Letzte Woche begannen in den USA Friedensgespräche zwischen Israel und Palästina. Unter der Federführung Barack Obamas wird nun, wie bereits seit 1948 schon des Öfteren der Fall, versucht, Frieden im Nahen Osten dauerhaft herzustellen. Auch die Gemeinde der Internetblogger setzte sich mit der Thematik auseinander.
Frédéric Valin erläutert zunächst auf Spreeblick.com, an welchen Punkten sich die Friedensverhandlungen stets ausrichten müssen: die äußeren Grenzen des Staates Israel, die Siedlungs- sowie Flüchtlingsfrage und der Status von Jerusalem. Als eine Art Handicap sieht er die bestehenden engen Verbindungen zwischen den beiden Staaten, die das Leben nach einem möglichen Friedensvertrag determinieren werden. Vor allem im Bereich der Umwelt, in welchem die Palästinenser deutlich im Vorteil sind, weil ohne ihre Unterstützung in der Wasserversorgung Israel nicht überleben würde; das israelische Ökosystem liegt nämlich am Boden. Eine Wechselwirkung bestehe im Bereich der Wirtschaft, in dem die Palästinenser auf Israel angewiesen sind, da es ihnen Arbeitsplätze bietet, während Israel auf die arabischen Billiglöhner nicht verzichten kann.
Ein Erfolg im Nahen Osten sei letztlich davon abhängig, ob Israel Verbündete gegen den Iran finden will und inwieweit andere Staaten Israel beeinflussen können: „es wird sich erst noch zeigen, inwiefern die Regierung Netanjahu bereit sein wird, politische Zugeständnisse wie den Siedlungsabbau zu machen, um in Nahost wenn auch keine Freunde, so doch Verbündete finden zu können. Und inwiefern die EU und die USA israelische Außenpolitik beeinflussen können.“
Ebenfalls auf Spreeblick.com macht Johnny Haeusler klar, wie schwer es in diesem seit mehr als 40 Jahre andauernden Konflikt ist, Stellung zu beziehen. Während zunächst Begriffe wie die PLO und die Golanhöhen alltäglich wurden, verlor er im Laufe der Zeit den „Überblick, wer zu welchem Zeitpunkt von wem als Terrorist geächtet oder als Friedensnobelpreisträger ausgezeichnet worden war. Und ob es sich dabei überhaupt um zwei verschiedene Personen gehandelt hatte.“ Der Konflikt an sich bewirke die Herausbildung einer Gleichgültigkeit ihm gegenüber, da es keinen Schritt vorwärts zu gehen scheint; vielmehr erreichen die Menschen weltweit stets die gleichen Nachrichten und Bilder, sodass sie abstumpfen und keine Stellung mehr beziehen können bzw. wollen.
Den Friedensverhandlungen an sich räumt „Wir wollen leben“ nur eine Chance ein, wenn beide Seiten sich darauf einigen, die radikalen islamischen Gruppen, wie die Hamas, zu bekämpfen. Denn jene würde niemals einer Abgabe von palästinensischen Landesteilen an Israel zustimmen.
F. Luebberding ordnet den Konflikt mittlerweile nicht mehr als religiös-ideologische Auseinandersetzung ein, sondern vielmehr als einen Kampf zwischen zwei Staaten und ihren Verbündeten. Auf der einen Seite Israel mit seinen Partnern aus dem Westen sowie Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien. Auf der anderen Seite der Iran als Unterstützer der Terrorgruppen in den einzelnen Ländern, sei es nun die Hisbollah im Libanon oder die Hamas im Gazastreifen. Israel sei somit der Gegenpol zu iranischen Hegemonialbestrebungen im Nahen Osten. Da viele arabische Staaten eine Vormachtstellung des Irans nicht wünschen, akzeptieren sie Eskapaden Israels, wie etwa den Gaza-Krieg Anfang 2009.
Almabu hingegen sieht genau die Beteiligung der Hamas, aber ebenso Syriens und des Libanons als wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Verhandlungen, vor allem mit Blick auf dauerhaften Frieden im Nahen Osten. Deswegen räumt er den Friedensbemühungen nur geringe Chancen ein; die fehlende Legitimität auf Seiten der Palästinenser sei viel zu problematisch. Dies vor allem, weil die Vertreter Palästinas in den Gesprächen nur Freunde der USA seien, wie etwa der jordanische König Hussein. Aufgrund der Lokation der Verhandlungen in Washington hätte Netanjahu strategische Vorteile, während Palästinenserpräsident Abbas sich eher fehl am Platz vorkomme. US-Präsident Barack Obama hätte die Gespräche nur einberufen, um innenpolitisch Boden gut zu machen, vor allem, weil im November die Zwischenwahlen zum Kongress stattfinden.
Während also die einen den Ausschluss und die Bekämpfung der radikalen, islamischen Gruppierungen fordern, wollen die anderen gerade die Einbindung jener in die Verhandlungen. Beide Vorschläge sehen ihr Modell als Garanten für lange währenden Frieden im Nahen Osten. Da gegenwärtig das erste Konzept angewandt wird, bleibt es abzuwarten, ob es erfolgreich sein wird oder ob Almabu Recht behält.
(m.s.)
(Fotonachweis: flickr.com: tapedeck [ I ♥ film])
Tags: blogschau zum dossier, Friedensverhandlungen, Hamas, Israel, Konflikt, Naher Osten, Obama, Palästina, Washington

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In meinen Augen ist es einfach fehlende Toleranz dem Andersdenkenden gegenüber, die diesen Konflikt immer wieder aufleben läßt. Sicher, auf der einen Seite stehen auch die Radikalen, aber auf der anderen Seite eben eine breite Front, welche sagen, Israel ist souverän.
Wir hier in Deutschland kennen etwas ähnliches, und es hat Jahrzehnte gedauert, bis Politische und Wirtschaftliche Interessen dieses beendete. Doch das waren nur politische Ansichten. Der Glauben geht tiefer. Wie lange das dauern wird? Ich hoffe, nicht mehr sehr lange.
Doch wie gesagt, Glaubensfragen sind das eine, politische und wirtschaftliche Fragen das andere! Es ist zu hoffen, das die Pragmatik der Politik und der Wirtschaft über den Glauben triumphiert – allein ich glaube es nicht!
[...] von Gewalt und Vergeltung immer schneller dreht, in den letzten Jahren dramatisch verschärft.Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts gab es eine solche mörderische Verzerrung wie unter den Islamist…n Kolonialismus. Sie hat sich vor allem im Nahen Osten, wo sich die Spirale von Gewalt und [...]