Archiv für die Kategorie ‘Politikkongress’

Politikkongress 2009 endet mit Abschlusspodiumsdiskussion

Freitag, 27. November 2009

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Der diesjährige Politikkongress endete am frühen Abend mit einer abschließenden Podiumsdiskussion, die vom Journalist Hajo Schumacher moderiert wurde. Unter dem Motto „Superwahljahr 2009- Urnengänge, Irrwege, Triumphzüge“ diskutierten die großen Parteien über den letzten Wahlkampf.

Gewohnt provokant forderte Hajo Schumacher die Vertreter der großen Parteien auf, ihre Erfolge sowie Misserfolge in der strategischen Wahlkampfplanung zu nennen. Einig waren sich die Vertreter aller Parteien, dass man Wahlkampf mit gezielten Inhalten führen muss. Die persönliche Komponente bei den Wählern spielt eine wichtige Rolle. Thema in der Runde war auch der heutige Rücktritt des Verteidigungsminister a.D. Franz Josef Jung.

Prof. Peter Hartz im Kamingespräch zur “Reformbilanz”

Freitag, 27. November 2009

„Lange Kommissionsnamen werden von den Journalisten in eine Kurzform gebracht, entweder nach dem Ort oder der Person benannt.“ Dieses Zitat stammt aus dem Munde von dem Mann, der in Deutschland die Reformkomission des Arbeitsmarkts federführend geleitet hat: Peter Hartz. Es ist in letzter Zeit ruhig geworden um Ihn. Er lässt sich nur selten in der Öffentlichkeit blicken, man hat den Eindruck, er genießt seine zunehmende Anonymität. Diese hält allerdings höchstens solange, bis er sich namentlich vorstellt. Das Wort „Hartz 4“ wurde 2004 Unwort des Jahres, steht wie kein anderes als Synonym für die Angst vorm sozialen Abstieg.

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Wer Peter Hartz im Kamingespräch „Reformbilanz“ mit Interviewer Daniel Goffart (Handelsblatt) erlebt, weiß schnell, daß Peter Hartz alles ist, aber sicher nicht unsozial. Auf die Frage, wie er damit umgeht, daß sein Name mit Stichwörtern wie „soziale Kälte“ in Verbindung gebracht wird, antwortet er bedrückt, „sowas lasse einen nie los“. Die Antwort ist ehrlich, seine Augen sprechen eine deutliche Sprache. Die Zusammenlegung von Sozialhilfe und Arbeitslosengeld zum Arbeitslosengeld 2 war die wohl wichtigste Neuerung. Er erzählt, daß es in diesem Land einiges besser funktionieren würde, hätte man seine Reformen 1:1 umgesetzt. Und er betont, kein Politiker zu sein. Peter Hartz erzählt von seinem eigenen Arbeitsleben, er begann als 14 jähriger eine Ausbildung nach der mittleren Reife, und begründete seine spätere Karriere auf dem zweiten Bildungsweg. Sein Arbeitstag habe lange Zeit 16-18 Stunden gehabt, nun im Ruhestand habe er sein Pensum auf 8 Stunden zurückgeschraubt. Ein Mensch, der es gut mit Ihm meint, hätte Ihm dies ans Herz gelegt. Trotzdem bedient er sich nicht der „Methode Sarrazin“. Kein einziges Mal im Gespräch geht ein Vorwurf in die Richtung von Langzeitarbeitslosen. Prof. Hartz sieht diese zwar als Problem, formuliert dies aber nicht als Vorwurf. Interessant wird heute Nachmittag der Auftritt Thilo Sarrazins. Der „klassische Sarrazin“ kann sich wohl nicht aus seiner Haut, und wird die ein oder andere polarisierende Thesen in den Raum werfen. Oder hat der Vorstand der Bundesbank Ihm Kreide in sein Mittagessen gemischt?

