Archiv für die Kategorie ‘Seitensprünge’

Rededuell: Das beste Argument gewinnt

Donnerstag, 25. Juni 2009

rededuell.jpg

Zum Abschluss der Seitensprünge fand bei fischerAppelt ein spannender Wettkampf statt. Unter dem Motto “Das beste Argument gewinnt” gab es drei Rededuelle. Am Ende eines jeden Duells stimmte das Publikum ab, wer mit seinen Argumenten am meisten überzeugen konnte. Außerdem gab der Medientrainer Frank Hartmann seine Bewertung ab. Er bewertete die rhetorischen Künste der Redner anhand einer Punkteskala von null bis zwölf. Wichtig waren neben Gestik, Mimik und Sprechtempo auch die Wahl der passenden Argumente.

Link: Rededuell zwischen Politikern mit Rhetoriktrainer

Im ersten Duell traten die Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch (Die Linke) und Dieter Volk (FDP) gegeneinander an. Das vorgebene Streitthema war die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft. Während Lötzsch die Position einnahm, dass die soziale Marktwirtschaft das falsche System sei, vertrat Volk die Gegenposition. Beide hatten zunächst die Möglichkeit, ihren eigenen Standpunkt darzustellen. Anschließend konnten sie nochmal auf die Argumente des Gegners eingehen, um abschließend ein Schlussplädoyer abzugeben. Am Ende musste sich Lötzsch mit einer Niederlage von 0:6 geschlagen geben. Auch das Publikum entschied sich für Volk.

Das zweite Duell dagegen war schon weniger eindeutig. Es diskutierten Uwe Mazura von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und Hubert Weiger vom BUND. Das Streitthema war der Einfluss von Wirtschaftsinteressen auf die deutsche Politik. Dabei ging es vor allem um die Frage, ob industrielle Interessen nur Einzelinteressen oder aber auch die Anliegen der Allgemeinheit vertreten. Beide Redner brachten starke Argumente für ihre Position, so dass die Entscheidung für einen Sieger schwer fiel. Medientrainer Hartmann gab beiden jeweils sechs Punkte, und auch das Publikum entschied sich nur knapp für Weiger.

Zum Abschluss ging es um die Frage der politischen Kommunikation. Der Journalist Hans-Martin Tillack (Stern) und Lars-Christian Cords von fischerAppelt diskutierten über den Einfluss von Lobbying und PR auf politische Entscheidungsprozesse. Während Tillack Lobbying als “notwendiges Übel” beschrieb, punktete Cords mit seiner Darstellung von PR und Lobbying als Vermittlung von Argumenten an Öffentlichkeit bzw. Politik. Tillack versuchte mit Warum-Fragen seinen Gegner in die Enge zu treiben, Cords dagegen konnte durch seine Stärken im argumentativen Bereich überzeugen. Auch bei diesem Duell fiel die Wahl des Siegers nicht leicht: Hartmann bewertete beide mit fünf Punkten, die Auszählung im Saal dagegen ergab 35 zu 30 Stimmen für Cords.

Am Ende blieb die Frage: Wer ist nun der beste Redner? Nach langem Ringen verkündete Hartmann, dass Mazura sein persönlicher Favorit sei. Die entsprechenden Reaktionen im Publikum ließen nicht lange auf sich warten. Und so entbrannte eine weitere Debatte über den Einfluss von Wirtschafsinteressen auf politische Strukturen.

Seitensprünge-Rundgang durch das Bundespresseamt

Donnerstag, 25. Juni 2009

16 Stationen der Seitensprünge 2009 befanden sich im Bundespresseamt. Das Team von politik.de hatte sich am Morgen auf einen Streifzug durch das Gebäude begeben und nach den Erwartungen der Aussteller gefragt.

Link: Seitensprünge-Rundgang durch das Bundespresseamt

Axel Springer leistet sich einen Seitensprung… auch in Krisenzeiten.

