Blogschau: Mein Gauck, Dein Gauck? Yes, we Gauck!
Der digitale Wahlkampf der Präsidentschaftskandidaten.
Die Bloggerwelt dreht sich (weiter) um die Präsidentschaftskandidaten. Besonders die Frage nach einem digitalen Gauck-Hype beschäftigt die Blogosphäre der letzten Tage.
Obwohl Christian Wulff bei seiner Wahl erst 52 Jahre alt wäre und damit möglicherweise der jüngste Bundespräsident Deutschlands, überholt ihn der 70-jährige Gauck auf der digitalen Autobahn locker. Stimmt das?
„Der digitalisierte Kandidat“ nennt Malte Krohn in seinem Blog Homopoliticus den digital hyperaktiven Kandidaten von SPD und Grünen, Joachim Gauck. Diesem ist offensichtlich der Sprung über die digitale Spaltung gelungen: Auf Facebook haben sich schon über 32.400 Gauck-„Gefällt Mir“-Unterstützer geoutet. Dafür scheint Wulff entgegen seines jungen Alters eher internetscheue Unterstützer zu haben, oder wodurch sonst lässt sich die im Vergleich sehr geringe Unterstützerzahl von 3.244 begünden?
Der Gauck-Hype im Internet findet angeblich viele Unterstützer. Das ist umso absurder, weil das Volk den Bundespräsidenten (zum Glück) gar nicht selbst wählen kann. Doch Die Zeit sieht nun schon die digitalen Volksbewegungen kommen, die digital organisiert einen Kandidaten entgegen der wahrscheinlichen Mehrheit in der Bundesversammlung ins Amt tragen will: „Go for Gauck!“ . Neben Twitter, Facebook und Co rufen Unterstützer im Netz auch zu „Montagsdemos für Gauck“ auf.
Detlef Guertler dazu im taz blog : „Damals ging es darum, ein Regime loszuwerden, das nicht abgewählt werden konnte – dabei helfen Demonstrationen. Jetzt geht es wieder darum, ein Regime loszuwerden, das nicht abgewählt werden kann, wenn auch, weil es gerade erst vor ein paar Monaten mit einer ordentlichen Regierungsmehrheit ins Amt gehoben wurde.“
Wenn das der Meister selbst wüsste, meint Der Spiegelfechter, denn „diese doch recht drollige Relativierung der ‚DDR-Diktatur‘ sollte eigentlich den Kandidaten Gauck auf den Plan rufen. Als Sozialverbände ihre Demonstrationen gegen Hartz-IV ‘Montagsdemos‘ nannten, schäumte der Herr der Akten vor Wut und nannte dies “töricht und geschichtsvergessen”.
„Yes, we Gauck!“ Meint der Autor daher und nimmt den vermeintlichen Gauck-Hype eher kritisch unter die Lupe: „Online-Aktivismus ist glücklicherweise denkbar unkompliziert – man muss nur einmal die Maustaste betätigen und schon ist man echter Aktivist.“(Der Spiegelfechter )
Doch der „Online-Hype wird zur Offline-Blamage.“ (Der Spiegelfechter), denn statt tausender treuer Fans, versammeln sich auf der ersten Demo nur 30 analog demonstrierende Unterstützer. Der Spiegelfechter kennt dafür auch den Grund. Denn hinter den Netzaktivitäten vermutet er die geheimen Mächte aus der SPD-Parteizentrale.
Schade, dass Ursula von der Leyen aus dem Kandidaten-Rennen ist, denn der Blog Wirres.net hätte ein gutes und endlich populäres Betätigungsfeld für sie gefunden: „Könnte Ursula von der Leyen an Popularität gewinnen, wenn sie eine Vuvuzela-Sperr-Infrastruktur vorschlüge? Zum Teufel mit der Lärmbelästigungs-Neutralität. Wir filtern uns die Welt widdewidde wie sie uns gefällt.“
(Fotos: thorbengeyer flickr.com, Die Webevanglisten )
Tags: Blogschau, bundespräsident, bundespräsidentschaftswahl, E-Partizipation, Gauck-Hype, Montagsdemos


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