Jeremias Kettner im anschließenden Interview mit Prof. Hartz

Jeremias Kettner im anschließenden Interview mit Prof. Hartz

Keynote: Medien im Wandel – Ende des Qualitätsjournalismus

Freitag, 27. November 2009

Qualitätsjournalismus hat die Aufgabe durch gut ausgebildete Redakteure gesellschaftsrelevante Themen durch gründliche Recherche und Darreichung von Hintergrundinformationen dem Leser verständlich zu präsentieren. Er steht leider vor immer größeren Problemen und Herausforderungen. Dr Bernd Buchholz von der Gruner + Jahr AG, der die heutige Keynote hielt, sieht die Medienbranche von zwei großen Effekten betroffen. Zunächst verzeichnet die Branche durch die Weltwirtschaftskrise Verluste, die sich durch Anzeigenrückgang und Stellenabbau bemerkbar machen. Darüber hinaus stehen insbesondere die Verlagshäuser vor der Aufgabe, den strukturellen Veränderungen in der Medienbranche zu begegnen. Die große Anzahl neuer Medien, kostenlose Onlineportale sowie Social Networks, nehmen dem klassischen Qualitätsjournalismus den Raum zu existieren, „eine regelrechte Kostenloskultur etabliert sich,“ stellt Buchholz fest. Der Qualitätsjournalismus hat laut ihm allerdings einen hohen Wert, den es zu erhalten gibt. Die unabhängigen Medien gelten nicht umsonst als vierte Gewalt. Nur unabhängige Medien sichern eine bürgsame Kontrolle von Politik und Wirtschaft.

Die Frage die sich stellt ist vielmehr: Welche Rolle spielen journalistische Inhalte im digitalen Zeitalter? Buchholz konstatiert den klassischen Funktionen des Qualitätsjournalismus in der Tendenz einen steigenden Wert, den es geht um die inhaltliche Substanz, „Qualitätsjournalismus liefert relevante, seriöse Informationen und dient als Filterfunktion, er hilft dem potentiellen Leser über die Flut an Informationen im digitalen Zeitalter den Überblick zu behalten.“ Um dem beobachtbaren Rückgang von Finanzierungsmöglichkeiten zu begegnen gibt es zwei Lösungen. Entweder man entscheidet sich preiswerter zu produzieren, oder der Wert der Inhalte wird beim Nutzer beziehungsweiße dem Leser produziert. Klar ist aber, dass Qualität einen angebrachten Preis braucht, es kommt darauf an etwas Einzigartiges zu verkaufen. Das Problem ist, das Qualität über das Web verschenkt wird. Die Gruner + Jahr AG und andere Verlagshäuser fordern daher ein Leistungsschutzrecht, dass für andere Medienbranchen bereits existiert. Buchholz kommt zum Schluss, dass die Hamburger Erklärung, die bereits von 150 Medienhäusern unterzeichnet wurde und den Schutz von geistigem Eigentum fordert, weiter durch die Politik diskutiert werden sollte und die Schaffung einer adäquaten Gesetzgebung zur Folge haben muss. Von den Verlagen fordert er mehr Mut und Wille zur Veränderung um den qualitativ hochwertigen Journalismus auch in Zukunft zu erhalten.

Kamingespräch: Süddeutsche interviewt Bild

Freitag, 27. November 2009

Der Mann kennt und kannte sie alle persönlich: Augstein, Nannen, Kohl. Und vor allem: Sie kennen und kannten ihn: Graf von Nayhauß.

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Während des Gesprächs hat man den Eindruck, dass da  ein alter Fuchs aus dem Nähkästchen plaudert. Wir erfahren, dass es sich auch in Kanzlermaschinen gar nicht so angenehm fliegt, solange man halt nicht selber Kanzler ist. Dass die Bonner Republik ihre eigenen Logiken folgte, auch was die Puffmütter betrifft. Und von einer Weltreise, die einen zwischen die Hamburger Journalistenfronten geratenen Redakteur vor allem in amerikanische Staaten verschlug.