Donnerstag, 25. Juni 2009

oml.jpg

Beim Axel Springer Verlag führte ein Mitglied der Chefredaktion unsere zehnköpfige Gruppe durch den sogenannten Newsroom, der Redaktion von insgesamt vier großen Zeitungen. In dem riesigen Zimmer mit wundervollem Blick auf die Dächer von Berlin arbeiten die Redakteure von Welt, Welt am Sonntag, Welt Kompakt und der Berliner Morgenpost. Hinzu kommen Online-Redakteure.

Im selben Raum befindet sich auch – ohne jeglichen Abtrennung – ein Live-Fernsehstudio. Ein Glück, dass jetzt “Alle für Alle” schreiben und die Redakteure nicht mehr nach Zeitungen eingeteilt sind, denn die Vorstellung, in diesem Raum etwas geheim halten zu wollen, ist schwer vorstellbar.

Auch der Axel Springer Verlag musste seinen Kosten drastisch eindämmen: “Die Zeiten ohne Druck sind jetzt vorbei”, erklärt der Redakteur. Der Restrukturierungsprozess hat schon vor zwei Jahre begonnen, schließlich ist der Verlag auch “marktwirtschaftlich verpflichtet”. Unser Gastgeber weigerte sich aber konkrete Zahlen zu liefern, dennoch ließ er eine bereits verwirklichte Kosteneinsparung von 50 Prozent durchblicken.

Viel mehr als den Newsroom bot die Führung eigentlich nicht. Auch auf die Zeit wurde geachtet: exakt eine halbe Stunde. Dabei waren allerdings gut zehn Minuten für die Sicherheitskontrolle am Eingang einzurechnen. Immerhin bleibt so auch mehr Zeit für gewissenhafte journalistische Arbeit übrig.

Foto: 13stock; Quelle: http://www.flickr.com/photos/13stock/3339020971/

Das Feierabendbier- Vom Brauer- und Bäckerbund

Donnerstag, 25. Juni 2009

bierbrauer1.jpg

Als sich der Tag dem Ende neigte, wurde es auch höchste Zeit für ein Bier und eine kleine Stärkung. Es bot sich an, beim  Bund der Brauer sowie dem Bund der Bäcker vorbeizuschauen, welche sich ein Gebäude neben dem Bundespresseamt teilen. Es wurden mir sofort Brezeln sowie kühles, frisch gezapftes Bier angeboten.

bierbrauer2.jpg

Ferner nutzte ich die Zeit um ein sehr aktuelles Anliegen zu besprechen: In Baden Württemberg wird ab dem ersten Januar 2010 ein nächtliches Verkaufsverbot für Alkohol eingeführt. Mitte April hatte sich die CDU/FDP-Koalition nach monatelangem Ringen darauf geeinigt, den Verkauf von Alkohol an Tankstellen, Kiosken oder Supermärkten von 22 bis fünf Uhr zu untersagen. Die Union sieht nämlich einen direkten Zusammenhang zwischen Zechgelagen und Gewalttaten. Der Brauerbund ist da natürlich ganz anderer Meinung: “Das Gesetzesvorhaben ist aus unserer Sicht rechtswidrig”, so Geschäftsführer Peter Hahn. Ein Verbot sei “unnütz, untauglich und unzulässig”.

Berlin – keine ganz normale Großstadt

Donnerstag, 25. Juni 2009

 diw.jpg

Im DIW (Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung) berichtete Kurt Gepper über die wirtschaftliche Stärke und Schwäche der Hauptstadt. Nach der Wende stand Berlin “weit weg von eigenständiger wirtschaftlicher Lebensfähigkeit”, so Geppert, und zwar sowohl im Osten als auch im Westen. Noch heute bleibt die Wachstumsrate Berlins weit entfernt von der anderer deutscher Städte. In der Hauptstadt gibt es nur 400 Arbeitsplätze pro 1000 Einwohnern, während andere Städte durschnittlich auf 550 kommen. Auch die Arbeistlosenquoten soll doppelt so hoch sein wie im Rest der Republik.

Doch Geppert sieht noch Hoffnung in der “kleinen aber feinen Industrie” der Hauptstadt. Vor allem liegen Chancen in modernen Branchen wie der Informationstechnologie, im Medien- oder Werbungsektor. Es überrascht außerdem nicht, dass das Tourismusgewerbe einen großen Teil der Berliner Wirtschaft ausmacht. Auch im Kulturbereich “gewinnt neuerdings die gewahrte Kulturszene an Bedeutung”, so Geppert.

