Nach den verheerenden Terroranschlägen in Norwegen befindet sich sowohl das Land als auch die internationale Gemeinschaft in einem Schockzustand. Der Täter mit offenbar christlich-fundamentalistischem und fremdenfeindlichem Hintergrund hatte am vergangenen Freitag zunächst eine selbstgebastelte Autobombe im Regierungsviertel Oslos gezündet, wodurch etwa sieben Menschen ums Leben kamen. Im Anschluss erschoss er mindestens 86 Teilnehmer eines Sommerlagers der sozialdemokratischen Jugend auf der nahegelegenen Insel Utøya, bis die Polizei ihn festnahm.
Inzwischen sind Diskussionen um das Vorgehen der norwegischen Polizei entbrannt, die erst eine Stunde nach dem ersten Hilferuf auf der Insel eintraf. Außerdem ist fraglich, ob es sich tatsächlich um einen Einzeltäter handelte und inwieweit er in die internationale rechtsextreme Szene eingebunden war. Was meinen die Blogger?
Der Täter war offenbar „getrieben von Wahnvorstellungen, sein Land würde von Linken, Liberalen und Muslimen bedroht“, steht im Transatlantikblog. Das 1.500 Seiten lange „Manifest“, das er zuvor ins Internet gestellt hatte, weist darauf hin, dass es auch Verbindungen zur deutschen rechtsextremistischen Szene gab. Schließlich spielt der „bekannte deutsche ‚Islamkritiker‘ Henryk Broder“ eine wesentliche Rolle darin. Aber „die Theoretiker des Hasses werden sich freilich sorglos geben und alle Verantwortung von sich weisen.“
Freeman kritisiert, dass „sofort Al-Kaida genannt [wurde], der ‚übliche Verdächtige‘.“ Alle seriösen Medien brachten die Anschläge ohne weitere Informationen mit dem Afghanistan-Einsatz des Landes in Verbindung. Dabei verhielt sich der Sachverhalt genau andersherum. Die Medien sind offenbar parteiisch und „haben versucht eine anti-moslemische Hetze zu starten, denn nach ihrer Ansicht sind nur Moslems so böse, um so eine abscheuliche Tat zu begehen.“
„Insgesamt kann festgestellt werden, dass die Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft in den letzten Jahren immer mehr zugenommen hat“, meint Artur P. Schmidt. Da es beim Menschen einen ausgebildeten Widerwillen gegen das Töten von Artgenossen gibt, ist nun zu untersuchen, was dafür verantwortlich ist, dass diese Hemmschwelle kontinuierlich sinkt. Verbote jeglicher Art sind sinnlos, da sich die Gesellschaft kaum vor einem unauffälligen Einzeltäter schützen kann, wie es hier der Fall war.
Polit-Profiler wundert sich darüber, dass der Attentäter festgenommen werden konnte, während die meisten anderen im Anschluss an ihre Tat Selbstmord begingen oder erschossen wurden. „Die Propaganda des Täter gehört offensichtlich zum politischen Programm, ansonsten lässt sich die Vorgehensweise der Polizei in Norwegen nicht erklären.“ Dieser darf nun sein politisches Statement abgeben, während das von islamistischen Terroristen offenbar nicht erwünscht ist. Es stellt sich die Frage, inwieweit sich die Ansichten der Gesellschaft von denen des Täters unterscheiden.
Die schrecklichen Anschläge auf Norwegen zeigen, dass Fundamentalismus und Extremismus jeglicher Couleur gleichermaßen abzulehnen sind. Interessant ist, dass die meisten Medien automatisch von einem islamistisch motivierten Anschlag ausgingen, obwohl das andere Extrem der Fall war. Im Zuge dessen fällt auch auf, dass mit „islamistisch“ ein Wort existiert, das den fundamentalistischen Zweig von Anhängern dieser Religion beschreibt, es aber keine äquivalente Bezeichnung für Extremisten anderer Religionen gibt. Dieser Umstand sollte wirklich zu denken geben.
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c.s.
Foto: Flickr.com: L.C.Nøttaasen
Tags: Breivik, Norwegen, Oslo, Terrorismus, Utøya

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