Nayhauß, der als Journalist in einem Bereich Text produzierte, der heute als Infotainment charakterisiert werden würden reüssiert über die Darstellungen der Politiker-Privatleben in Bonn und in Berlin. Ein Spitzenpolitiker der Berliner Republik in den Sommerurlaub zu begleiten, wie er es damals beim Wirtschafts- und Finanzminister Schiller getan hat, ist fast nicht mehr denkbar. Überhaupt waren Homestories über Politiker wohl mehr eine Sache aus Bonn. Kürzlich hat es mal wieder einer versucht, nicht ganz ohne eigene Interessen natürlich. Dieter Althaus lud nach dem tragischen Unfall während seines Wahlkampfes Journalisten in sein Haus ein. Die Botschaft: Hier steht wieder einer fest im Leben, bereit für die nächste Legislatur. Dass dieses Vorhaben nach hinten losging, ist allgemein bekannt. Diese Art des Journalismus heute seltener anzutreffen ist  Glück und Verlust zugleich. Oder wer würde nicht einmal gerne bei Frau Merkel Mäuschen spielen wollen?

Ein besonderes Lob gebührt schlussendlich noch Kurt Kister, der die Fragen stellte. Selbst bei den Äußerungen Rommel sei kein Nazi gewesen, die Wehrmacht keine Nazi-Institution, verzieht er keine Miene.

Politisches Krisenmanagement

Freitag, 27. November 2009

Sie kann Politiker, politische Institutionen und Unternehmen gleichermaßen treffen und ist dabei Chance und Risiko zugleich: die Krise. Um die Reputation der Akteure  zu wahren und Gewinneinbrüche zu vermeiden oder zu reduzieren, ist ein proaktives und wenn möglich, präventives Vorgehen der Betroffenen gefragt.

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Um dies zu gewährleiste, muss man sich vor Augen führen, wie Kommunikation auf ihren verschiedenen Ebenen funktioniert, dass vor allem Emotionen wie Angst bei den Bürgern und Kunden angesprochen werden.

Seit Schulz von Thun ist bekannt, dass Nachrichten mehr als nur die Sachebene besitzen. Menschen hören auf Beziehungsebenen, auf Appelle und offenbaren sich unter anderem selbst mit Geäußertem. Diese Erkenntnisse müssen auch beim Krisenmanagement mitgedacht werden. So sollten die vertrauensbildenden Maßnahmen von Unternehmen auf der Sachebene vor allem schnell, umfassend, aufklärend und sachbezogen sein. Auf der Gefühlsebene offen, ehrlich, persönlich und glaubwürdig. Prokatives Agieren heißt aber auch alle wichtigen Stakeholder mitzudenken, und sich von ihnen möglichst nicht die Deutungshoheit über einen Issue aus der Hand nehmen zu lassen.

Während einer Krise gibt es immer eine Phase der Orientierung- eine Stelle an der sich entscheidet, in welche Richtung Kunden und Bürger in ihrer Beurteilung gehen. Diese Orientierungsphase muss von Betroffenen genutzt werden für eine sinnvolle Maßnahmenentwicklung und  zum Zusammenstellen eines Krisenteams. Es setzt voraus, dass schnell gehandelt wird, die Ausmaße einer Krise umfassend erkannt werden.

In jeder Krise liegt auch immer eine Chance. Das ist die gute Nachricht, die Dr. Thorsten Hofmann von der Steibeis Hochschule Berlin mitgebracht hat.

Boom der Social Networks: Warum sie immer wichtiger werden

Donnerstag, 26. November 2009

Social Networks wie StudiVZ, Facebook und twitter erleben insbesondere unter den 12 bis 24-Jährigen einen Boom. Als Medium der Informationsbeschaffung nutzen 90 Prozent der 650 befragten Jugendlichen das Internet und publizieren ihre News im Netz. Dr. Jan-Hinrik Schmidt vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung  stieg mit dieser repräsentativen Umfrage in seine Veranstaltung “Online-Kommunikation: Orientierung in Öffentlichkeiten des Social Web” ein und gab einen Überblick über die Nutzung von twitter&Co.

