Frauen bloggen anders?

In der letzten Blogschau wurde eine weibliche Bloggerin zitiert. Was daran besonders ist? Es ist zuvor kaum aufgefallen, dass in den letzten Beiträgen nie Frauen mit ihren Blogs zu Wort kamen. Warum das im politik.de Blog so ist und warum Frauen in der politischen Blogosphäre nur selten vertreten sind – um das zu klären, dafür werfen wir einen Blick in die Online-Tagebücher beiderlei Geschlechts.

Wendy Cheng: Eine der erfolgreichsten internationalen Bloggerinnen. Bloggen Frauen anders?

Frauen klicken anders, stellte die Süddeutsche Zeitung im April nach dem größten deutschen Blogger-Treffen re:publica fest. Glaubt man den deutschen Blogcharts, dann spielen Frauen unter den Top 100 der deutschen Blogger kaum die erste Geige. Das erste mehrheitlich von Frauen verfasste Blog Les Mads erscheint derzeit auf Platz 33 – und beschäftigt sich mit avantgardistischer Mode.

In der TAZ Netzkultur stieß Katrin Strohmaier ins gleiche Horn: „Das Internet scheint eine aus feministischer Sicht ohnehin schon enttäuschende, männlich dominierte Realität abzubilden“. Denn auch wenn Frauen die meisten Blogs schrieben, würden sie als karrieregeil gelten, wenn sie ihrer Stimme auch Gehör verleihen möchten. Die meisten von Frauen verfassten Blogs würden sich mit eher persönlichen Dingen beschäftigen – und das gute alte “Strick-Blog” taugt nicht für eine gute Platzierung unter den politisierenden Platzhirschen der digitalen Tagebücher.

Robert Basic, der ehemalige deutsche Nummer-Eins Blogger, fügt mit Bezug auf die TAZ Zahlen zur Argumentation: „Eine Studie der Ruhruniversität Bochum zeigt, dass 75,9 Prozent der Blogs, die Frauen schreiben, reine Tagebuchblogs sind. Bei den Männern sind es dagegen nur 37,1 Prozent.“

Die Untersuchung “Doing Gender, kulturelles Kapital und Praktiken des Bloggens“, habe als Grund herauskristallisiert: „Frauen fühlen sich seltener ermächtigt, öffentlich zu sprechen (…) Das ist das Ergebnis jahrelanger kultureller Prägung“, so der Autor in Bezug auf die TAZ. Schließlich: die reale Gesellschaft reproduziere sich mit gleicher Machtkonstellation auch im Internet.

Bloggerkongress re:publica. Die deutsche Blogosphäre ist männlich dominiert.

Die Blogwelt leidet unter einem Frauenmangel“, schreibt Thomas Gigold über die Netzpiloten. Das Problem sei aber nicht der Anteil an weiblichen Bloggerinnen, sondern deren mangelhafte „Sichtbarkeit“ in der Internetöffentlichkeit. Zu finden sind Sie nur schwer, „(…) jedenfalls, wenn man sie anhand der typischen Kriterien sucht, die man sonst heranzieht um “erfolgreiche” Blogger zu finden: Linkhäufigkeit, Leserzahlen, Aufmerksamkeit. In Charts und Rankings findet man bloggende Frauen bei weitem seltener als Männer. Das allerdings bedeutet nicht, dass weniger Frauen bloggen. Es sagt lediglich aus, dass sie sich weniger in der sichtbaren Welt der Blogs verknüpfen. Und an ihr Teil haben.“

Für die Gründe verweist er auf die Bloggerin Nicole Simon, die den Grund für einen Mangel an einer starken weiblichen Bloggerszene vor allem charakterlich bedingt sieht: „Frauen sind vorsichtiger – oder: Männer sind unvorsichtiger -, wenn es darum geht, einfach loszubloggen oder auszuprobieren. Jeder, der jemals Support gemacht hat, weiß, dass Frauen sagen “Ich würde gerne X machen, kann ich dabei was kaputtmachen?” während Männer sagen “Ich habe nix gemacht! Aber jetzt geht nichts mehr!” Und vor allem – Männer haben Zeit und Lust, sich mit aus Frauensicht unwichtigen Themen zu beschäftigen.“

Gigolds Fazit: „Das Leben im Netz ist nicht anders als das im realen Raum: Männer und Frauen spielen beide, allerdings nur selten auf der gleichen Ebene. (…) Das sagt nichts über Reife, Wichtigkeit oder Vernunft aus. Nur über den Spieltrieb. Und der ist bei uns Männern nunmal größer als bei jedem anderen Wesen auf diesem Planeten“.

