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Internetuell vs. intellektuell. Blogschau (5/IV)

Ein Kommentar » von Eva
25. Mai 2009 | 12:49 Uhr

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Die intellektuellen Fähigkeiten des Netzes, die Präsidentenwahl, die Ermordung Benno Ohnesorgs, diverse Wahlprogramme und Geburtstagsfeiern beschäftigen dieser Tage die deutsche Blogosphäre.

Humorlos: Das “Netz als Feind des Intellektuellen“, so beschreibt es Adam Soboczynski in der Zeit. Das hat ein “Geschmäckle”, findet rebell.tv. Auch auf den “Kühlschranknotizen” meint Blogger Falk Lüke, dass der Autor des Artikels lediglich an “verlogenem Elitismus im Stile auswirkungsloser Salonflaneure” interessiert sei – und jedenfalls nicht an Demokratie. Lüke schlägt zur Abgrenzung das neue Wort “internetuell” vor.
Blogger Robin Meyer-Lucht stimmt mit dem Zeit-Online-Chefredakteur überein, dass die gelegentlichen Hasstiraden von Feuilletonredakteuren, die sich auf das böse Internet beziehen, einer Art Fieberanflug ähneln, “der sich in kaum etwas anderem als Ignoranz und Elitarismus zu entladen vermag“. Marcel Weiss meint dazu auf netzwertig.com: “Das Internet macht Menschen nicht dümmer, es macht Dummheit nur sichtbarer.”
Weitere Attacken gegen den Intellektuellenkult finden sich bei Christian Henner-Fehr und Tobias Haase.

Hello again: Horst Köhler wird in seinem Amt bestätigt. Verhalten sind viele Blogger-Reaktionen. Oder ganz ablehnend, wie die auf Duckhome. Für den Oeffinger Freidenker ist die Wiederwahl

“ein Fanal gegen die Demokratie, gegen Partizipation und Emanzipation, für ein Weiter-so und ein technokratisches Verständnis von Politik, für eine Boulevardisierung des Politischen und für eine totale Meinungskontrolle durch eine kleine, reiche und herrschende Klasse.”

Wolfgang Lieb entlarvt die vermeintliche Beliebtheit Köhlers beim Volke als Meinungsmanipulation der dominierenden konservativen, “bürgerlichen” Medien.
Das CDU-Blog freut sich zwar über die Wiederwahl von Horst Köhler, bleibt aber im Freudentaumel der 60-Jahr-Feiern und Wolfsburg-Siege skeptisch: Wenn es um die wirklichen Probleme gehe, werde doch der Kopf in den Sand gesteckt – armes Deutschland!
Stefan Niggemeier befasst sich leicht verspätet mit dem NPD-Bundespräsidentenkandidaten Frank Rennicke, über den man doch eigentlich nur lachen kann.
Einige gutgemeinte Glückwünsche an Horst gibt es dann aber doch, zum Beispiel vom Pottblog und Nicole Oppelt auf Readers Edition.

Liberal-elitär: Feynsinn kritisiert das FDP-Programm und bezeichnet die Politik des aufstrebenden Philip Rösler als politischen Table Dance: auf den ersten Blick schön anzusehen, auf den zweiten Blick eine Veranstaltung, die man sich sparen kann, weil man sie sich nicht leisten kann.
Auch der Oeffinger Freidenker sieht das liberale Wahlprogramm als unseriöse Milchädchenrechnung jenseits von gut und böse an.
Das Zeitgeist Blog lässt sich über das typische FDP-Wort “Leistungsträger” als euphemistischen Neusprech aus.

Zwischendurch: Zu den politischen Irrungen und Wirrungen im Netz sei die Karte des Wahlradars empfohlen.

Satirefrei: Letzte Woche war es die Sperrung von Pantoffelpunks Sperrseiten-Satire. Diese Woche ist es Alexander Lehmanns Du bist Terrorist“-Video. Doch Lehmann ist noch mal davon gekommen: Dank des große Rückhalts bei anderen Bloggern und Twitterern konnte eine größere juristische Intervention seitens der Agentur, die “Du bist Deutschland” erfand, verhindert werden.
Blogger Christian meint: Schöne Geschenke sind das zum 60. Geburtstag unserer Verfassung.

Zu diesem 60. Geburtstag gab es auch eine Maischberger-Sendung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Auf den NachDenkSeiten nimmt Albrecht Müller die Sendung auseinander und wirft Maischberger zu seichtes Geplänkel und “Frauensolidarität” vor.
Davon will Flatter nichts bemerkt haben und regt sich über mangelnden Feminismus im Netz und in anderen Medien auf. Sind die Frauen “völlig resigniert” oder “sind sie zu dämlich, den Zusammenhang zwischen Macht und Wirklichkeit herzustellen?”

Verschwörung: Wie die Birthler-Behörde verlauten ließ, war der Mörder Benno Ohnesorgs, Karl-Heinz Kurras, womöglich ein Stasi-Spion. Die BRD zimmere sich wie ein seniler Greis ihre eigene Vergangenheit zurecht, schimpft Roberto De Lapuente. Jochen Hoff ist der Meinung, dass der Stasi-Zusammenhang von der Springer-Presse und Co. nur hervorgehoben werde, damit die Linke im aktuellen Wahlkampf möglichst schlecht dastehe. Auch der Oeffinger Freidenker wundert sich darüber, dass sich die rechtskonservative Journaille ausgerechnet jetzt gegen Kurras stellt.
Udo Vetter analysiert die rechtliche Seite des Ohnesorg-Falls.
Nilz scheint der Einzige zu sein, der die Möglichkeit einräumt, dass die DDR die BRD ins Chaos stürzen wollte und deshalb Kurras den Studentenmord auftrug…

Bild: flickr.com (carlsonimkeller)

Gong zur nächsten Runde. Blogschau (5/III)

3 Kommentare » von Eva
18. Mai 2009 | 13:19 Uhr

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Das Thema ist immernoch nicht vom Tisch: Zensursula von der Leyen und ihre nahezu grotesken Stoppschilder sorgen weiterhin für Furore.
Es herrscht nun wohl offiziell Krieg, wie ein “alter Bekannter” und “Hauptstadtjournalist” des Bloggers Chris verlautbaren lässt. Auch ein sich offensichtlich in der Politik auskennender, ominöser Kollege des DonDahlmann spricht militärisch zackig davon, dass man im politischen Berlin aufgrund der erfolgreichen e-Petition “zunehmend nervös” werden würde.

Jedenfalls wird zurückgeschossen: Zunächst wurde eine Satire-Seite aus dem Netz genommen, die den Nutzer von der eigentlich Webseite auf die vermeintliche Homepage des BMI umleitete (via Basicthinking). Komisch, dass genau so etwas (nämlich das Abschalten kompletter Seiten) mit Kinderporno-Seiten nicht klappt, sondern dort nur ein Stoppschild verhängt werden darfkann.