Warum nutzen immer mehr Menschen Social Networks? Eine berechtigte Frage, die Schmidt gleich zu Anfang zu beantworten versucht. Drei Gründe gibt es, sagt er, die für die Nutzung von Netzgemeinschaften sprechen.  An erster Stelle: Identitätsmanagement. “Wir versuchen immer mehr unsere Interessen und Erlebnisse im Netz zu veröffentlichen, um unsere Person zu präsentieren.” Dass das Downloaden von privaten Bildern, das Schreiben von Pinnwandeinträge und  das Posten von Online-Artikeln der Präsentation der eigenen Person dient, ist klar. Doch warum wird der Drang, sich im Netz zu entblößen, immer größer? Für Schmidt heißt die Antwort: Beziehungsmanagement. “Ob privat oder beruflich, wir nutzen das Netz, um mit Freunden und Kollegen in Kontakt zu bleiben oder neue Kontakte aufzubauen.”

Und was verändert sich durch das Identitäs- und Beziehungsmanagement, das täglich weltweit und millionenfach betrieben wird? “Es entstehen viele neue persönliche Öffentlichkeiten”, erklärt Schmidt.  Während es bei der Gestaltung der eigenen persönlichen Öffentlichkeit um Authentizität und Kommunikation gehe, stelle die Adressierung an die klassische Öffentlichkeit natürlich vielmehr den Anspruch an Objektivität. Bei der Schaffung der persönlichen Öffentlichkeit stünde lediglich die Verbereitung von Themen im Vordergrund, die die eigenen Interessen abdecken.

Genutzt werden Soziale Netzwerke natürlich auch zur Informationsbeschaffung. “Das klassiche Model des Informationsbeschaffung funktioniert nicht mehr. Professionelle Experten wie Bibliothekare, Journalisten und Enzyklopädisten verlieren immer mehr an Bedeutung”, so Schmidt. Überflüssig wird ihre Arbeit deswegen aber nicht: “Die von Journalisten produzierte Öffentlichkeit ist ein wichtiger Bestandteil der persönlichen Öffentlichkeiten.” So sei zum Beispiel die Verbreitung von Artikeln auf Seiten wie Facebook und StudiVZ Gang und Gebe.

Warum es verständlich ist, dass Guttenberg AC/DC mag – aus dem Panel „Wahlkämpfer in den Medien“

Donnerstag, 26. November 2009

Muss ein Politiker sein Privatleben mit der Öffentlichkeit teilen? Oder ist es ein Risiko, das Private zum Politischen zu machen? Hat das Privatleben irgendeinen Einfluss auf politischen Erfolg oder Misserfolg eines Politikers? Im Panel „ Von Sympathieträgern und Selbstdarstellern – Wahlkämpfer in den Medien“ diskutierten Nico Fried (Süddeutsche Zeitung), Kerstin Jäckel (BUNTE), Oliver Santen (BILD) und Ulrich Sollmann (Kommunikationscoach).

„Mit einer dritten Scheidung und einer bevorstehenden vierten Ehe den Wahlkampf 1998 zu gewinnen, das war eine Meisterleistung von Gerhard Schröder.“, begann Moderator Udo Röbel das Panel. Wie man es schafft, vom Ehebrecher zum gestresster Vollzeitpolitiker der zuhause kein Schnitzel gebraten bekam,  war lediglich ein Vorgeschmack auf das Kommunikationstalent von Medienkanzler Schröder.

Angela Merkel hingegen lässt nur kleine Häppchen aus ihrem Privatleben an die Öffentlichkeit. „Bei Schröders, da war das so als ob man unter deren Tisch sitzen würde und ihre Gespräche mitverfolgt“ findet Oliver Santen. Für Kerstin Jäckel scheint jedoch gerade im Kontrast zwischen Schröders „Glamour“ und Merkels Zurückhaltung mit Privatem das Erfolgsrezept der Kanzlerin zu liegen, weil sie mit ihrer Nüchternheit damit den Zahn der Zeit träfe.