Die Bloggerin und Journalistin Anne Roth sieht ein Problem in der typischen Art, wie Aufmerksamkeit im Netz erzeugt werde: „Mir schwant, dass die spannendere Frage nicht die ist, warum Frauen sich irgendwie anders verhalten (also nicht so bloggen wie – manche – Männer), sondern die danach, wie sich ‘Wichtigkeit’ definiert, wie Aufmerksamkeits-Generierung im Web 2.0 stattfindet und was das dann womöglich für Folgen hat entlang der Geschlechtergrenzen. (…) Übrigens, ohne das auch nur annähernd wirklich zu wissen, bin ich ganz sicher, dass die Beteiligung anderer qualifizierter ‘Minderheiten’ an den Spitzen der Blogosphäre/der Meinungsmacherei genauso grässlich aussieht.“

Violandra Temeritia von Ávila, Bloggerin unter anderem für die FAZ, kritisiert in Bezug auf die INITIATIVE PRO NETZNEUTRALITÄT, die meisten vorgebrachten Thesen. Das Argument, Frauen interessierten sich weniger für Computer und Politik (und wohl besonders nicht für die Kombination aus beidem), sei zu simpel gedacht: „Entgegenhalten muss man dieser Aussage zudem, dass sie versucht Geschlechterklischees zu erhalten und somit kaum in das Argumentationsrepertoire einer progressiven Netzszene gehören sollte, und außerdem, dass wenn die Sprecher dieser Szene passionierte Evangelisten ihres Glaubens sein und somit andere für ihre Haltungen und Ideen gewinnen möchten, es eine schwache Leistung ist, lediglich ein einmütiges, vorrangig gleichgeschlechtliches Umfeld mit dieser Begeisterung anstecken zu können.“

Violandra kritisiert, dass der Maßstab, an dem von Männern verfasste Blogs gemessen werden, nichts über die Funktion und Fähigkeit des „weiblichen Webs“ aussagt: „Die Blogcharts werden gerne dazu herangezogen zu belegen, Frauen seien weniger gut untereinander vernetzt. Doch die Anzahl von Verlinkungen zwischen Blogs bildet eben nur ein unmittelbar messbares Beziehungsgeflecht in der Öffentlichkeit des Netzes ab – viele andere nicht.“

Tatsächlich erstaunen die meisten dieser Thesen über die „weibliche Blogosphäre“. Einerseits sind Frauen doch im realen Leben die sozialen Netzwerker, die mit den Softskills und der sozialen Kompetenz. Soziale Netzwerke im Internet werden bereits jetzt schon quantitativ stärker von Frauen genutzt, obwohl deren Gesamtanteil an Internetnutzern geringer ist. Andererseits scheinen die Thesen viel mehr Geschlechterunterschiede zu verfestigen, indem die Gründe für die geringe Sichtbarkeit weiblicher Blogs über Technik und Politik in klassischen Rollenmodellen gesucht wird. Die Frage ist, ob es Sinn macht in einem Medium, in dem Geschlechterdefinitionen weitaus fließender sind als in der realen Welt, in Kategorien wie „männliche Blogs“ und „weibliche Blogs“ zu denken.

(p.t.)

(Fotonachweis: http://xiaxue.blogspot.com/, litogra: flickr.com)

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21 Antworten zu “Frauen bloggen anders?”

  1. CARTA sagt:

    Bloggen Frauen anders?…

    Ist es sinnvoll, in einem Medium, in dem Geschlechterdefinitionen weitaus fließender sind als in der realen Welt, in Kategorien wie „männliche Blogs“ und „weibliche Blogs“ zu denken?……

  2. vera sagt:

    Hier findet sich auch noch ein Teil der Debatte.

  3. Anonymous sagt:

    [...] Blogschau [...]