Nun rüstet die Internetsperren-Kampagne der CDU gegen die Online-Petition auf und ist dem Parteibuch eine satirische Presseerklärung wert. Das Wut-Blog regt sich über die “Welt”-Schlagzeile auf, laut der stolze 92% der Deutschen für die “Kinderporno-Sperre” sind.
Keentech spricht von “purer Demagogie”. Die “Deutsche Kinderhilfe” hat die Studie in Auftrag gegeben – über die dubiosen Hintergründe der Organisation klären der Spiegelfechter und Stefan Niggemeier auf (da bringt es auch nichts, wenn jemand noch mal schnell den Wikipedia-Eintrag der Deutschen Kinderhilfe optimiert, wie fixmbr herausgefunden hat).
Auf naturbelastet.de verweist man auf die Schwierigkeiten standardisierter Fragebögen und gleichzeitig deren Nutzbarmachung zur Meinungsmanipulation.
Bei Readers Edition fühlt man sich nicht umsonst an die 98% erinnert, die Erich Honecker nach den letzten Kommunalwahlen ergatterte.
XiongShui auf Buettchenbunt ist der Meinung, dass die Familienministerin mit ihrer Symbolpolitik der Polizei nur weitere Steine in den Weg lege, anstatt bei der Verfolgung von Kinderschändern erfolgreich mitzuhelfen. Es gibt aber auch friedfertige Angebote zum Dialog, so wie den Brief von der Leyens an die Spreeblick-Redaktion.

Ein schönes Video über die profunde Unkenntnis deutscher Politiker bezüglich des Internets findet sich beim Oberlehrer-Blog: Hier kommt man doch leicht ins Schwimmen, wenn es um “Kannibalenforen” und “Bombenanbau – ehm – Leitsätze” geht.
Der Meinung, es handele sich bei den Unterzeichnern der e-Petition um halb-perverse und vor allen Dingen kinderlose Internetfreaks widerspricht die Unterschriftensammlung, die Hanno ins Leben gerufen hat: Erklärung von Eltern aus IT-Berufen zu Internetsperren.
Schöne Idee: Die Aktion “Überwach” (via Konsumpf) will den Spieß umdrehen und nachvollziehen können, welche Blogs und Webseiten von welchen Ministerien überwacht werden.
Dentaku hat keine Lust mehr und ist dafür, einfach ein neues Internet aufzumachen.

Man mag es kaum glauben, aber es geschehen auch noch andere Dinge in der Welt. Indymedia.org berichtet über den Toleranzmarsch für Homosexualität im polnischen Krakau und die Komplikationen mit rechten oder katholizistischen Gegnern, welche den Demo-Zug teilweise mit Eiern und Tomaten bewarfen. Zu weitaus schlimmeren Auseinandersetzungen und einer gewaltsamen Auflösung der Pro-Homosexualitäts-Demo kam es in Moskau. Dies versuchte der deutsch-russische Autor Wladimir Kaminer offensichtlich klein zu reden, wie Stefan Niggemeier kritisierend berichtet.

Pöbel-Thilo is back. Der Ex-Finanzsenator übertrifft sich mal wieder selbst, indem er dafür sorgen will, dass nur die “Richtigen” Kinder bekommen sollten – HartzIV-Empfänger scheiden dabei leider aus. Wie das gehen soll, erklärt Jens Berger.

Das Antibürokratieteam bloggt vom FDP-Parteitag.

Das CDU-Blog kritisiert indessen den Europawahlkampf und die mangelnde Transparenz der Vorgänge auf der Ebene der Europa-Politik. Und sowieso, so wird schwadroniertpostuliert, würden die meisten Menschen spüren, “dass da was nicht stimmt mit Europa”.

Udo Vetter greift den Fall des mutmaßlichen NS-Verbrechers John Demjanjuk auf, dem unter großem medialen Getöse der Prozess gemacht werden soll. Vetter meint: “Wie auch immer, dass ausgerechnet ein Ex-Rotarmist und Kriegsgefangener als “letzter lebender NS-Verbrecher” den Kopf hinhalten muss, ist schon eine Ironie der Geschichte- wenn man an die zahlreichen KZ-Schergen deutscher Herkunft denkt, die unbehelligt im Nachkriegsdeutschland lebten oder hier gar nach wie vor ihren Lebensabend verbringen.”

Bild: flickr.com (saarworres)

Betroffener Minister, betroffene Blogger. Blogschau (5/II)

Ein Kommentar » von Eva
10. Mai 2009 | 21:40 Uhr

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Es ist vorhersehbar, was passiert, wenn man in Köln ein Alt bestellt. Oder man Friedbert Pflüger zum Wahlkampf nach Kreuzberg schickt. Ebenso vorhersehbar war, dass ein Großteil der deutschen Blogger und Wirtschaftsminister Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg keine Freunde werden würden.
Und tatsächlich gibt Letzterer endlich Grund zum Dampf ablassen: Das Spitblog hat beispielsweise nur noch Verachtung für Guttenbergs Einstellung zur Petition gegen die Online-Sperrungen übrig. O-Ton zu Guttenberg in der Tagesschau:

Das macht mich schon sehr betroffen, wenn pauschal der Eindruck entstehen sollte, dass es Menschen gibt, die sich gegen die Sperrung von kinderpornographischen Inhalten sträuben.

In Zettels Raum wird dieser seltsame Satz detailliert und pointenreich auseinandergenommen. Zum Beispiel so:

“Sträuben” ist freilich ein Ausdruck nach, sagen wir, Gutsherrenart dafür, daß Bürger sich das Recht herausnehmen, anderer Meinung zu sein als die Bundesregierung.

Dem Popkulturjunkie macht die “Dummdreistigkeit” von Politikern wie Guttenberg einfach nur Angst. Lukas geht der Blutdruck hoch. Auf Blogsprache ist man nur froh, dass Menschen, die so offensichtlich ahnungslos sind, wieder abgewählt werden können. Johnny Haeusler denkt darüber nach, bei weiteren Aussagen dieser Art Strafanzeige wegen übler Nachrede und Verleumdung zu stellen.

Zu Guttenberg und seine Brüder und Schwestern im Geiste sind nun gezwungen, auf den Willen des Volkes einzugehen – in vier Tagen gab es mehr als 55.000 Unterzeichner der e-Petition, die von Franziska Heine initiiert wurde. Laut netplanet ist dies eine Aktion, von der jede Friedensbewegung jahrzehntelang höchstens “kühn geträumt” habe. “Ein gelebtes Stück e-Demokratie”, meint auch Text & Blog.
Wie Thomas Knüwer berichtet, hält das Bundesfamilienministerium dennoch am Gesetzesentwurf fest.
Wenigstens über die Berichterstattung in den Nachrichten kann man sich diesmal freuen, meint Don Dahlmann. Schließlich betone der Sprecher, dass “die Petition nicht deswegen existiert, weil man die Kinderpornographie weiter zugänglich machen möchte”.
Jens Scholz verfasst vor lauter Freude über die Petition eine Ode an die Blogger, die er eigentlich nicht schreiben wollte und spricht sich damit gegen den ewigen Pessimismus des Blog-Migränejungen Don Alphonso aus.
Als dessen Erben lassen sich die “bringt doch eh nichts”- Blogger betrachten. Einen kleinen Sturm im Wasserglas löste Florian Holzhauer mit seinem Post Ich unterschreibe nicht aus. Und stieß bei einigen auf Zustimmung.

