen Mörder – eben ein Zeichen gegen die “Krankheit”. Ob die polemisierende Wortwahl Tankdrivers (”Islam ist die Krankheit”, “Hass”) wohl zum Dialog beiträgt? Be-stimmt.

Auf der “Achse des Guten” verweigert Hannes Stein das Verlagern der Gründe für den Terror auf eine rein externe Ursache. Nicht die indische oder gar israelische Besatzungspolitik sei für die Massaker zu belangen, sondern viel mehr die Lage in Pakistan selbst.

Die Geschehnisse in Mumbai sprechen für einen schwachen bis hilflosen Geheimdienst in Indien und Pakistan.
Über den deutschen BND mokiert sich der Oeffinger Freidenker, da die “Gurkentruppe aus Pullach höchstens durch illegale Einsätze und Inkompetenz auffalle. Ganz so ineffizient kann der Geheimdienst allerdings nicht sein, gilt er doch als einer der effektivsten der Welt. Es wäre vielleicht vielmehr angebracht, ihn verstärkt zu kontrollieren anstatt einzelnen (fingierten) Ausrutschern aufzusitzen.

Etwas widerwillig kommentiert Lumma den Partei-Austritt Wolfgang Clements. Dieser wisse gar nicht, “wie die Herausforderungen der Zukunft für die Sozialdemokratie und für das Land aussehen”, er sei “vor allem geprägt von seinem Geltungsdrang und seinem Ego”.
Selbst die NachDenkSeiten lassen kein gutes Haar an Genosse Clement: Mit seinen Äußerungen disqualifiziere er sich nachträglich als Wirtschaftsminister, außerdem sei er ein “jähzorniger Egomane”, der “bei seinen häufigen Ausrastern völlig unkalkulierbar reagiert”.

Peter Richter ist der Meinung, Clement habe der SPD einen Gefallen getan, indem er den Schritt wagte, den sich die Ausschlusskommission nicht zutraute. Er zieht eine Parallele zu Lafontaine, wobei dieser natürlich genau das in der SPD vermisste, was Clement ausschließen wollte: das linke Element.
Für Don Alphonso ist das Clementinchen von nun an “nur noch der Lobbyist eines Grosskonzerns”. Empfehlung lautet: Eigene Partei Gründen. Für Menschen mit Parteibuch und ohne Überzeugung.

Auf Spreeblick wird auf das Verschwörungstheorien-Potential hingewiesen, das Barack Obamas neuer Stabschef Rahm “Rambo” Emanuel birgt. Sein Vater werde von einigen Verschwörungs-Bloggern als “zionistischer Terrorist” bezeichnet, Emanuel selbst Hitler- und Nazivergleiche angehängt.

Ein deutscher Obama wird von Christian Soeder aufgetrieben: Schäfer-Gümbel 09 – Yo isch kann.

Die Päpstin ist zurück: Nach der großen TV-Kritik von Rech-Ranicki und Elke Heidenreich hat letztere ihre Sendung nach der Feuerung durch das ZDF ins Internet verlegt. Don Alphonso kichert über den “Internetzwerg” Heidenreich und sagt großes Scheitern voraus. Welch Genugtuung, wenn ein Blogger mit seinen Nutzzahlen auftrumpfen kann, die selbst ein Promi Heidenreich nie knacken wird!
Auf Spreeblick sieht man das ganze Projekt etwas milder und positiver gestimmt.
Auch Nico Lumma findet’s gut – auch wenn er es natürlich schon lääängst und als Allererster vorgeschlagen hatte.

Bild: flickr.com (Stuti)

Blogschau (o8/II)

Äußere deine Meinung, Anregung oder Frage hier von Eva
12. August 2008 | 12:24 Uhr

Die letzte Woche: Sommerlöcher noch und nöcher, dazwischen das größte Sommerloch Olympia und die Überschattung der Eröffnungsfeier durch den Kriegsausbruch im Kaukasus.

Innerparteiliche Querelen beherrschen in der ersten Hälfte der Woche das Geschehen. Nach Clement macht Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Ringstorff von sich Reden. Das CDU-Blog wertet den Rücktritt des Ministerpräsidenten als Zeichen für ein Erstarken der CDU in Mecklenburg-Vorpommern. Andrea Ypsilantis Plan, es “mit den Kommunisten zu versuchen“, wird als Niederlage und Zeichen der Unglaubwürdigkeit für Kurt Beck bezeichnet.
Die Nachrichtensendungen können sich nicht satt sehen an den gähnend langweiligsten Bildern des Jahres. Clement, wie er auf seinem Fahrrad angeradelt kommt um dann (Close-up auf’s Gesicht) vor schöner Flusskulisse seine “Entschuldigung” (bitte dreifach Anführungszeichen mitdenken) ausspricht. Wolfgang Lieb fasst den ‘Kernpunkt’ dieses Gipfels der Unwichtigkeit zusammen.

