
Im DIW (Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung) berichtete Kurt Gepper über die wirtschaftliche Stärke und Schwäche der Hauptstadt. Nach der Wende stand Berlin “weit weg von eigenständiger wirtschaftlicher Lebensfähigkeit”, so Geppert, und zwar sowohl im Osten als auch im Westen. Noch heute bleibt die Wachstumsrate Berlins weit entfernt von der anderer deutscher Städte. In der Hauptstadt gibt es nur 400 Arbeitsplätze pro 1000 Einwohnern, während andere Städte durschnittlich auf 550 kommen. Auch die Arbeistlosenquoten soll doppelt so hoch sein wie im Rest der Republik.
Doch Geppert sieht noch Hoffnung in der “kleinen aber feinen Industrie” der Hauptstadt. Vor allem liegen Chancen in modernen Branchen wie der Informationstechnologie, im Medien- oder Werbungsektor. Es überrascht außerdem nicht, dass das Tourismusgewerbe einen großen Teil der Berliner Wirtschaft ausmacht. Auch im Kulturbereich “gewinnt neuerdings die gewahrte Kulturszene an Bedeutung”, so Geppert.
Die Vorteile von Berlin fasst der Mitarbeiter des DIW in vier Punkten zusammen: das wissenschaftlich-technologische Potenzial, das kulturelle Potenzial und der Hauptstadtfaktor. Schlüsselgröße der wirtschaftlichen Entwicklung aber soll das “Humankapital” sein: “Man muss Menschen anziehen, die gern in der Großstadt wohnen. Dann kommen die Unternehmen auch mit”, so Geppert. So verstanden liegt die wirtschaftliche Zukunft Berlins in den Händen der Bildungs- und Stadtentwickler sowie der Wirtschaftspolitik. Geppert behauptet aber, die Hauptstadt habe noch einen langen Weg vor sich: Mal abwarten ob die Politiker es schaffen, aus Berlin “eine ganz normale deutsche Großstadt” zu machen.
Tags: politik.de, Seitensprünge, ssp09
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