Wie charakterlos können Würmer sein?

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Der ZEIT-Feuilletonchef Jens Jessen hat am 11.1. ein Video veröffentlicht, indem er über die Spießerkultur der Deutschen spricht, die es dem zu integrierenden Ausländer nicht leicht mache, in Deutschland Fuß zu fassen. Den Vorfall in der Münchner U-Bahn erkennt er als Glied in einer Kette von Gängelungen, die der intolerante Durchschnittsrentner über den Jugendlichen ausschütte. Prompt kamen die Reaktionen. In den Kommentaren wurde Jessen als „charakterloser Wurm“, „geistiger Brandstifter“, „Perversling“ und Dreckschleuder“ beschimpft – und reagierte vier Tage später darauf.

Diese Kommentare sind erschreckend. Nicht, weil man gefälligst Jessens Meinung zu sein hat, sondern weil sich hier die gefährlichste Art und Weise vom Gebrauch der Sprache zeigt: Die Beiträge sind leer, sie haben höchstens einen verbal verletzenden Inhalt. Sinnfreien Worten aber können nur sinnfreie Taten folgen, und dann gut Nacht Marie.

So sieht es auch ein Blogger: „Ich fand die letzte Videokolumne von Jens Jessen – Chef-Feuilletonist der Zeit – durchaus kritikwürdig. Nun kann man sich damit sachlich auseinandersetzen – oder man kann sich auf politisch inkorrektes Niveau begeben.”

Wo wir beim Thema Politically Incorrect angekommen wären. Die beschwören nämlich polemisch des Dichters feuchte Hand und beziehen sich der Unseriösität halber auf Jessens Bierbauch und schütteres Haar. Auch die Kommentatoren driften in deftige Tiraden ab. Nun, das Lenin-Gemälde im Hintergrund musste einfach provozieren.

Auf Citronengras, wo man Jessens Videobotschaft „wirklich sehr hübsch“ findet, hat man sich damit auseinandergesetzt: „300 Kommentare ohne Dissens, nur gegenseitiges Aufstacheln, Gehetze, Gekeife und in dieser Stimmung aus Hass, Beleidigung, Hetze und Ignoranz auch noch gegenseitiges Bestärken in der eigenen Borniertheit. (…) Man könnte meinen, es bestünde ein Wettbewerb unter den Kommentierenden, wer die schönste Geiferleistung aus dem Hut zaubert.”

Bild: flickr.com (Gernot Poetsch)

3 Antworten zu “Wie charakterlos können Würmer sein?”

  1. Frank sagt:

    Zum Lenin-Gemälde äußert sich Jessen:

    “Es schmeichelt mir zwar, dass die Nutzer unserer Internetseite über die politische Bildung verfügen, Lenin auch auf einem schlechten Öldruck spontan zu identifizieren. Aber – liebe Freunde! Ich muss Sie doch enttäuschen. Lenin hängt dort nicht als Ikone, sondern als Trophäe. Das Bild stammt aus der Parteileitung der Universität Leipzig, allwo es einige tapfere Studenten in der Wendezeit geplündert haben, als sie nach Stasi-Spitzelakten suchten. Eine von ihnen hat es mir später in Anerkennung meiner publizistischen Unterstützung der Stasi-Enttarnungen geschenkt. Ich blicke mit Genugtuung auf diesen Lenin, wegen der Tapferkeit der Leipziger Studenten, aber auch deswegen, weil er jetzt bei mir hängt, also bei einem Angehörigen jener Klassen, die Lenin zu den sterbenden zählte und denen er beim Sterben ja dann auch erfolgreich geholfen hat.

    Ich sage das, obwohl es wenig ritterlich ist, sich noch einmal ausdrücklich von einer Sache zu distanzieren, die ohnehin verloren hat. Indes, wer weiß. Der Kommunismus ist tot, aber der Bolschewismus, einmal ganz allgemein als Terror der Mehrheit begriffen, unabhängig davon, auf welcher Seite des politischen Spektrums er sich organisiert, scheint mir unsterblich.”

    Zumindest dies richtigzustellen, ist sich PI zu schade. Stattdessen wird dort zum vierten Mal Stimmung gemacht, diesmal im Bunde mit “Bild” und FJ Wagner.

  2. PG sagt:

    Darf man in diesem Land nicht mehr seine Meinung äußern?
    Ich fand den Beitrag zwar ein wenig mißglückt, aber die Lawine, welche hier
    seitens der Bild-Zeitung losgetreten wurde ist pervers!!!

  3. Sebi sagt:

    Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

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