  4. [...] Den Faden nimmt politik.de nun unter dem Gesichtspunkt ‘politische Bloggerinnen’ in „Frauen bloggen anders?“ [...]

  5. fk sagt:

    Nur eins: Was Violandra Temeritia von Ávila (FAZ) macht, ist die typische Sabotage einer auf Fakten und valide Zahlen aufbauenden Analyse mit dem Totschlagvorwurf des (Geschlechter)Klischees. Wenn ich Phänomen X (Frauen bloggen anteilig weniger) auf Fakt Y (Frauen interessieren sich weniger für Computer und technischen Kram) begründe, ist die Antwort, Y wäre aber der Versuch einer Aufrechterhaltung eines Klischees, einfach daneben argumentiert, weil es überhaupt nichts an der Wahrheit von Y und dessen Legitimität als Erklärungsversuch ändert.

    Nur weil es mir nicht gefällt und ich es gerne anders hätte, regnet es in Deutschland nicht weniger, auch wenn ich mit der Aussage “Deutschland hat schlechtes Wetter” evt. ein Klischee bediene.

    Das kann man mal lassen und sich stattdessen fragen, warum die Fakten hinter einem Klischee so sind, wie sie sind. Und was dagegen tun.

  6. Brett sagt:

    Meiner bescheidenen Meinung nach hat das Thema 2 Aspekte:
    a) Haben Männer und Frauen unterschiedliche Motivationen (Interessen) beim Bloggen?
    b) Werden Beiträge von Männern anders wahrgenommen als die von Frauen?

    Punkt a) ist schwierig, weil es da verschiedene Schichten gibt. Auf der primärsten (ah, wunderbar falscher Superlativ, ich liebe so was) Schicht gibt es keine großen Unterschiede: Blogger suchen Verbindungen zu anderen Menschen – mehr Austausch, weniger mit sich allein sein, Resonanz bekommen, “Belhung” spüren. Darüber beginnen aber zahllose Differenzierungen und unterschiedlichsten Strategien, die ziemlich genau dem Mix zu entsprechen scheinen, der auch im Off-Leben zu beobachten ist.

    Punkt b) finde ich einfach: Ja, Männer-Meinungen werden immer noch bevorzugt wahrgenommen. Sie starten sozusagen mit einem Wichtigkeits-Bonus. In den Meinungsschlachten gelten sie mehr. Männer-Meinungen zu allen möglichen politischen Themen und Fachsimpeleien erhalten eher Gefolgsleute, Frauen nur netten Zuspruch. Eventuell liegt das daran, dass Männer mehr Talent haben, Agressivität bzw. Emotionen hinter “Sachargumenten” zu verstecken. Dass Frauen generell weniger aggressiv und gebieterisch formulieren, kann man jedenfalls nicht sagen. Eher im Gegenteil – wenn Frauen “wütend” sind, dann fliegen die verbalen Samthandschuhe in die Ecke, während Männer sich oft noch mit einer Art von sprachlichem Florett schmücken.

    Zum Schluss nur das noch: Ich glaube nicht, dass das soziale Netz ein psychologiefreier Raum ist. Eher im Gegenteil. Viele Gefühle, Wünsche und Motivationen, die wir offline durch sichtbares Verhalten kaschieren und dämpfen, treten im Netz viel ungefilterter hervor. Kommt mir jedenfalls so vor.

  7. Nicole Simon sagt:

    Nette Übersicht.

    Wer sich einmal anschauen möchte, wie anders Bloggerinnen unterwegs sein können, sollte auf Google Blogsearch einmal nach blogher / blogher10 suchen. Das sind Bloggerinnen auf Steroids. Und dann schaue man sich dort das Programm an – das wurde von vielen der knapp tausend Teilnehmerinnen als schwer bezeichnet.

    Es war wichtiger, welche Kleidung man mit hatte oder welche Schuhe – und das, wo kein Mann weit und breit zu sehen war. Ich war dort nicht zum ‘teilnehmen’ sondern zum Beobachten. Womit arbeiten die Frauen (Smartphones sind in, und damit lernen sie langsam das ‘always on’ Vorteile hat) und haben sie endlich gelernt daß man seine Werkzeuge kennen sollte, wenn man erfolg haben will (nein, Fragen wie ‘so ein RSS feed, was ist das und wie kann ich einen kaufen’ waren üblich).