Die Vorteile von Berlin fasst der Mitarbeiter des DIW in vier Punkten zusammen: das wissenschaftlich-technologische Potenzial, das kulturelle Potenzial und der Hauptstadtfaktor. Schlüsselgröße der wirtschaftlichen Entwicklung aber soll das “Humankapital” sein: “Man muss Menschen anziehen, die gern in der Großstadt wohnen. Dann kommen die Unternehmen auch mit”, so Geppert. So verstanden liegt die wirtschaftliche Zukunft Berlins in den Händen der Bildungs- und Stadtentwickler sowie der Wirtschaftspolitik. Geppert behauptet aber, die Hauptstadt habe noch einen langen Weg vor sich: Mal abwarten ob die Politiker es schaffen, aus Berlin “eine ganz normale deutsche Großstadt” zu machen.

Lernen von Obama? – Die Antwort der Bertelsmann Stiftung.

Donnerstag, 25. Juni 2009

bild61.jpg

Thema bei der Bertelsmann Stiftung: Chancen und Herausforderungen politischer Onlinekommunikation. Mathias Gille fasst zuerst einige Defizite der politischen Kommunikation zusammen und meint, dass Kommunikation zu oft nur in Wahlkämpfen oder im Krisenmanagement eine zentrale Rolle spiele. Des Weiteren setze die Kommunikation zu spät ein und wecke Erwartungen, die nicht erfüllt werden könnten.

Dazu stellt er eine rhetorische Frage: Ist Web 2.0 nur eine Mode, oder ist es eine Ära? Die Antwort gibt er kurz danach: Web 2.0 sei wirkungsmächtig in der Alltagswelt angekommen, und das verlangt auch Einiges von Parteien und Regierung.

Von den Parteien wird vor allem Mut verlangt, weil die Bürger mit Onlinebeteiligung selbst die Politik antreiben können und eine Agenda setzen. Es kommt folglich zu Kontrollverlusten der Parteien, und die Gefahr des Scheindialogs steigt.

Nun zur Eingangsfrage: Was können wir – oder auch die Politik – von Obama lernen? Gilles Antwort lautet: eine klare Botschaft und ein klares Profil. Wichtig sei es auch, online mit offline zu verknüpfen, weil die virtuelle Kommunikation keinen Ersatz für die politische Arbeit vor Ort ist. Zusammenfassend muss die Politik weniger hierarchisch und vor allem nachhaltiger und dauerhafter werden. Wem es bekannt vorkommt, sollte sich nicht wundern.

Das Vertrauen in die Banken nach der Krise

Donnerstag, 25. Juni 2009

 sparkasse.jpg

Am Standort des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) fand ein Expertengespräch zwischen dem FORSA-Chef, Prof. Manfred Güllner, und dem Leiter für Kommunikation und Medien des DSGV, Christian Achilles, über den Glaubwürdigkeitsverlust der Banken während und nach der Finanzkrise statt. Der Schwerpunkt lag natürlich auf der aktuellen Rolle der Sparkassen.

Es herrschte Einigkeit darüber, dass die Sparkassen zurzeit ein höheres Vertrauen als die Privatinstitute besitzen. Dies wurde unter anderem damit begründet, dass sie über eine Vielzahl von Filialen und Beratern verfügen und daher sehr bürgernah agieren. Darüber hinaus gehört es nicht zum Kerngeschäft der Sparkassen, Papiere mit hohen Renditemöglichkeiten zu verkaufen, weswegen sie so gut wie keine solcher “Giftpapiere” aufkaufte und daher kaum von der Finanzkrise betroffen war. Dagegen haben die Privat- und Landesbanken einen hohen Vertraunsverlust zu verzeichnen. Dies sei aber zumindest bei den Landesbanken nicht ganz berechtigt, da nicht alle von der Finanzkrise gleich betroffen sind.