Wesentlich wichtiger ist der Kriegszustand, der Ende der Woche in Georgien ausgerufen wird und den olympischen Frieden erschüttert (ein unnötiger Hinweis, aber es hört sich so schön an). Fefe meint, Russland habe nur “auf einen Vorwand gewartet, um sich da gegen Georgien einschalten zu können.” Jens Berger fragt sich, was sich Georgiens Präsident Saakaschwili bei seiner selbstzerstörerischen Eskalationsstrategie denkt.
Jochen Hoff malt da in denkbar schwärzeren Farben: “Es wird deutlich kälter auf dieser Welt. Deutschland sollte sich nicht in einen kalten Krieg mit Russland treiben lassen. Da kann Deutschland nur verlieren. Man darf aber die Frage stellen ob es noch Sinn macht mit den US-Amerikanern verbündet zu sein. Vieles spricht dagegen. ”
Im Küchenkabinett wird prophezeit, dass der Konflikt die internationale Gemeinschaft auf eine harte Probe stellen wird.
Man darf gespannt sein, welche Quellen über diverse Hintergründe der Krise von Bloggern entdeckt und welche Informationen sie zusammen tragen werden. Schließlich läuft der Propagandakrieg auch im Netz ab, wie Netzpolitik berichtet. Jens Berger beginnt schon einmal mit Hinweisen auf fehlgeleitete Berichterstattung und will diesen Artikel in den nächsten Tagen durch neue Beispiele ergänzen, an denen es wohl nicht mangeln wird.
In Zettels Raum wird von energiepolitischen Gründen für die Invasion ausgegangen.

Zum Anlass des 63. Jahrestages der Hiroshima-Bombe schreibt Frédéric über die neuen und alten Gefahren des Atomzeitalters. Wolfgang Lieb schlüsselt die ‘Unendlichkeitskosten” von “billigem” Atomstrom auf.

Paris Hiltons Antwort auf McCains Werbespots, in denen er Obama mit Celebrities wie Britney Spears oder Hilton vergleicht stößt bei vielen Bloggern und Kommentatoren auf Unterstützung.

Leute, die Olympia kucken, (bzw. wie Jens Weinreich persönlich dabei sind) lassen mich wissen, es hagele Weltrekorde. Schön! Die Menschen werden anscheinend immer größer, schneller und stärker. Wenigstens muss nichts mehr über Olympia in China geschrieben werden – es gibt sie jetzt schon, die Zusammenfassung.

Blogschau V

Äußere deine Meinung, Anregung oder Frage hier von Eva
5. August 2008 | 16:20 Uhr

Die politischen Blog-Highlights der letzten Woche: Überall viel Verwunderung und Verdruss, aber wenig Freude. Über Rauchergesetze, nostalgische Politikeranwandlungen und Rauswürfe. Und natürlich über China.

Verdruss: Frank weist auf eine Entschlüsselung des EU-Reformvertrages hin und meint abschließend: “Man muss sich nicht als Globalisierungsverängstigter beschimpfen lassen, wenn man gegen diesen Vertrag eingestellt ist, Demokrat trifft’s besser.” Schön wäre es doch, wenn EU-Abgeordneten erstmal die Möglichkeit genommen wird, nicht arbeitenden Familienangehörigen ein kleines Extra-Taschengeld zu ermöglichen. Kein Wunder also, dass die Iren erneut ablehnen würden.

Oh nein! Nun wird man auch in den USA auf die Peinlichkeiten der Bild-Zeitung aufmerksam. Wenn diese Obama-’Berichterstattung’ nicht in den eigenen vier Wänden bleibt, sondern interkontinental gelesen wird, dann wird es wirklich unangenehm.
McCains PR-Zentrale nutzt ebenfalls die Bilder doofer obamatrunkener Deutscher, um sich ein wenig lustig zu machen.

Unangenehm ist Malte auch die Anwesenheit der Büste von Franz Josef Strauss in der ‘Ruhmeshalle der Deutschen’. Einerseits könnte es ja egal sein, wessen Köpfchen in einer bayrischen Walhalla neben Scholl, Brahms und Einstein steht. Andererseits: irgendwann ist Schluss. Wie wäre es mit dem Wachskabinett? Da könnte denn auch ein engagierter Blogger die Figur köpfen, was bei einer Büste wiederum nicht so leicht ist.

Jens Berger nimmt das Sommerloch-Angebot des Konjunkturprogramms von Wirtschaftsminister Michael Glos auseinander unter die Lupe. Er wundert sich darüber, wie die CSU die SPD nun wirtschaftspolitisch links überholt. Eigentlich müsste man sich ja im allgemeinen Wahlkampfgemetzel über nichts mehr wundern. Aber gut, dass es einige Leute immer noch tun.

