
Wer Stiftungen eher für konservative Organisationen hält, die stattliche Vermögen verwalten und wenig beweglich sind, der wird etwas umlernen müssen, betritt er die Sunlight Foundation in des Washington Dupont Circle.
Gabriela Schneider, Communications Director, und Bill Allison, Senior Fellow, erzählten, wie alles begann. Erst vor drei Jahren wurde sie von Ellen Miller und Michael Klein gegründet und ist bereits heute der wichtigste Geldgeber in Sachen Transparenz.
Ziel der Stiftung ist es, den Zugang zu Regierungsdokumenten zu ermöglichen und hierfür das Medium Internet zu nutzen. Vor allem geht es darum, Geldflüsse zu rekonstruieren und mögliche Interessenskonflikte in politischen Prozessen zu ermitteln. Die Stiftung versteht sich dabei nicht als Frontend, also jemand, der die Daten tatsächlich präsentiert. Zugänglich, sortier- und durchsuchbar machen die Regierngsdaten Organisationen, die von der Sunlight Foundation gefördert werden: The Open Senate Project, Earmark Watch, CapitolWords 2.0, OpenCongress und noch etwa ein Dutzend mehr.

Die Idee, eine Stiftung zu gründen, kam Ellen Miller und Michael Klein 2006. Klein ist Anwalt und hat Datenbanken im Bereich Immobilien aufgebaut und vermarktet. Was lag näher, als die erprobten Verfahren zur Datenerhebung und -verarbeitung einzusetzen, um etwa korrupte Strukturen am Capitol Hill aufzudecken. Zunächst wollte die Stiftung nur ein Preis ausloben. Dann kam Andrew Rasiej ins Spiel, der einer der umtriebigsten Köpfe in Sachen E-Politics an der Ostküste sein dürfte (techpresident.com, Personal Democracy Forum). So entstand das Fördermodell, von dem zuerst das Center for Responsive Politics und die Seite Fed Spendings profitierten. Die Stiftung versteht sich seitdem vor allem als Katalysator für konkrete Projekte, die andere Organisationen auf die Beine stellen.
Im Gegensatz zu den geförderten Organisationen geht die Stiftung aber auch selbst an den Capitol Hill und macht Lobbyarbeit für mehr Transparenz im politischen Prozess. Es wurde über eine Google-List ein Forum gegründet, indem inzwischen über 500 Experten diskutieren, wie mehr offizielle Dokumente, Informationen über Abgeordnete oder Interessenorganisationen öffentlich gemacht werden können. Die SF befragt die Leute vor Ort, wo sie Defizite sehen, ob z. B. Hearings gefilmt und im Internet zugänglich gemacht werden könnten.
Und dann gibt es da noch zahlreiche andere Projekte wie Trainings für politische Berichterstatter in Sachen Transparenz. Oder die Coffee Hours, die – ganz offline – Mitarbeiter vom Capitol beraten, was sie öffentlich machen dürfen, ob sie z. B. als Mitarbeiter eines Senators bloggen dürfen.
Nicht zu vergessen die SunlightLabs. Hier brüten IT-Experten darüber, wie man Daten noch besser standardisieren und verschlagworten kann, welche Applikationen noch fehlen – und wenden sich mit Aufrufen wie „Apps for America“ auch an die Entwickler-Community.
Und da der Obama-Administration eine größere Offenheit gegenüber Transparenz-Theman nachgesagt wird, ist jetzt die Stunde, auch für die Sunlight-Foundation durchzustarten und ihren Einfluss am Capitol Hill geltend zu machen. Wer weiß, wann wieder so eine Gelegenheit kommt?!