Beim Blick in die Zukunft wurde mahnend darauf hingewiesen, dass einige Banken das “Casino” bereits wieder als eröffnet ansehen und aus der Krise nichts gelernt hätten. Sollten sie tatsächlich nicht ihre Lehren aus der Krise ziehen, werden sie das Vertrauen der Bürger nur sehr schwer zurückgewinnen.

Interview mit StudiVZ-Chef Markus Berger-de León

Donnerstag, 25. Juni 2009

politik.de-Chefredakteur Hagen Pietzcker hat bei den Seitensprüngen 2009 in Berlin ein Interview mit StudiVZ-Chef Markus Berger-de Leon geführt. Vorausgegangen war am Nachmittag eine Podiumsdiskussion im Bundespresseamt zum Thema Wahlpflicht mit Schülern aus der SchülerVZ-Community.

Link: Interview mit StudiVZ-Chef Markus Berger-de Leon

Wie funktioniert Lobbying?

Donnerstag, 25. Juni 2009

markenverband.jpg

In den Räumen des Markenverbandes fand eine Diskussion mit dem Ziel statt, den Zuhörern die Funktionsweise von Lobbyarbeit in Deutschland zu veranschaulichen. Thema war der Verbraucherschutz. An der Diskussion nahmen Hubertus Pellengahr, Vertreter des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) und Dr. Stefan Etgeton, Vertreter des Verbraucherschutz Bundesverbands (vbvz) teil. Beide versuchten die parlamentarische Staatssekretärin des Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) Ursula Heinen von ihrem jeweiligen Standpunkt zu strittigen Fragen des Verbraucherschutzes zu überzeugen. Diese verdeutlichte zu dem jeweiligen Thema die Position der Politik.

Konkret wurden Argumente zur Einführung einer so genannten Ampel-Kennzeichnung, um die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln transparenter darzustellen, ausgetauscht. Pellengahr – welcher die Interessen des deutschen Einzelhandels vertrat – sprach sich gegen die Einführung der “Ampel” aus, da sie eine große Simplifizerung sei. Der Vertreter der Verbraucherschützer Etgeton befürwortete hingegen die Einführung. Er hob hervor, dass diese dazu beitrüge, Nahrungsmittel einfacher vergleichbar zu machen. Anschließend sprach Frau Ursula Heinen für die Seite der Politik und betonte ihrerseits, dass sie ebenfalls das Ziel hat, Produkte für den Bürger vergleichbarer zu machen. Wenn der Einzelhandel strikt gegen die Ampel sei, solle er der Politik eine Alternative vorschlagen, die er mittragen könne.

Die Diskussion zeigte, dass der Poltik in Deutschland vor allem an einem Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessengruppen gelegen ist. Es wurde mal wieder deutlich, weshalb sie auch als Verhandlungsdemokratie charakterisiert wird…

Die Vermessung des Online-Wahlkampfes

Donnerstag, 25. Juni 2009

wahlde.jpg

Welcher Politiker macht was im Internet wann, wie oft, womit und warum überhaupt? Und wie erhöht er oder sie damit ihre Wahlchancen bei der Bundestagswahl 2009? Wer sich schnell einen Überblick darüber verschaffen will braucht nur auf das Portal wahl.de zu gehen – so jedenfalls Klas Roggenkamp von Compuccino, dem Erfinder und Betreiber des Portals.

wahl_de.jpg

Man braucht hier jetzt nicht zu sehr in die Tiefe zu gehen, besser, man probiert die Seite selber mal aus. Jedenfalls, wenn man sich dafür interessiert, welcher Politiker am häufigsten twittert oder in welchen sozialen Netzwerken er sich herumtreibt.

Der Vortrag von Roggenkamp war auch von Parteivertretern besucht, weshalb die Frage nach der “besten Onlinekampagne” von ihm nur zögerlich beantwortet wurde – um niemanden vor den Kopf zu stossen. Die eifrigsten Nachfragen kamen denn aber auch zu einer ganz bestimmten Partei – nämlich? Richtig, den “Piraten”! Erstaunlich, wo diese “Einthemenpartei” (Roggenkamp) überall auftaucht – nicht nur online, sondern manchmal auch in Fleisch und Blut!