    Männer gehen anders vor. Vergleichen wir das mal ohne Gender-Stereotype: Jemand, der gut im verkaufen ist und jemand der es schrecklich findet zu verkaufen fängt an zu bloggen.

    Wer von den beiden wird erfolgreicher sein? Die erste Gruppe. Weil diese schnell versteht, was es bedeutet ‘erfolgreich’ zu sein und sich die Mechanismen anzuschauen. Die anderen haben andere Ziele.

    Man kann nun auf Blogher und die Ergebnisse schauen und lächeln, zum Beispiel weil die Firmen mti den Bloggerinnen ein einfaches Spiel hatten – oder man schaut tiefer und sieht die emotionalen Bindungen und Beziehungen, die viel tiefer gehen als das was Männer üblicherweise tun.

    Ein guter Startpunkt dafür ist dieser Artikel hier:
    http://www.blogher.com/find-your-red-dress

    So etwas würden ‘sichtbare’ Männer niemals bloggen. Es würde ihren Status begraben. Anders formuliert: Sie würden es nicht dürfen.

    Es sind zwei Seiten einer Medaille. Wenn es aber darum geht in einem bestimmten Spiel erfolgreich zu sein, muß ich a) das gleiche Spiel wie die anderen spielen und b) besser als die anderen.

  8. Die Art “Erfolg”, die ein Blog in die Charts bringt und es als “relevant” erscheinen lässt, ist vielleicht nicht das, was viele Frauen anstreben, wenn sie bloggen.

    Mal ein Beispiel aus eigenen Blogs: Neulich schrieb ich im Webwriting-Magazin einen Artikel in eher “männlicher Manier”. Kurz hingerotzt zu einem aktuellen Thema, kantige Aussagen, klare Postionen, ein bisschen Provokation und drei Buzz-Words im Titel (Burka, Streetview, German Angst). Der Artikel hob die Seitenabrufe mal eben auf 2700/Tag, gegen sonst so um die 350. Das Kommentargespräch wurde anstrengend, da die Neigung zum “Schlagabtausch” die Atmosphäre tendenziell ins Negative kippen ließ – etwas, das mir einfach keine Freude macht. Nutzloses Rumstreiten und Pfauenradschlagen versuche ich. moderierend zu glätten, was aber nur mit intensiver Präsenz möglich ist. Werden es zu viele Kommentare (nämlich so viele, dass keiner mehr die Beiträge der anderen liest), ist jegliche Chance auf ein konstruktives Gespräch dahin… und bei mir entfällt dann die Motivation, mir sowas anzutun (ich schloss die Kommentare, da inhaltlich auch alles gesagt war).

    Klar, ich war selber schuld, schließlich hatte ich ja mit dem Artikel entsprechend vorgelegt. Aber es hat mir eben mal wieder gezeigt, was ich NICHT will.

    Was ich WILL, passiert häufig im Digital Diary, meinem “Haupt-Blog” seit 1999: Intensive Gespräche über Themen, die (nicht nur) mich bewegen, wobei jeder Teilnehmer die Anderen wahrnimmt und ein echter Austausch statt findet. Mir geht es dabei nicht um bloße Verlautbarungen von Meinungen, womöglich mit Statistiken etc. belegt, sondern darum, wie ein Mensch zu dieser oder jener Meinung kommt: ich forciere das Schreiben aus der eigenen Erfahrung heraus – man muss das Visier also ein wenig herunter lassen, um im von mir intendierten Sinne mitzureden.

    Auch bei zunächst konträren Positionen ergibt sich so ein Gefühl der Verbundenheit, die Mitschreiber werden zu langen und oft tief gehenden Kommentaren inspiriert – und manchmal auch dazu, bestimmte Aspekte des eigenen Lebens neu zu reflektieren.

    Das Digital Diary bekommt deutlich weniger “automatische Aufmerksamkeit” als das Webwriting-Magazin mit seinen Netz-Themen – ist aber in meinem ganz persönlichen Ranking 100 mal bedeutender.
    Und ERFOLG im Sinne des o.g. Buzzwort-Artikels wäre das Ende von allem, was mir daran richtig Freude macht.