Zu den Gefahren der digitalen Signatur spricht sich Fefe aus: “Ich bin mir sicher, dass wir eines Tages jemanden wegen so einem “Beweis” ins Gefängnis stecken werden, weil er ja bewiesenermaßen am Tatort war. Und weil die Technik ja sicher ist, hat man sofort einen unwiderlegbaren Beweis am Start.” Interessant zu diesem Thema ganz ausnahmsweise mal SPON, über die Fahndung nach dem Mörder, der einen Holzklotz von einer Autobahnbrücke warf. Ganz klar wird hier das Nichtvorhandensein von rechtlichen Normen zur Anwendung von Handy-Erfassung etc.
Auch der Oeffinger Freidenker denkt über die Datenmassen nach, die beispielsweise in den Antiterrordateien gespeichert sind. Verwundert registriert er die Naivität eines frischgeborenen Säuglings, mit der britische Sicherheitsexperten auf die kriminellen Akte hinweisen, die man begehen kann wenn man im Besitz sensibler Daten ist.

Eine Verteidigung der Raucherfreiheit und rauchiger Eckkneipen findet sich bei Jens Berger. In Einraumkneipen gäbe es sowieso keine schützenswerten Nichtraucher, weshalb eine Lockerung der Nichtrauchergesetze in Teilen tatsächlich richtig sei.

Oh, ich glaube Herr Sarrazin, dieser heidnische Sarrazene, dieser Misanthrop, er genießt es doch jedes Mal von neuem, wenn sich das (vornehmlich) linke Lager über seine Ausfälle echauffiert. Diesmal: Nostalgische Erinnerungen an die Kindheit bei 16 Grad und der sinngemäße Hinweis, man müsse als Hartz IV-Empfänger ja nicht heizen. Meine Oma hat immer etwas von heißen Backsteinen im Bett erzählt, das wäre auch eine Möglichkeit. Und schwupsdiwups, hat man doch wieder über Thilo geschrieben.

In Zettels Raum verwundert man sich über die Olympia-Berichterstatter, die nun schockiert darüber sind, dass die chinesische Regierung nicht alle hehren Versprechen hält, die sie im Vorfeld gegeben hat.
Jens Berger entlarvt eben jene Entrüstung als Doppelmoral: “Dass Chinas Überwachungsstaat mit willfähriger Hilfe westlicher Unternehmen aufgebaut wurde, scheint die westliche Politik und die westlichen Medien nicht sonderlich zu stören.”
Jaja, don’t mix politics with games. Jens Weinreich bloggt unter diesem Motto fleißig als Sportjournalist und erlaubt seltene Einblicke in den chinesischen Olympia-Alltag. Auch von Spreeblick für gut befunden.

Die fünftägige Inhaftierung und Befragung eines ARD-Kameramannes wird von Mein Parteibuch zwar verurteilt – die Berichterstattung der ARD über den Fall allerdings auch. So habe der Kameramann nicht gesagt, worin die an ihm verübte Folter überhaupt bestand. Aber bitte: Muss man das erwarten? Ich glaube nicht – vor allen Dingen wenn die eigenen Kinder während des Interviews daneben sitzen.

Dann der von Vielen kritisierte Rauswurf Clements: Wolfgang Lieb bezeichnet ihn als ‘verheerend’, sein Kollege bei den Nachdenkseiten rudert zurück: Manchmal ist das Gegenteil eines Rauswurfes noch verheerender.
Als ‘kurios’ bezeichnet auch Zettels Raum den Parteiausschluss. Er führe nur zu dem, was eigentlich verhindert werden sollte: Zu noch größeren Zerwürfnissen innerhalb der SPD. Die Nachdenkseiten machen’s vor.
Den medial inszenierten Teil des Clement-Events zerpflückt Mein Parteibuch und erkennt die ‘Milliardärspresse’ als Drahtzieher und Meinungsmacher.
Für Jochen Hoff auf Duckhome ist der Rausschmiss ein Ablenkungsmanöver der SPD. Sie verbannt einen Teil von sich, der das Übel repräsentiert um mit eben jenem Übel weiter machen zu können: “Nein, es nicht parteischädigend mit der Agenda 2010 die Menschen in Deutschland zugunsten der neoliberalen Wirtschaftsfaschisten und des Großkapitals verraten zu haben. Dieser Verrat ist die aktuelle SPD. So sieht sie aus. Aber so möchte sie nicht aussehen und deshalb braucht es die Clement Täuschung.”



Anzeige

Suche



Diskussionsforum

Kommentare

  • Pharma-AD: Brauchen Wir ca. 130 gesetzliche Krankenversicherungen? Es wird viel über die Kostensituation im...
  • Alexander Dill: Da ich die Studie von Dr. Solte bereits 2006 sehen konnte, bevor er sie vergeblich Peer Steinbrück...
  • Donny: Ich frage mich, warum bestimmte privilegierte Amtsträger in Deutschland nicht die moralische Haltung besitzen...
  • Erlenbad: Die Seite www.wahllieder.de hat bei Google “Wahllieder” deutliche Spuren hinterlassen....
  • frankenfeld: Das ist echt zum Schlapplachen… Ist doch klar, dass ein Wahlkampf mit Inhalt gefüllt wird, und...

Social Networks

Besuchen Sie unsere Profile und Kanäle auf den großen Social-Network-Seiten:

Netz gegen Nazis

politik.de unterstützt das Netz gegen Nazis. Wenn Sie rechts- oder auch linksextreme Beiträge in diesem Blog finden, melden Sie diese bitte unserem Support.