Jens Berger läuft sich indes schon mal für das Superwahljahr 09 warm und stellt die Spiegelfechter-Sonntagsfrage.
Bei den Liberalen stellt sich aufgrund sozialdemokratischer Wahlkampfstrategien bereits leichte Verwirrung ein.
Beim Blog der CDU findet man die Europawahlplakate der SPD einer “demokratischen Partei nicht würdig”.

Andrea schreibt einen irgendwie traurigen, aber doch sehr lesenswerten und unterhaltsamen Bericht über den Spatenstich für den Ausbau des Frankfurter Flughafens.

Über das paradoxe Verhalten und die zwiespältige Wirkung der US-amerikanischen Armee in Afghanistan und Pakistan berichtet Jochen Hoff.

Auch interessant: Weissgarnix’ Gedanken zum richterlichen Beschluss, dass das Arbeitsamt einem Bordell keine Prostituierten zuweisen muss.

Verwundert reibt sich Fefe die Augen ob der israelkritischen Anklänge bei SPON: “Hut ab, das ist eine deutliche inhaltliche Verbesserung!” Ein Redakteur hatte eine fiktive Rede fomuliert, die Außenminister Steinmeier dem “Ultranationalisten” Avigdor Lieberman halten sollte.
Claudio Casula schiesst sofort zurück und schreibt eine Abmahnung, die der israelische Außenminister dem betreffenden Reporter nicht verpassen wird – aber sollte.
Auch Joachim Steinhöfel empfindet den SPON-Artikel als Anti-Israel-Hetze.
Blogger Mr. Moe schreibt hierzu:

Es bleibt, was immer bleibt, wenn man Hang zum “Klartext” und “Tacheles”, aber keine Ahnung hat: ein Haufen Stammtischparolen, die im besten Fall auf den Rausschmiss aus der Dorfkneipe und im schlimmsten Fall auf Massenmord hinauslaufen.

Den Massenmord mit Farbklecksen wird’s wohl in Zukunft eher nicht mehr geben. Daniel Nuber beschwert sich über das geplante Verbot von Paintball-Spielen und auf Nerdcore ist man richtig sauer auf “f***ing Bosbach” und sein Paintballverbot: Dann müssten auch Wasserpistolen verboten werden, mit denen simulierten Kinder schließlich landesweit ebenfalls das Töten.

Bild: flickr.com (Michael Panse M)

Periculum in mora? Blogschau (5/I)

Ein Kommentar » von Eva
5. Mai 2009 | 07:32 Uhr

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Der 1. Mai ging ohne größere Ausfälle und “soziale Unruhen” vorüber, und dennoch lebt es sich gefährlich. Schweine! Piraten! Wir leben in riskanten Zeiten.

Auf Netzpolitik kann man nicht nur gefilmte Blogger-Statements gegen die Netzzensur bewundern, sondern auch selbst aktiv werden und eine Petition gegen Zensursula unterzeichnen.
Das Online-Petitionssystem ist allerdings selbst ganz und gar nicht hürdenfrei zu bedienen, wie Fefe herausfindet.

Stefan Niggemeier klärt über ausgewiesene Kinderporno-Experten und die adeligen Strippenzieher des Vereins “Innocence in Danger” auf – und darüber, wie diese sich gegenseitig die Bälle zuspielen. Alle “von und zu’s” stecken unter einer Decke!
Das erklärt allerdings auch teilweise, wie die Zahlen zustande kommen, die von der Leyen und Co. für ihre Zwecke anführen. Odems Blog erläutert, wie Zensursulas Faktenwissen durch eine kleine, gründliche Recherche widerlegt werden kann.
Eine etwas ausführlichere Statistik gibt es von Christian Bahl auf dem Blog “Missbrauchsopfer gegen Internetsperren”.
Selbst das CDU-Blog appelliert an von der Laiens Sachverstand: Zensur im Internet durch Sperren sei definitiv der falsche Weg.
Auf die Ergebnisse dieser hanebüchenen Vorschläge kann man sich jedenfalls nur freuen.

Piraten haben das Twitter-Schiff der CDU gekapert – offenbar durch das einfache Ausprobieren von nahe liegenden Passwörtern, wie Spreeblick berichtet. Schon erschreckend, finden das die meisten Blogger.
Der “24-Stunden-Hack” war wohl als eine Protestaktion gegen die geplante Sperrung von Netzseiten gedacht. Wenigstens ist die Meldung der Piratenhacker nicht gelöscht worden – entweder die CDU-Twitterer stehen zu den unangenehmen Ereignissen oder sind gar nicht dazu in der Lage, den entsprechenden Beitrag zu löschen.
In diese hämische Kerbe schlagen nicht alle Blogger. Alvar Freude beispielsweise betrachtet die Kaper-Aktion nicht nur als amüsant. Vielleicht um das spöttische Gelächter aus den Reihen der Blogger etwas zu relativieren, schreibt er auffällig freundlich, dass sich die Vertreter der SPD und CDU auf dem PolitCamp 09 bezüglich der Internetsperren durchaus gesprächsbereit gezeigt hätten.
Es geht auch anders. Die Piratenpartei Bayern bloggt gehässig zum gleichen Thema:

Liebe CDU, ein paar Sachen müssten euch klar sein: Wer zu blöd ist, die einfachsten Grundregeln im Netz zu befolgen, braucht nicht “illegal” zu schreien. Ihr legt doch auch nicht eure Parteikasse in eine unbewachte Ecke mitten auf die Straße und brüskiert euch dann wenn sie geklaut wird.

Es wird den Politikern nicht leicht gemacht, im twitternden und bloggenden Web-Wahlkampf anzukommen, soviel ist klar. Laut dem ewigen Bloggergriesgram Don Alphonso wird sich im Wahlkampf allerdings sowieso nach wie vor niemand dafür interessieren. Menno! Immer muss er den Spaß verderben.

Ein Thema, an dem offensichtlich auch die Blogosphäre nicht vorbeikommt, ist die Schweinegrippe.
“Oink oink!” Jens Berger fragt sich, wie diese Meldung aus Mexiko sich in den aktuellen, bewegten Zeiten so populär durchsetzen konnte.
Frédéric stellt sich die Frage weitaus philosophischer. Wenn die Menschheit alle paar Monate ob der Bedrohung durch Epidemien kurz vor ihrem Untergang steht, ist dies dann ein Zeichen für die kollektive Schuld, die wir auf uns geladen haben? Fazit: Ach, sie ist halt einfach ein kleines Neuröschen, unsere Gesellschaft.
In Zettels Raum wird das Ganze ernster genommen. Er verweist darauf, dass die Panik vor Pandemien zu Vorsichtsmaßnahmen führe, die es im Nachhinein so aussehen lassen, als habe nie eine Gefahr bestanden. Es gelte dennoch: “Auch wenn eine Gefahr sich nicht genau so, wie erwartet, realisiert, sondern nur ähnlich, kann ihre Erwartung nützlich gewesen sein.”
Das Lawblog macht sich Sorgen um den neuen Namen der Schweinegrippe: AH1N1, wer soll sich das bitteschön merken?