  9. Piratenweib sagt:

    Die Frage ist, ob es Sinn macht in einem Medium, in dem Geschlechterdefinitionen weitaus fließender sind als in der realen Welt, in Kategorien wie „männliche Blogs“ und „weibliche Blogs“ zu denken.

    Natürlich macht es niemals Sinn, in Geschlechterkategorien zu denken, weder im RL noch im Netz.
    Dennoch ist es eine Tatsache in beiden Welten, dass es Geschlechterkategorien (noch immer) gibt, und deshalb ist es legitim, sie zu betrachten und ihre Sinnhaftigkeit in Frage zu stellen. Und um etwas zu verändern, zu verbessern ist es stets zuvor notwendig sich mit dem Ist-Zustand auseinander gesetzt zu haben.
    Wie soll ohne Erkenntnis des Ausgangszustands, d.h. eine Bewusstwerdung, Veränderung in Gang gebracht werden?

    • Mich mutet es auch zunehmend seltsam an, dass immer noch eine sogenannte “reale Welt” postuliert wird, die das Internet NICHT umfassen soll!

      • Chräcker sagt:

        RL/Netz… oder wie ich es zuweilen eher unterscheiden möchte “anfassbarer Raum/Netz” etc… das sind alles in der Tat Krücken, die einen teilweise sogar erst hinken lassen. Aber ich mag noch nicht drauf verzichten, denn mal unter uns: so richtig verstanden habe ich dieses Netzgedöns noch eher kaum.

        “Wo” ist das in meinem Leben, bis wohin ist es nur Werkzeug, ein Weg, ein Band, ab wo ist es dann doch wieder so selbstständig existierend und rückbeeinflussend, und was ist virtuell und was doch längst “echt” (unser Kontakt zum Beispiel ;-) ) …das ist alles mir noch höchst unklar.

        Diese Unsicherheit und die dadurch resultierenden schwammigen Grenzziehungen (wie in RL/Netz) sind aber auch sicher eine Generationen- und “Gründerzeit”frage. Meine Kinder werden das Problem selbst wahrscheinlich nicht mehr verstehen, für die ist das Netz dann wie Strom oder warmes-Wasser. Es ist einfach da und für sich so spannend wie eine Microwelle. Man versteht es nicht wirklich, aber hat es längst im Leben eingegliedert. (Auch wenn das jetzt alles weeeit ab vom eigentlichen Thema ist, aber wo wir grad hier hocken ;-) )

  10. Chräcker sagt:

    Ich bin ja eher ein schlichter Gesell und dazu auch noch *hust* männlich, komme also, und das mit einer gewissen trotzigen Absicht, in meinen Gedanken auch nicht selten eben nicht über die Klisches hinaus.

    Nun denn, gebe ich sie also doch mal mutig hier (wieder) ab: ich arbeite im Bereich Computer zum einem mit Senioren (ab Alter 70) und zum anderen im Bereich “Leben” mit Kindern (bis Alter 10, jährlich steigend….). In beiden Fällen mit beiden Geschlechtern. Dabei fällt mir bei den Senioren eine Sache besonders auf. In dieser Gruppe ist die unterschiedliche geschlechtstypische Erziehung noch mehr ausgeprägt gewesen, das selbst ich es erkennen mag: Computer sind eine männliche Erfindung. Das macht sie auch so unsinnig kompliziert (und mit “ist so, basta”-Ecken verhaftet) zuweilen.

    Die Männer (ich auch) wurden schon früh auf “spielerisch die Zeit totschlagen und immer behaupten, man könne eh alles” erzogen, während die Seniorinendamen dazu erzogen wurden, das sie eh nicht alles verstehen könnten und bitte zielgerichtet zu spielen haben. Geht man heute durch einen Spielwarengroßhändler, findet man in der “Jungen-Ecke” auch noch deutlich mehr “sinnfreier wirkendes Ausprobierspielzeug” und in der Mädels-Ecke “zweckdienliches Haushaltsbewältigungsspielzeug” – Weltraumbahnhof-Baukasten gegen Barbie-Staubsauger.

