
Gestern, am Vorabend des Tages, an dem über das umstrittene Gesetz der Vorratsdatenspeicherung abgestimmt werden soll, fand in der virtuellen Welt des Second Life eine spannende Diskussion statt. Zwischen 17 und 18 Uhr diskutierten die innenpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen Hans-Peter Uhl (CSU), Dieter Wiefelspütz (SPD), Gisela Piltz (FDP) und Wolfgang Wieland (Bündnis 90/Die Grünen) das Thema „Online-Durchsuchung: Können wir wirklich darauf verzichten?“. Hitzig diskutiert wurde untereinander und mit den Gästen im Publikum. Moderiert wurde das Event durch Christian Hochhuth von politik.de.
Video vom Event:
Video von der Podiumsdiskussion am 8. November 2007 im Politik-Land von politik.de in Second Life


Das es eine hitzige Debatte werden würde, war eigentlich klar, denn die Themen Freiheit und Sicherheit bewegt gerade in der letzten Zeit die Gemüter sehr. Im ersten Teil der Veranstaltung hatten die Podiumsgäste die Gelegenheit, ihren Standpunkt darzulegen. Doch die Gäste im Publikum konnten schon zu beginn ihre Fragen nicht zurückhalten. Dabei war kein Politiker um eine Antwort verlegen, einen besonderen Schlagabtausch gab es aber zwischen dem Sozialdemokraten Dieter Wiefelspütz, der sich für eine Online-Durchsuchung aussprach und dem Grüne Wolfgang Wieland, der „im Zweifel für die Freiheit“ stimmt.
Podiumsgäste und einige Zitate:

GiselaPiltz Howlett: Die im Grundgesetz garantierten Freiheitsrechte der Bürger sind die Basis unserer Gesellschaft und unseres Staates. Sie sind nicht ein bisschen wichtig, sondern unverhandelbar.
GiselaPiltz Howlett: Auch Straftäter sind Bürger! Auch sie haben Bürgerrechte, die in der Verfassung niedergelegt sind. Es gibt Grenzen der Strafverfolgung und der Prävention. Zudem besteht immer die Gefahr, dass auch Unschuldige Opfer einer Ermittlungsmaßnahme werden.

HansPeterUhl Devin: Nein, hier geht es etwas ganz anderes. Der Staat muss wissen, wenn Massenmorde durch Bombenanschläge vorbereitet werden. Wer dem Staat dieses Recht nicht geben will, ist ein verantwortungsloser Narr.
HansPeterUhl Devin: Selbstverständlich wird nicht herumgeschnüffelt. Kein einziger Bürger wird Opfer einer Onlinedurchsuchung. Es geht um Fälle von dringendem Tatverdacht bezüglich einiger weniger Terroristen.

Dieter Wiefelspütz Donardson: Ich kann Angst verstehen, bin aber ganz sicher, dass wir in einem der freiesten und rechtsstaatlichsten Länder der Welt leben. Wir haben außerordentlich viele rechtsstaatliche Sicherungen eingebaut. Kennen Sie ein rechtstaatlicheres Land als Deutschland?
Dieter Wiefelspuetz Donardson: Online-Durchsuchung ist selbstverständlich kein Patentrezept im Kampf gegen Terrorismus. Es ist bestenfalls ein eher kleiner, zusätzlicher Baustein.

WolfgangWolfgangWieland Jameson: Einen Konsens zwischen Pro und Contra Online-Durchsuchung kann es nicht geben. Es gibt auch keine Online-Durchsuchung light. Diese Tür darf auch nicht einen Spalt breit geöffnet werden.
WolfgangWieland Jameson: Zwischen und Freiheit und Sicherheit besteht ein Spannungsverhältnis. Bei allen vorgeschlagenen Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit muss der bürgerrechtliche Schaden bedacht werden. Im Zweifelsfall gilt für uns: In dubio pro Libertate. – Im Zweifel für die Freiheit.
Das vollständige Chat-Protokoll finden Sie hier:
Teil 1, Teil 2, Teil 3