Ein Eid auf Hindi sorgt für politische Konflikte und gewaltsame Übergriffe: Ein detonierter Sprengsatz und angedrohte Selbstmordanschläge offenbaren eine niedrige Hemmschwelle und eine zunehmende Radikalität innerhalb der politischen Klasse und der nepalesischen Gesellschaft.
Bereits unmittelbar nach seiner Vereidigung am 28. Juli musste sich Vizepräsident Paramananda Jha gegen Vorwürfe zur Wehr setzen, dass der von im auf Hindi geleistete Eid nicht gültig sei und wurde daraufhin mehrmals vom nepalesischen Supreme Court angewiesen, den Schwur zu wiederholen – und diesmal auf Nepali. Jha wiederum verwies auf sein Recht, eben jenen Schwur auch auf Hindi leisten zu dürfen.
Jha unter Druck
Dank der politischen Vertretung der Maoisten, die sich momentan in der Opposition befinden und keine Gelegenheit auslassen, auf die Regierungskoalition Druck auszuüben, wurde das Thema immer wieder am köcheln gehalten. Ihre Forderung war klar und unmissverständlich: Der Eid muss wiederholt werden, sonst drohen Streik und weitere Auseinandersetzungen.
Seit gestern Abend hat sich die Lage deutlich verschärft: 50 Meter von Jhas Haus entfernt detonierte um 19.30 Uhr ein Sprengsatz. Jha und seine Familie wurden nicht verletzt, lediglich ein Passant erlitt leichte Verletzungen. Ein Bekennerschreiben der Kirat Republican Workers Party (KRWP) wurde gefunden, die die Verantwortung für die Tat übernehmen. Die Gruppierung erregte bereits am Donnerstag landesweites Aufsehen, als fünf vermummte Mitglieder der Gruppierung auf einer Pressekonferenz mit Waffen erschienen und Drohungen gegen Innenminister Bhim Rawal aussprachen.
Was will die Kirat Republican Workers Party?
Rawal hatte unlängst in einem offiziellen Statement verkündet, weiter gegen bewaffnete Gruppierungen in Nepal vorzugehen und am Friedensprozess festzuhalten. Das Innenministerium veröffentlichte eine Liste mit 119 Gruppen, die in der nahen Zukunft entwaffnet werden sollen. Darunter: Die KRWP.
Welche Ziele die KRWP – die Anhänger einer leninistisch-maoistisch-kommunistischen Grundhaltung sind – verfolgt ist bislang nicht ersichtlich. Nach eigenen Aussagen kämpfen sie für die Einführung eines eigenen Bundesstaates innerhalb Nepals – und wollen sich gegen eine Verfolgung durch die Regierung zur Wehr setzen. Sie drohen offen mit Selbstmordattentaten, falls die Regierung die KRWP nicht von der Liste streicht. Sie sind mit schweren Waffnen ausgestattet und wurden angeblich von den Tamil Tigers aus Sri Lanka ausgebildet. Der gestrige Anschlag unterstreicht ihr offensichtlich vorhandenes Gewaltpotential.
Jugendorganisation der Maoisten verprügelt Lehrer
Die Nachrichten über politisch motivierte Gewalttaten dominieren die nationalen Schlagzeilen. Am Donnerstag griffen 30 Männer der Young Communist League (YCL), der Jugendorganisation der Maoisten der Unified CPN-Maoist, eine Schule im Gorkha Distrikt an. Ziel war Krishna Prasad Dhital, ein Lehrer der Syartan Lower Secondary School in Kharibot. Er gehört der Lehrergewerkschaft an, die wiederum dem nepalesischen Kongress nahe steht. Dies reichte offensichtlich aus, Dhital und die komplette Lehrerschaft zu verprügeln. Die Schule wurde vorübergehend geschlossen. 400 Schüler warten nun auf die Fortsetzung des Unterrichts in den nächsten Tagen.
Und aus aktuellem Anlass erneute Fotoarbeiten von Nabin Baral, der maoistische Rebellen mit seiner Kamera begleiten konnte. Hier geht es direkt zu den Fotos.
Die Einschätzungen meiner nepalesischen Freunde und Bekannten scheinen sich zu bewahrheiten: Kaum geht der Monsun zu Ende, steigt die Streik- und Gewaltbereitschaft. In den nächsten Wochen könnte sich die Lage zunehmend verschärfen und erst zum zehntätigen Dashain Festival wieder etwas beruhigen. Was danach passiert? Man kann eigentlich nur auf Regen hoffen.