    Seniorenherren wollen mit dem Internet gar nicht “arbeiten”. Sie wollen die Zeit totschlagen. Spielen. Dazu ist es konzipiert und funktioniert wunderbar. Nach drei Stunden noch keine Busauskunft gefunden, aber der Frau stolz die neusten Audi-Werbespot vorzeigen. Die Damen in meinen Kursen wiederum verzweifeln: die wollen wirklich nur wissen, wann der Bus nach Bulsenbüttelheim fährt. Sehr zielgerichtet.

    Ich denke, das diese Unterscheidung in “mal einfach drauf los, es wird schon was rauskommen, bin ja ein Mann” und das “also, es sollte schon stringend zu einem Ergebniss führen, hab schliesslich auch noch was anderes zu tun” von der anderen Seite her sich auch auf die Art des bloggen auswirkt. Und ob überhaupt geblogt wird! Wozu, könnte man ja fragen, über einen Garten schreiben, in der Zeit kann ich ja gar nicht drin verweilen. Dagegen könnte ich sagen: wenn ich über einen Garten schreibe, brauch ich doch gar keinen. Und ja, das sind zum nicht kleinen Teil Sichtweisen, die aufgrund unserer geschlechtlicher getrennten Erziehung her rühren.

    (Männer schreiben auch, wie ich hier, mutig unfundierten Kram rein, man will ja nur spielen…)

    Zur sozialen Kompetenz, die ich in vielen (männlichen) Beiträge auch stark vermisse, habe ich dann meine Kinder zur Beobachtung. Die Mädels, also wie soll ich es nett sagen… gar nicht, die zicken sich einen untereinander zurecht, hui. Da werden laufend, und andere Kolleginnen bestätigen mir das laufend, Machtspiele gespielt und…. eben die Mechanismen des miteinander “für später” (eben auch leidend) gelernt. Jungs sind da anders, leichter. Die sind da, sorry Jungs, einfach zu doof zu. Die hauen sich auf die Nase und gut ist. Nur lernen da weniger bei. Auch das kann man als Ergebnis in vielen Blogs raus lesen. Wirkliches auseinandersetzen ist da eher unter”gelernt”.

  11. [...] nicht fern, dass es keine bloggenden Frauen gibt. Und das liegt nicht nur daran, dass nur wenige von Frauen geführte Blogs bei den sog. “Alphabloggern” verlinkt sind, sondern auch daran, welche Bloggerinnen wie [...]

  12. limone sagt:

    danke für diesen artikel – in meinem blog habe ich mir zu dem thema mal ähnliche gedanken gemacht:

    http://caipi.limone.de/2009/07/14/wenn-frauen-bloggen/

    (hergefunden habe ich via claudia klinger in twitter)

  13. [...] Blogs Bloggerinnen, die Fortsetzung Frauen bloggen anders? Frauen an die Macht! Blogs von Frauen: Wie im echten Leben die internet gesetze Ten Important [...]

  14. [...] Anders als wer? Frau Stricktier: Bloggen (und wir), schon älter, aber sehr gut. Sehr schöner Kommentar bei politik.de. Jezebel: A Friendly Note On Commenting, And Our Expectations [...]

  15. [...] einem früheren Blog beschäftigten wir uns mit der Frage, warum Frauen in der politischen Bloggerszene so selten [...]

  16. Sommerkind sagt:

    Stimmt schon. Ich denke auch, dass Frauen eher die Tagebuchfunktion von Blogs nutzen. Schreiben wohl halt auch mehr Frauen Tagebuch, als Männer.

  17. Alexander sagt:

    Ist doch okay wenn Frauen anders bloggen. Oder müssen denn alle gleich bloggen? Mich interessiert nunmal halt Politik mehr als Mode, Klatsch oder die persönlichen Befindlichkeiten irgendeiner Frau. Ich sehe das Problem nicht.

  18. [...] und sie u.U. für sich positiv umzusetzen. Untersuchungen zufolge gibt es z.B. auch in der Bloggerszene gravierende Unterschiede. Frauen spielen z.B. kaum eine Rolle unter den Top 100 der deutschen [...]

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