Das Parteibuch zeigt sich von den Ungeheuerlichkeiten, die durch die Veröffentlichung der Memos durch US-Präsident Obama zu Tage treten, nicht schockiert. Wie abgebrüht man ist.

Heftige Kritik üben die NachDenkSeiten an Volksliebling und Bundespräsident Köhler. Erst verhöhne er die ärmeren Teile der Bevölkerung, in dem er sagt “Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt” und neuerdings spreche er von “demokratischer Selbstbestimmung” – und zwar in einem Land, in dem ungefähr die Hälfte der Deutschen mit der Art und Weise, wie die Demokratie in Deutschland funktioniert, wenig zufrieden seien.

Was hat, so muss man den Bundespräsidenten fragen, die reale Politik der letzten Jahre mit „demokratischer Selbstbestimmung“ zu tun? Wo bleibt die „Selbstbestimmung“ bei denjenigen, die durch die Rezession ihren Arbeitsplatz verlieren, und bei den 5 Millionen Arbeitslosen, die im Gefolge der Wirtschaftskrise für die kommenden Jahre prognostiziert werden?

Auf Ad Sinistram liefert Roberto de Lapuente pünktlich zum 1. Mai ein flammendes Plädoyer gegen den verdorbenen Zeitgeist unserer ideale-freien Gesellschaft.

Bild: flickr.com (nolifebeforecoffee)

Im düstern Auge keine Träne/ Sie sitzen am Mac und fletschen die Zähne. Blogschau (4/IV)

Äußere deine Meinung, Anregung oder Frage hier von Eva
27. April 2009 | 10:02 Uhr

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Es brodelt in der deutschen Blogosphäre. Internetsperren, soziale Unruhen und Gretchenfragen bieten in dieser Woche Anlass zu hitzigen Debatten. Und wenn Spreeblick ruft, geht man für seine Überzeugungen sogar mal wieder auf die (virtuelle) Straße. Nicht nur auf Duckhome fühlt man sich also an Heines Weberaufstand erinnert.

Der 1. Mai mit seinen traditionellen Kreuzberger Steinewerfern naht. Obwohl die letzten Jahre sehr friedlich abgelaufen sind, könnte sich dies nun ändern – so man denn dem CDU-Blog und deutschen Politikern wie Gesine Schwan Glauben schenkt. Nach ihrer Warnung vor sozialen Unruhen wurde (nicht nur aus der Opposition, sondern auch aus eigenen Reihen) zurückgeschossen: Schwan sei verantwortungslos und rede revolutionäre Randale sowie einen Bruch in der Gesellschaft erst herbei.
Einige Blogger stehen ihr allerdings bei: Wolfgang Lieb hält es für vollkommen richtig, dass jemand die wachsende Wut der Bevölkerung anspricht.
Und Jens Berger glaubt ganz fest an das deutsche Revolutionspotential. Er beschwört die 68er-Demos und den Sturz des DDR-Regimes durch den Druck der Straße herauf.
Auf weissgarnix werden die wirtschaftlichen Hintergründe dieser Angst vor sozialen Unruhen analysiert.

Die Internetzensur hat in Belgien erste Wirkungen gezeigt. Wie das Parteibuch berichtet, wurde die Seite stopkinderporno.com gesperrt. Chapeau!
Auf Spreeblick wurde dieser Tage eine Online-Demo angekündigt, die wohl durchaus erfolgreich war. Ob von der Leyen davon etwas mitbekommen hat?

Die überlegt nämlich unterdessen lieber, was man mit den 20% der Internetnutzer macht, welche die Sperren umgehen können und teilweise “schwer Pädokriminelle” seien. Pädokriminelle! Das kriegen natürlich einige, die “technisch einigermaßen versiert” sind, in den falschen Hals. Gehört man nun zum Kreis der Verdächtigen, wenn man Internetsperren umgehen kann? Wenn man dieser Anleitung zur Umstellung seines Servers folgen kann? Für den Webrocker ist dies eine klare Aufforderung zur Hexenjagd 2.0.

Blogger Unintended Purpose fragt sich, weshalb Volksvertreter offensichtlich keinen realistischen Einblick mehr in die menschliche Lebenswelt besitzen.
Wenig Konkretes, aber irgendwie Anrüchiges fördert Jochen Hoff zutage, indem er nun noch den halbseidenen Bruder von der Leyens ins Boot holt. Dieser betätige sich als Online-Glücksspiel- und Pornoanbieter und profitiere von den Machenschaften seiner Schwester. Bei Kausch& Friends hält man diese Mutmaßung für komplett abwegig.

Vom Einzelnen zum Allgemeinen schwingt sich Netzpolitik auf und deutet die aktuellen Ereignissen (Internetsperre, Verbot von Pirate Bay) als kleinen Teil eines großen Kampf der Kulturen.
Tobias Haase stimmt dem Netzpolitik-Blogger Bendrath zu: Es ginge momentan um den Konflikt zwischen alten Formen der Informationsverbreitung (von oben nach unten) und dem Netz als filter- und schrankenlose Übertragungsplattform.
Die “digitale Spaltung” dirigiere Deutschland bei seinem momentanen Kurs auf den Stand eines Entwicklungslandes, meint Marcel Weiss.

Einer der wenigen, die sich für eine verstärkte Kontrolle des Internets und seiner Inhalte aussprechen, ist Blogger Jan Krone. Der “Welpenschutz” des WWW sei abgelaufen. Vorbild für eine Regulierung des Netzes könne China sein – wenn auch in abgewandelter Form:

So liegt es nahe, auch und vor allem im Sinne des Kultur- und Kommunikationsraumes Europäische Union, eine Adaption und Abstrahierung des (VR-) chinesischen Weges auf Basis europäischer Verträge wie der EU-Grundrechte-Charta und dem Vertrag von Lissabon zu prüfen. Nur auf diese Weise kann dem Grenzen ignorierenden Internet als erster Schritt adäquat begegnet werden.

Und zum Schluss die Volksabstimmung in Berlin: Es wurde sich gestern gegen die ProReli-Kampagne entschieden (was viele Blogger freuen dürfte).
Doch die Debatte wird weitergehen – zumindest damit dürfte ProReli Recht behalten.

Bild: flickr.com (A.D.A. – Anna Duncan Art)

Neue Schäubles braucht das Land. Blogschau (4/III)

Ein Kommentar » von Eva
21. April 2009 | 12:59 Uhr

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Einige Dinge sind diese Woche klar geworden: Die Blogosphäre braucht einen neuen Schäuble, aber keinen deutschen Obama (und sei er auch noch so gut von Steinmeier imitiert). Und es wird dem iranischen Präsidenten Ahmadinejad von Bloggern wesentlich mehr Verständnis entgegengebracht, als es in der Berichterstattung anderer Medien der Fall ist.

