
Die intellektuellen Fähigkeiten des Netzes, die Präsidentenwahl, die Ermordung Benno Ohnesorgs, diverse Wahlprogramme und Geburtstagsfeiern beschäftigen dieser Tage die deutsche Blogosphäre.
Humorlos: Das “Netz als Feind des Intellektuellen“, so beschreibt es Adam Soboczynski in der Zeit. Das hat ein “Geschmäckle”, findet rebell.tv. Auch auf den “Kühlschranknotizen” meint Blogger Falk Lüke, dass der Autor des Artikels lediglich an “verlogenem Elitismus im Stile auswirkungsloser Salonflaneure” interessiert sei – und jedenfalls nicht an Demokratie. Lüke schlägt zur Abgrenzung das neue Wort “internetuell” vor.
Blogger Robin Meyer-Lucht stimmt mit dem Zeit-Online-Chefredakteur überein, dass die gelegentlichen Hasstiraden von Feuilletonredakteuren, die sich auf das böse Internet beziehen, einer Art Fieberanflug ähneln, “der sich in kaum etwas anderem als Ignoranz und Elitarismus zu entladen vermag“. Marcel Weiss meint dazu auf netzwertig.com: “Das Internet macht Menschen nicht dümmer, es macht Dummheit nur sichtbarer.”
Weitere Attacken gegen den Intellektuellenkult finden sich bei Christian Henner-Fehr und Tobias Haase.
Hello again: Horst Köhler wird in seinem Amt bestätigt. Verhalten sind viele Blogger-Reaktionen. Oder ganz ablehnend, wie die auf Duckhome. Für den Oeffinger Freidenker ist die Wiederwahl
“ein Fanal gegen die Demokratie, gegen Partizipation und Emanzipation, für ein Weiter-so und ein technokratisches Verständnis von Politik, für eine Boulevardisierung des Politischen und für eine totale Meinungskontrolle durch eine kleine, reiche und herrschende Klasse.”
Wolfgang Lieb entlarvt die vermeintliche Beliebtheit Köhlers beim Volke als Meinungsmanipulation der dominierenden konservativen, “bürgerlichen” Medien.
Das CDU-Blog freut sich zwar über die Wiederwahl von Horst Köhler, bleibt aber im Freudentaumel der 60-Jahr-Feiern und Wolfsburg-Siege skeptisch: Wenn es um die wirklichen Probleme gehe, werde doch der Kopf in den Sand gesteckt – armes Deutschland!
Stefan Niggemeier befasst sich leicht verspätet mit dem NPD-Bundespräsidentenkandidaten Frank Rennicke, über den man doch eigentlich nur lachen kann.
Einige gutgemeinte Glückwünsche an Horst gibt es dann aber doch, zum Beispiel vom Pottblog und Nicole Oppelt auf Readers Edition.
Liberal-elitär: Feynsinn kritisiert das FDP-Programm und bezeichnet die Politik des aufstrebenden Philip Rösler als politischen Table Dance: auf den ersten Blick schön anzusehen, auf den zweiten Blick eine Veranstaltung, die man sich sparen kann, weil man sie sich nicht leisten kann.
Auch der Oeffinger Freidenker sieht das liberale Wahlprogramm als unseriöse Milchädchenrechnung jenseits von gut und böse an.
Das Zeitgeist Blog lässt sich über das typische FDP-Wort “Leistungsträger” als euphemistischen Neusprech aus.
Zwischendurch: Zu den politischen Irrungen und Wirrungen im Netz sei die Karte des Wahlradars empfohlen.
Satirefrei: Letzte Woche war es die Sperrung von Pantoffelpunks Sperrseiten-Satire. Diese Woche ist es Alexander Lehmanns “Du bist Terrorist“-Video. Doch Lehmann ist noch mal davon gekommen: Dank des große Rückhalts bei anderen Bloggern und Twitterern konnte eine größere juristische Intervention seitens der Agentur, die “Du bist Deutschland” erfand, verhindert werden.
Blogger Christian meint: Schöne Geschenke sind das zum 60. Geburtstag unserer Verfassung.
Zu diesem 60. Geburtstag gab es auch eine Maischberger-Sendung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auf den NachDenkSeiten nimmt Albrecht Müller die Sendung auseinander und wirft Maischberger zu seichtes Geplänkel und “Frauensolidarität” vor.
Davon will Flatter nichts bemerkt haben und regt sich über mangelnden Feminismus im Netz und in anderen Medien auf. Sind die Frauen “völlig resigniert” oder “sind sie zu dämlich, den Zusammenhang zwischen Macht und Wirklichkeit herzustellen?”
Verschwörung: Wie die Birthler-Behörde verlauten ließ, war der Mörder Benno Ohnesorgs, Karl-Heinz Kurras, womöglich ein Stasi-Spion. Die BRD zimmere sich wie ein seniler Greis ihre eigene Vergangenheit zurecht, schimpft Roberto De Lapuente. Jochen Hoff ist der Meinung, dass der Stasi-Zusammenhang von der Springer-Presse und Co. nur hervorgehoben werde, damit die Linke im aktuellen Wahlkampf möglichst schlecht dastehe. Auch der Oeffinger Freidenker wundert sich darüber, dass sich die rechtskonservative Journaille ausgerechnet jetzt gegen Kurras stellt.
Udo Vetter analysiert die rechtliche Seite des Ohnesorg-Falls.
Nilz scheint der Einzige zu sein, der die Möglichkeit einräumt, dass die DDR die BRD ins Chaos stürzen wollte und deshalb Kurras den Studentenmord auftrug…
Bild: flickr.com (carlsonimkeller)


