Der Medienerfolg des Polit-Shootingstars zu Guttenberg ist für Ulrich Sollman ebenso einfach zu erklären: Seine Ästhetik, sein modernes Auftreten, das Bild eines „Schönheitsmenschen“ in einer „heilen Koalition“ biete der breiten Bevölkerung eine Fläche zur Projektion der eigenen Wünsche. Dennoch sei zu Guttenberg keineswegs innerlich immer so ausgeglichen wie er äußerlich wirke – eine Unruhe in seinen Beinen habe Sollmann beispielsweise gestern Abend bei der Verleihung des Politikawards bemerkt – „es ist nur verständlich, dass er AC/DC mag.“

Nico Fried hingegen findet viele Diskussionen über den neuen Verteidigungsminister als zu  „Äußerlichkeiten-schwanger“. Wirklich bekannt geworden sei zu Guttenberg in der Opel-Nacht, als er sich als einziger gegen den Kompromissvorschlag ausgesprochen hatte. Fried beunruhige es, dass das Echo auf diese ablehnende Haltung gegenüber einem Kompromiss auf so fruchtbaren Boden im Wahlvolk fiel – schließlich sei der Kompromiss als solcher konstituierend für unser demokratisches System.

Fazit der Panel-Teilnehmer: Das Beispiel zu Guttenberg zeigt, dass man auch ohne politische Erfolge als erfolgreicher Politiker wahrgenommen werden kann – eine gute Inszenierung kann bereits ausreichen. Funktioniert jedoch auch der Umkehrschluss? Kann ein erfolgreicher Politiker im Amt bleiben, wenn er wegen seinem Privatleben unter öffentlichen Beschuss gerät?

Das Beispiel Seehofer zeige laut Oliver Santen, dass auch Bayern liberaler werden. Schlagzeilen aus dem Privatleben würden von der Öffentlichkeit gerne aufgenommen, aber die Konsequenzen für die politische Karriere wären mittlerweile nicht mehr so einschneidend wie noch vor zwölf Jahren. Nico Fried betont hingegen, dass Medien weiterhin eine Grenze zwischen Privatleben und öffentlichem Leben ziehen werden, und dass über das Privatleben erst dann berichtet werden würde, „wenn es politisch wird.“ Das Panel ist sich nicht ganz einig, ob jeder Politiker es selbst in der Hand habe ob er sein Privatleben ins Rampenlicht stelle und ob eine alte Homestory von Horst Seehofer einen Freibrief zur Berichterstattung über sein Privatleben darstellt. Gelegentlich sei dies auch überhaupt nicht der Haken, denn „ letztlich kommt immer irgendeiner der es politisch macht, und sei es nur ein Ortsverband“, merkt Fried an.

Kommunikationscoach Sollmann fasst zusammen: Die richtige Dosierung des Privatlebens in der Öffentlichkeit muss jeder Politiker für sich bestimmen, denn jede Dosis kann zu Erfolg und Misserfolg führen. Letztlich sollten eigene Charakterzüge nicht vertuscht, sondern angenommen werden und in das Gesamtbild stimmig integriert werden. Als Stoiber 2002 in einer Talkshow kein einziges Mal „äh“ sagte, wurde dies von der breiten Masse schließlich auch nicht als erfolgreiches Training wertgeschätzt, sondern als Verlust seiner Persönlichkeit empfunden.

Deutschland hat gewählt: Erlebnisse und Erwartungen im Ausland

Donnerstag, 26. November 2009

Diskutiert wurde von Medienvertretern/ Korrespondenten verschiedener europäischer Länder. Welche Erwartungen hat das europäische Ausland an die neue schwarz-gelbe Bundesregierung. Neben wirtschafts -und finanzpolitischen Themen wurde auch auf einzelne Personalien eingegangen. Insbesondere der neue Außenminister Guido Westerwelle und dessen Antrittsbesuche wurden kontrovers diskutiert. Roger Boyes (Deutschland-Korrespondent The Times) machte deutlich, dass Herr Westerwelle im Ausland, wenn auch durch kleine Missgeschicke wie sein allerseits bekannter Hinweis man solle doch in Deutschland auch auf Deutsch seine Fragen stellen, negativ aufiel. Boyes wünscht sich den Außenminister “etwas mehr weltoffen und etwas weniger deutsch-national”.