Besonders beliebt war sie bei Bloggern ja nie. Dennoch konnte Ursula von der Leyens Babyboom-Rhetorik selten mehr als ein belustigtes Kopfschütteln hervorrufen. In der vergangenen Woche aber schien es fast so, als würde Frau von der Leyen einige Stufen der Feindbild-Karriereleiter überspringen und den altbewährten Blogger-Gegner Wolfgang Schäuble ablösen.

So wird auf Netzpolitik ein neues Mem verbreitet: Die Zensursula. Gesucht wurden entsprechende Bildbearbeitungen für die Mahnwache am Freitag.
Von der Leyens Pläne zur Verhinderung von Kinderpornographie im Netz werden in der Blogosphäre durchgängig als hanebüchen kritisiert. Thomas Knüwer hat die negativen Aspekte des Vorhabens schon im Januar aufgezählt.
Frank schlägt weitaus realistischere Möglichkeiten vor, um Verbreitung von Kinderpornographie im Internet zu unterbinden. Doch Obacht! Man sollte sich den Kritikpunkt “Die Sperren funktioniert eh nicht” lieber verkneifen, heisst es nun auf Netzpolitik. Denn so würde man sich nur für die nächste, härtere Runde der Zensur instrumentalisieren lassen.
Die bissigen Liberalen sind so erbost, dass sie schon überlegen, keine Kinder in die Welt zu setzen um “Uschi” straffrei ärgern zu können. Für Jens Berger generiert sich von der Leyen gar als “blonde Bush-Parodie” und “intrigante Super-Nanny”.
Auch Bielefelds Blogger sind sich sicher:

Letztendlich geht es nicht um Kinderpornographie. Es geht um die Etablierung eines umfangreichen Filter-Systems für beliebige Inhalte.

Ähnlich gepoltes, ganz großes Wahlkampfkino gibt es auch in anderen Teilen der CDU. Aber eigentlich ist er kaum ernst zu nehmen, der “Vorstoß” der nordrhein-westfälischen Jungen Union: Youtube und Myvideo sollen einem entsprechenden Antrag zufolge nur noch durch eine Registrierung mit Adresse und Personalausweisnummer abrufbar sein.
“Wie in Korea”, meint der Metronaut dazu.
Auf Nerdcore bekommt man ein bisschen Angst davor, was in den konservativen Köpfen junger CDUler wohl vorgehen mag.
Die ZAF findet diese “Salamitaktik” hingegen eher lahm und die totale Kontrolle des Internets als Endziel total unrealistisch.
Mein Parteibuch sieht in Sven Volmering, dem CDU-Nachwuchspolitiker und Registrierungssüchtigen, nur einen weiteren Eisbrecher auf dem Weg zum neuen deutschen Totalitarismus. Klingt übertrieben, wird aber vom CSU-Verständnis für Meinungsfreiheit unterstützt. Diese warf ihr Sozialministerin fast aus der Partei, weil sie sich über Hausgott Franz Josef Strauss “negativ” äußerte: Er sei kein Vorbild (via Oeffinger Freidenker).

Wahlkampfmäßig lässt es die SPD noch nicht ganz so sehr krachen (jedenfalls inhaltlich). Roberto de Lapuente nennt den linksliberalen Kurs weichgespülte “Schmalzstullen”-Mentalität. Über sozialdemokratisches Pathos geht das neue SPD-Wahlprogramm nicht hinaus, meint auch Wolfgang Lieb.
Aber die Show, die stimmt. Da lässt sich das CDU-Blog auch nicht lumpen: Steinmeier praktiziere gnadenlosen Populismus und versuche eine peinliche Obama-Imitation.
Nur Weissgarnix, so scheint´s, kann dem Programm etwas Gutes abgewinnen.

Ob CDU oder SPD, alles Voodoo-Politik, meint Zettel. Der fiktive Klassenkampf der SPD als auch die Sperrung des Internets seitens der CDU seien mit großen Tamtam verkündete symbolische Akte, deren reale Wirksamkeit höchst fragwürdig ist.
Wer genauso unentschlossen ist, welchem Voodoo-Hexer er denn nun zu folgen hat, sollte sich einmal bei dem Blogprojekt der Wechselwähler umsehen.

Ein EU-Land nach dem anderen hat, wie die USA auch, die Teilnahme an der Genfer Antirassismuskonferenz abgesagt. Hauptgrund: Die Anwesenheit des iranischen Präsidenten Ahmadinejad. Doch was hat er dann letztendlich eigentlich Schlimmes gesagt? fragt sich das Parteibuch. Und kommt zu dem Schluss: Viel Wahres. Die “Vasallen des israelischen Apartheidsstaates” seien also der Konferenz aus Intoleranz gegenüber anderen Meinungen fern geblieben.
Auf Duckhome spricht man ebenfalls davon, dass Ahmadinejad sich zwar in der Wortwahl ein wenig vergreife, aber dennoch die Wahrheit verkündet habe.
Ähnlich sieht es Jens Berger. Deutschland hätte sich möglichen antiisraelischen “Hasstiraden” stellen müssen.
Natürlich gehen die Meinungen über die Inhalte der Ahmadinejad’schen Rede auseinander. Von einer “Hassrede” spricht Sarkozy, und die meisten Blogs zitieren sich ähnlich ausdrückende Medienberichte.
Das CDU-Blog freut sich, dass Deutschland durch seine Abwesenheit Ahmadinejads “Hasstiraden keine Bühne gegeben” habe (was ja so nicht stimmt).

Im beschaulichen Berlin brodelt unterdessen das Debattensüppchen um den Religionsunterricht. Wieder einmal ist die Stadt von oben bis unten mit Volksentscheids-Plakaten tapeziert.
Wie Jochen Hoff auf Duckhome berichtet, hat sich Desirée Nick inzwischen von Pro Reli distanziert.
Auch Bloggerin Miss Sophie meint, dass sich die Initiative Pro Reli selbst entlarvt. Sie schreibe sich das “Selber denken” auf die Fahnen und verhindere es doch.
Bei Graubrot finden sich weitere Argumente gegen den “Bekenntniskrampf“.
Die Pro Ethik-Kampagne der Linken meint schon zu sehen, wie Pro Reli die Nerven verliert.
Am Sonntag wird man Näheres wissen.

Bild: flickr.com (stephan.luckow)

Müffelnde Politiker und Mümmelmänner. Oster-Blogschau (4/II)

2 Kommentare » von Eva
13. April 2009 | 22:27 Uhr

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Die Problematik schmelzender Schoko-Osterhasen aufgrund des schönen Wetters, oder vielleicht auch die Nachwehen der Re:publica 09, trugen zu einer eher ruhigen Woche in der Blogosphäre bei.

Man hat also Zeit, sich basalen Fragen zuzuwenden. Zum Beispiel: Ostern, was ist das noch mal genau? Die BamS startet Erklärungsversuche, die glücklicherweise gleich vom Bildblog verbessert werden.

Der Spiegelfechter entfacht in der allgemeinen Frühlingsmattigkeit eine Thread-Debatte über die Finanzkrise und deren mögliche Auswirkungen. Damit sich die Leser übers Osterfest nicht langweilen.

Unverhofft kommt auch manchmal vor: Jochen Hoff erfreut sich tatsächlich an einem SPIEGEL-Interview. CSUler Peter Gauweiler spricht hier von den “Hinterzimmerabsprachen” zu Zeiten der Entmachtung Stoibers: “Manchmal haben wir vor Feigheit gestunken.” Für Hoff natürlich nichts Neues.
Doch handelt es sich um Fraktionszwang oder notwendige Kompromissbereitschaft innerhalb einer Demokratie? Für einige Blogger ist es nur eine billige, gespielte Bürgernähe, die von der CSU da an den Tag gelegt wird, um die Fünf-Prozent-Hürde der Europa-Wahl im Juni zu knacken. Wie? Nach dem Motto: ich bin ein feiger Hund genau wie jeder Mensch? Hmm. Ob man so Bürgernähe zeigt…

Soviel Ehrlichkeit bezüglich parteiinterner Mechanismen wird jedenfalls nicht immer belohnt: “Sowas regiert? Bäh!” meint Keentech.
Auch beim Wut-Blog kennt man kein Erbarmen: Gauweilers Einsicht komme schlicht und einfach zu spät.
Sprengsatz macht eher ein verstärktes Vorkommen türkenfeindlicher Parolen als klassische CSU/CDU-Wahlkampf-Gassenhauer aus. Er bezieht sich vor allem auf Kommentare des Europa-Abgeordneten Bernd Posselt, der Gabriele Pauli als “Türken-Gabi” bezeichnete und nun Obama vorschlug, er könne die Türkei doch zum 51. Bundesstaat der USA machen. Was mischt der sich aber auch in EU-Angelegenheiten ein.

Wahlkampf-Fieber scheinbar auch bei der SPD. Zettel analysiert die plötzliche Medienpräsenz von Scholz, Steinbrück und Müntefering. Letzterer fische mit dem Vorschlag einer gesamtdeutschen Verfassungsänderung vor allem in ostdeutschen Wählergewässern.
Wieder mal ein Politiker, der seine gierigen Finger nach der Verfassung ausstreckt. Fefe bekommt da schon wieder die Panik.
Andre Heinrichs kommt der Realität wahrscheinlich am nächsten: Für ihn ist das alles nicht viel mehr als heiße Luft.

Das Antibürokratieteam mäkelt an der mangelnden Haltung der Bänker herum. Warum stehen sie nicht aufrecht und klagen den Staat an, der sie, die dicksten Fische im Teich, jahrelang mästete? Ja, warum eigentlich nicht. Vielleicht weil der Staat denn doch nicht an allem Schuld ist?

Zum Osterfest springt Irans Präsident Ahmadinedschad aus dem Ei und belustigt die Blogger. Kulla beschäftigt sich mit Ahmadinedschads Interview , in welchem dieser dem zionistisch verblendeten SPIEGEL Fragen stellte.
Das CDU-Blog sinniert lieber über Möglichkeiten, dem “Diktator” die Möglichkeit zum Bau einer Atombombe zu nehmen. Da wird kein Spaß verstanden: “Sollte der Iran weiter ein undurchsichtiges und auf den Besitz atomarer Waffen abzielendes Spiel treiben heißt die Alternative aber auch bewaffneter Konflikt.”

Das Zeitgeist-Blog nimmt sich an Ostern dem Phänomen des Amokläufers an. Die Gründe für solcherlei Ereignisse seien nicht in singulären Faktoren wie Eltern, Killerspiel oder Schule zu suchen, sondern in einem gesamtgesellschaftlichen Problemkomplex, dem sich die politisch Verantwortlichen annehmen müssten. Genaueres zu den Wirkungsweisen und Symptomen dieser “kranken Gesellschaftsordnung” weiß das Zeitgeist-Blog dann aber selbst auch nicht anzuführen.
Bei Stefan Niggemeier findet sich ein Video des Fernsehkritikers Charlie Brooker, der Kritik übt an der journalistischen Aufbereitung der Fälle Winnenden und Co. Niggemeier fragt:

Ist es nicht erstaunlich, wie ein ganzer Berufsstand es kollektiv und grenzüberschreitend abzulehnen scheint, Verantwortung für die Folgen seiner Arbeit zu übernehmen?

Ganz so erstaunlich ist es nicht. Vielmehr ein Luxus, den sich nicht jeder Journalist leisten kann.
Umgekehrt sind manche Reaktionen auf journalistische Beiträge überhaupt nicht absehbar. So das “Scheitern” einer jungen, unerfahrenen Journalistin bei der Live-Übertragung der Bluttat (der übrigens nirgendwo mehr zu finden ist). Klaus Jarchow fragt sich, warum RTL das Video unbedingt aus dem Netz entfernen wollte. Schließlich fängt ja jeder mal an…

Bild: flickr.com (Dorizzo)

Einmal Clubmate und zweimal Gipfel, bitte. Blogschau (4/I)

Ein Kommentar » von Eva
6. April 2009 | 12:20 Uhr

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Eine Bloggerkonferenz, Mehdorn, Abwrackprämie und zwei wichtige Gipfel inklusive Demonstrationen: Die deutsche Bloglandschaft blüht auf und verlässt den Dämmerzustand der Winterlethargie.

Die (WLAN-lose) Re:publica 09 liest sich aus Sicht der Bloggerin Liz nicht wie eines der wichtigsten Ereignisse der deutschen Blogosphäre, sondern mehr wie ein gelangweiltes Beisammensein arbeits- und identitätssuchender Schreiberlinge, die aus lauter Anerkennungsbedürfnis einen Verein gegründet haben. Einen Change gibt es nur bezüglich der modischen Getränke: Bionade war letztes Jahr, Clubmate ist dieses Jahr. Und eine weitere, wenig erfreuliche Erkenntnis lautet: Zu wenig Frauen sind vertreten und die Männer interessieren sich auch nicht für bloggende Frauen. Jedoch kann man es den bösen Macho-Bloggern kaum verdenken, wenn sie sich nicht in Vorträge mit dem Namen “Babykotze” im Titel hineinwagen.

Thomas Knüwer hingegen gewinnt dieser “verf***ten Parallelwelt” jede Menge positive Aspekte ab. Maha auch, Franzi ebenso. Für das Mädchenblog sprühte die Konferenz gerade zu vor “Enthusiasmus und Aktionismus”! Um einen lebhaften Eindruck davon zu bekommen, muss man sich nur die verschnarchten Videos der Veranstaltung ansehen.