Gibt es die Wunderwaffe Online-Campaigning

Donnerstag, 26. November 2009

Wie effektiv ist Online-Campaigning wirklich und kann es als Wunderwaffe von Parteien im Wahlkampf eingesetzt werden? Dazu referierten Markus Berger-de Léon von den VZ-Netzwerken und Robert Heinrich von Bündnis 90/Die Grünen.

Berger-de Léon erzählte über die Online-Kampagnen, die studi-VZ und mein-VZ zum diesjährigen Bundestagswahlkampf durchführten. Wahlkampf online zu führen kann er jeder Partei nur empfehlen, da die Zielgruppe, die sich heute ausschließlich über das Internet über Politik informiert, nur noch über Social Networks zu erreichen ist. „Selbst die klassische E-Mail ist bei dieser Zielgruppe schon nicht mehr wichtig, Nachrichten über soziale Netzwerke sind das effektivere Mittel.“ Das Ziel ist es Wähler zu mobilisieren, einen Dialog zwischen Usern und Politikern zu schaffen und politische Inhalte auf neue, ansprechende Art zu vermitteln. Dies bekräftigte auch Robert Heinrich von den Grünen. Seine persönliche Erfahrung ist es, dass man die Perspektive eines Users einnehmen muss, um eine erfolgreiche Online-Wahlkampfkampagne zu konzipieren. Ganz wichtig ist es außerdem, die Bedürfnisse der Bevölkerung zu akzeptieren und die Inhalte einer Onlinekampagne auf diese auszurichten. Die Kampagnen sollten vor allem eines sein – authentisch.

Keynote: Die Magie emotionaler Resonanz

Donnerstag, 26. November 2009

Die Keynote mit dem Thema „Die Magie emotionaler Resonanz: Agenda Setting kollektiver Akteure“ des heutigen Tages hielt Professor Kruse der nextpractise GmbH. Kruse spricht nicht zu Unrecht über die erste große Völkerwanderung des Informationszeitalters.

Die Fakten sprechen für sich. Immer mehr Nutzer bewegen sich heutzutage im Netz, alleine Facebook verzeichnet über 10 Millionen User in Deutschland, soziale Netzwerke erleben nicht erst seit 2009 einen Boom. Die drei Top-Twitterer haben mehr „followers“ als Österreich Einwohner, jeden Tag enstehen 27,3 Millionen so genannte Tweets. 200 Millionen bloggen weltweit. Dass sich Kommunikationsstrategien stark verändert haben, zeigt ein Vergleich zu früheren Tagen. Wollte man sich vor zehn Jahren in der Welt ausdrücken oder hatte einen Impuls den man in die Gesellschaft tragen wollte, suchte man sich Netzwerke auf der Straße durch diverse Aktionen. Heute ist es umgekehrt: Handlungsmotive suchen sich keine Netzwerke mehr, sondern die Netzwerke suchen vielmehr nach handlungsfähigen Motiven und resonanzfähigen Themen. Die Netze greifen so in Themen ein und schaukeln diese auf. Kruse prophezeit: „was im kommunikativen Bereich auf die Politik zukommen wird, ist enorm,“ die Aufgabe „sei es heraus zu finden, welche Themen resonanzfähig sind“. Heute geht es um Sinnstiftung, triviale Resonanz wird nicht verlangt. Als Aufgabe konstatiert Kruse die Anneignung von Emphatie, „wir müssen untersuchen, wo sich die Handlungsmuster der Menschen hin bewegen.“

Festzuhalten ist, dass sich Themen schnell und expansiv über das Netz ausbreiten, auch ohne alte Medien und immer öfters ohne Hierarchie. Die Hauptaussage von Professor Kruse war, erstens die Bürger von Wählerstimmen zu weitgehend unkalkulierbaren Netzwerkaktivisten mutieren. Zweitens ist festzuhalten, dass wenn man taktische Kommunikation ohne Transparenz und Glaubwürdigkeit betreibt, mündet diese im PR-Gau. Und drittens: Die Kenntnis der emotionalen Resonanzen in der Gesellschaft sind wichtig.

Präsentationsfolien der Keynote von Prof. Dr. Peter Kruse