Fefe kann da nur den Kopf schütteln und kommt aus dem facepalmen nicht mehr raus. Sein Rundumverriss der Veranstaltung ist durchaus lesenswert.
Jochen Hoff dagegen will sich nicht von Printmedien-Journalisten mit allen Bloggern über einen Kamm scheren lassen und besteht darauf, dass “1400 Hanseln” nicht den Querschnitt des Internets ausmachen.

Ist man mit Don Alphonso d’accord, dann ist die Blogosphäre 09 eh nur ein “labbriger Hypesack der real existierenden deutschen Vorzeigeblogosphäre“. Vergessen wir also für einen Moment den Hang zur blogosphärischen Selbstreferenzialität und wenden uns den politischen Inhalten zu.

Frédéric widmet sich den finanziellen Nöten der NPD und kommt zu dem Ergebnis, dass die NPD entgegen anderer Meinungen nicht zugrunde gehen wird.
“Da sei Schäuble davor!” meint auch flatter via Feynsinn und schreibt ein flammendes Plädoyer gegen die Aufspaltung der NPD in Splitterparteien.

Jens Berger analysiert die vielen geplatzten Träume beim Weltfinanzgipfel in London. Merkels und Sarkozys Widerstand gegen Obamas Bestreben, ein kollektiv geltendes Steuerprogramm auf die Beine zu stellen, ist ihm ein Zeichen für eine selbstzerstörerische Tendenz zur Egomanie.
F.luebberding auf Weissgarnix freut sich zumindest über einen Fortschritt, den der Gipfel offenbart: Heutzutage bricht wenigstens kein Krieg mehr aus, wenn jemand auf einem Erinnerungsfoto fehlt, die ganze Zeit telefoniert oder Politiker diplomatische Demütigungen hinnehmen müssen.
Auch das CDU-Blog zeigt sich optimistisch und wittert Zuversicht: “Mehr als 1 Billion Dollar werden aufgebracht, um die Weltwirtschaft zu stabilisieren und der Internationale Weltwährungsfond wird als Teil einer zunehmend stärkeren Finanzkontrolle weitere Befugnisse erhalten.” Na dann!

Zeitgeist spricht sich für die autonomen NATO-Gipfel-Gegner in Straßburg aus. Deren Positionen würden nicht ernsthaft gewürdigt, in den Medien sei immer nur von angeblichen Krawallen die Rede.
Roberto de Lapuente regt sich währenddessen über die Berichterstattung aus Straßburg auf. So hat das ZDF nichts besseres zu tun, als über die Verköstigung der Gipfelteilnehmer (Spargelzeit!) zu sinnieren. Damit rücken für de Lapuente sogleich Huxley´sche Prophezeiungen in greifbare Nähe. Also verdummt der Medienmensch? Vielleicht reagiert er auch nur mit sinnlosen Beiträgen auf sinnlose Treffen.
Nachdem die Türkei den neuen NATO-Generalsekretär Rasmussen zunächst boykottierte und die anderen Mitgliedsstaaten daraufhin den Dialog suchten, kann man die NATO laut der Achse des Guten getrost vergessen.
Zettel setzt den widerborstigen Erdogan in Verbindung mit dem rückständigen Gesetz des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai, welches das Eheleben schiitischer Paare regeln soll. Weshalb Zettel darauf kommt, dass beide auf den ersten Blick nur unreflektiert den Westen provozieren zu wollen scheinen, bleibt unklar. Jedenfalls ist das Ergebnis seiner messerscharfen Gedanken, dass sie bei genauerem Hinsehen durchaus rational handeln. Potzblitz! Karzai stehe vor einer leicht zu verlierenden Wahl und benötige dringend die Stimmen der Schiiten. Und Erdogan wolle die Türkei als islamische Macht in der NATO etablieren.

In Deutschland erfreut sich in Zeiten einer verbreiteten Neokapitalismus-Kritik seltsamerweise gerade die FDP steigenden Sympathiewerten. Ihr “Deutschlandprogramm” wird auf den NachDenkSeiten auseinandergenommen.
Das kann das Antibürokratieteam gar nicht verstehen und plädiert stattdessen für eine Welt ohne Protektionismus, Bono und Live8.

Besonders einer wird dieser Tage von Frühlingsgefühlen heimgesucht: Rapper Massiv, das Monster, das zu lieben gelernt hat. In seinem neuesten Song lobpreist er Deutschland. Ein “Fan” (oder nicht doch die PR-Etage der Regierung?) hat das sentimentale Video dazu kreiert – mit Garantie zur Fremdschäm-Gänsehaut.

Bild: flickr.com (janaherz72)

Von Demagogen und terrorverdächtigen Kindern: Blogschau (2/IV)

Ein Kommentar » von Eva
22. Februar 2009 | 20:30 Uhr

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Der Überwachungskelch unserer Paranoia-Regierung wird in Zukunft wohl auch an terrorverdächtigen Kindern nicht mehr vorbeigehen. Der Aufschrei in der Blogosphäre ist wie zu erwarten gross. “Und irgendwann erzählen wir unseren Kindern dann, wie es mal war zu der Zeit in der man nicht als potenziell Verdächtiger geboren wurde”, meint Saint in einem Blog namens Kraftfuttermischwerk. Andernorts hofft man noch, dass es sich um einen jecken Scherz handeln mag.

Ähnliches Thema: Die von linker Seite beschlossene Datenerfassung von Berliner Schülern. Linda sieht das Recht auf informatielle Selbstbestimmung bedroht. Der Chaos Computer Club ruft indessen die Eltern zum Widerstand auf. Anne Roth hat einen Blick in den verabschiedeten Gesetzesentwurf geworfen: “108 Ja-Stimmen / 33 Nein-Stimmen / 1 Enthaltung. Halleluja.”

Spendenaufrufe hat man unter Bloggern schon des Öfteren gesehen. Manche sind allerdings dringlicher. Eine gerne ausgesprochene Mitleidsbekundung geht deshalb in diesem Falle an Lieblings-Sportblogger Jens Weinreich. Dessen Rechtsstreit mit dem DFB beruht darauf, dass er Theo Zwanziger als “unglaublichen Demagogen” bezeichnet hatte. Trotz juristischer Etappensiege schlaucht das Ganze natürlich und zehrt vor allem an Weinreichs Brieftasche. Mehr zu den Spendenmöglichkeiten hier.

Auch andere Blogger, auch wenn sie eigentlich so gar nichts mit Fussball anfangen können, haben sich bereits solidarisch erklärt. Stefan Niggemeier weist auf die kindlich anmutenden Forderungen Zwanzigers hin und auf den Rufmord, der an Weinreich begangen wird. Lukas bezweifelt die von Zwanziger hervorgehobene Verbindung zwischen “Demagoge” und nationalsozialistischem “Volksverhetzer”, die als weitaus wichtigster Anklagepunkt gelten dürfte.

Ursula von der Leyens mit lautem medialen Getöse zelebrierter Baby-Boom nur eine Lüge? Wolfgang Michal hat zumindest einige statistische Tricksereien der Familienministerin aufgedeckt. Auch Albrecht Müller moniert die unkritische Haltung vieler Medien angesichts der demographischen Fakten. Medienclinique analysiert gleich das allgemeine Krisenherbeigerede in Politik und Medien. Auch der Oeffinger Freidenker fragt sich angesichts von Konkursen und Rezensionen, wo eigentlich das Problem ist. Ob Politiker und Massenmedien also nun Krisen herbeireden oder Zahlen beschönigen: man kann es den Bloggern nicht recht machen.
Thomas Knüwer meint zu Frau von der Leyen:

Langsam gewinne ich den Eindruck, Ursula von der Leyen lebt in einer Welt, die andere nur durch den Einfluss halluzinogener Drogen erreicht. Das wäre noch die für sie positive Erklärung. Die weniger freundliche hat mit der Einstellung zur Demokratie zu tun.

Tja, so ist das mit der Statistik. Alles Interpretationssache.

Harte Kritik von Marco Kanne an Obamas Plänen, den “afghanischen Horrorknast” Bagram zu behalten. Obama sei eindeutig kein “schwarzer Messias” sondern auch nur ein machtversessener Politiker wie alle anderen. Was bei Bush heftig kritisiert wurde, werde nun einfach so hingenommen, meint das Antibürokratieteam. In Bezug auf die Blogosphäre stimmt das natürlich nicht ganz, die Kritik an Obamas Kurs ist beträchtlich.

Etwas abseits bewegt sich der Spiegelfechter diese Woche und zeigt sich als Fan von Geschichten über befremdlich-skurrile Todesfälle.

Don Alphonso spricht in seiner Eigenschaft als faz.net-Blogger über das Ableben der Vanity Fair und erfährt Huldigung von Seiten des weissgarnix-Blogs.

Chris verfolgt die Erfolgsgeschichte des Rudolf Scharping weiter und siehe da, er zieht offensichtlich als schlechter Berater der Milliardärin Schaeffler die Fäden.

Des Altkanzlers kleiner Ausflug nach Iran ist für Zettel eine rein geschäfltiche Angelegenheit. Es gehe hier weder um private noch politische Angelegenheiten, Schröders Status würde einfach ausgenutzt um ihn als “Einflussagenten” einzusetzen. Insofern kann man die Ehrenbezeichnung “Altkanzler” eigentlich gerne auch gleich weglassen. Laut Liza outet sich Schröder mit seiner Reise endgültig als “Lobbyist für Israels Feinde”. Naja, so weit wird er wahrscheinlich gar nicht erst gedacht haben.

Bild: flickr.com (Carmine)

Kapitalismus in Blogs und ein neuer Münchhausen: Blogschau (2/III)

2 Kommentare » von Eva
15. Februar 2009 | 22:11 Uhr

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Für die nächste re:publica wird euphorisch die Werbetrommel gerührt. Aber nicht mit Don Alphonso, der wie immer als griesgrämiger Gargamel die Schlumpfenparty zerstören will. Das ganze sei ein PR-Event für schlechte Blogger, die auch schlecht bleiben würden, während er selbst und die Veranstalter sich ins Fäustchen lachen würden, dass kleine naive Blogger dafür Geld ausgeben. Re:publica also eher eine fiese Marketingveranstaltung, die die Authentizität von Blogs in der kapitalistischen Mühle zermalmt?

A propos Kapitalismus: Was den einen zu einer neuen Lyrik des Neoliberalismus (genannt Steinbruecken) anreizt, lässt den anderen (Jochen Hoff) erneut ein paar seiner Lieblingsheuschrecken feiern. Diesmal: Hundt, Scholz und Steinbrück. Da wünscht sich offensichtlich einer die RAF zurück…
In Anbetracht der Stabilisierungsversuche des bestehenden Wirtschaftssystems winkt Don Alphonso nur noch müde ab und schreibt die nächsten zwei Jahre wirtschaftlich in den Wind.
Die Intransparenz der Rettungspakete bringt laut Zeitgeist der LINKE-Politiker Lafontaine auf den Punkt.

Ein ergiebiges neues Feindbild wird gewiss der neue Bundesminister fuer Wirstschaft und Technologie Karl-Theodor zu Guttenberg liefern, wenn man sich das alte Video ansieht, das Netzpolitik jüngst ausgegraben hat.
Auch der Öffinger Freidenker freut sich bereits auf den Adligen mit den 10 Vornamen und verweist auf Enthüllungen über des Lügenbarons vermeintliche Arbeitserfahrung.
Fefe ergreift ausnahmsweise Partei für ein Mitglied “unserer Junta”. Der solle erstmal ein paar Wochen arbeiten und dann könne man ihn bewerten.
Doch selbst das CDU-Blog prophezeit, dass Guttenberg es schwer haben wird und wünscht ihm zaghaft alles Gute.
Für die NachDenkSeiten sind der neue Minister und seine vermeintliche Arbeitserfahrung ein heisser Kandidat für die Verleihung des Titels Manipulation des Monats.
Ach so, aber wie viele Vornamen hat der Kollege denn jetzt? Die Auswirkungen der Hinzufügung eines falschen elften Namens werden vom Parteibuch beurteilt und das “Zitierkartell” des deutschen Qualitätsjournalismus aufgedeckt. Andererseits: Ist es für einen Journalisten so verwerflich, den vollen Namen einer Person bei Wikipedia nachzuschlagen?

Der Normalverbraucher freut sich über die Aktion der FAZ, ausländische Mitbürger ihre Erfolgsgeschichte erzählen zu lassen. Der Linke hingegen rümpft gleich die Nase, wenn der Dönerverkäufer um die Ecke nicht zu Worte kommt.
Politisch korrekter geht es da wohl bei Samy Deluxe zu, dessen neue Platte vom Antibürokratieteam zur moralischen Erziehung von Migrantenkindern empfohlen wird.

Unglaublich aber wahr: Ein Blogger gibt George W. Bush recht bezüglich seiner Haltung zum Kyoto-Protokoll. Das man das noch erleben darf.

Verspätete Empfehlung der Woche: Die Achse des Guten hat auch endlich mitbekommen, dass es Zeichentrickfilme mit ernsten Inhalten gibt. In der irrigen Annahme, “Waltz with Bashir” sei der erste Doku-Zeichentrickfilm der Welt, loben sie den schon seit einigen Monaten laufenden, tatsächlich sehr guten Film (natürlich primär für seine israelkritische Haltung).

Aufdeckung der Woche: Spiegel Online versucht sich mal wieder in schlecht recherchiertem Windrad-Bashing. Analysiert vom Klima-Lügendetektor.

Schulterschluss der Woche: Udo Vetter und Fefe sprechen sich gegen den Vertrag aus, den Internetprovider mit dem Bundeskriminalamt schließen sollen. Er soll dazu beitragen, kinderpornografische Inhalte oder solche, die das Bundeskriminalamt hierfür hält, zu sperren.

Empfehlung der Woche: Genderama, ein Blog aus der Männerbewegung zu den Irrungen und Wirrungen des täglichen Gendertroubles.

Bild: flickr.com (Michael Panse MdL)



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