
Dass sich die Lage in Afghanistan nicht in wenigen Jahren stabilisieren und die verschiedenen Interessen der Kriegsmacher durchsichtiger werden würden, war vorauszusehen. Aber dass ein solcher Streit vom Zaun gebrochen werden würde, in dem die Nato mehr deutsche Truppen fordert mit der Begründung, die deutschen Michels seien Drückeberger? Abstruse Argumentationen sind die Folge, z.B. meint der CDU-Außenexperte Eckhart von Klaeden zur Bild: “Angesichts von 26 Toten kann niemand Deutschland vorwerfen, keinen ausreichenden Beitrag in Afghanistan zu leisten”. Wuah, so wird also gerechnet.
So entsteht schnell eine recht sinnlose Schuldzuweisungsdebatte, auf die mancher Blogger voll einsteigt. „Afghanistan geht aber unaufhaltsam den Bach runter. Also müssen Schuldige her. Wie wär es mit den Deutschen. Weil die zuwenig, zu spät getan haben und weil die überhaupt da sind, könnten doch die Deutschen schuld sein.“
Zumeist wird Standfestigkeit von deutschen Politikern gefordert. „Was ist eigentlich mit historischen Verpflichtungen?“, fragt man bei Citronengras und plädiert dafür, wie die Norweger einfach mal Stop zu sagen. Die Beobachtung, dass in Arbeitsämtern verstärkt Werbung für den Kriegsdienst gemacht wird, sieht ein Kommentator aber hingegen eher gelassen: „Naja, aber einen Bundeswehrbeauftragten gibt es doch seit jeher in jedem größeren Arbeitsamt.“
Zynische Resignation ist auch immer eine Art, mit der Kriegsthematik umzugehen. „Aber gemessen an dem, was Washington eigentlich wollte, sind wir ja noch mal glimpflich davongekommen. Sind wir das? Gut, dass das der Kaiser nicht mehr miterleben muss.“
Ungewohnt ernst und unsatirisch hingegen der Eintrag im Parteibuch: „Deutschland wird nicht am Hindukusch verteidigt. Wildgewordene Holländer, die Deutschland militärisch besetzen, sind nicht zu befürchten. Die Bundeswehr ist überflüssig wie ein Kropf. Sie kostet viel Geld und beherbergt Kriegstreiber. Deutschland muss in Kriegen nicht mitmischen. Ein Deutschland ohne Bundeswehr könnte hingegen Vorbild für die Welt sein.“ Erwartet man gar nicht mehr, solche Visionen. Daran sieht man, wie sehr der Karren schon richtig ordentlich in den Dreck gefahren wurde.
Bild: flickr.com (duncan)
Digg
del.icio.us
Facebook
Yahoo! Buzz
Twitter
Google Bookmarks
Add to favorites
email
Google Buzz
MisterWong
Webnews.de
Yigg
Würziger dank Poli Pfeffer?
Im Jahre 2001 wurde im Fünfsternerestaurant „Uno“ das 1386 Rezept kreiert: „Internationale Gemüse um ein Stück Rindsfilet (namens Osama) drapiert. Das ganze im orientalischen Teigmantel. Bei hohen Temperaturen zu backen und flambiert zu servieren.“ Schließlich dürfen in einer ordentlich global-orientierten Küche keine Erreger vital bleiben.
Das Rezept erfreute sich bei den Gourmets dieser Welt reger Nachfrage. Allmählich werden allerdings die Gemüsebestände knapp. Deutsche Bauern wollen ihre Ernte ungern opfern und entziehen dem Restaurant „Uno“ in manch weiterer Weise ihre Unterstützung. Sie wollten dem „Uno“ gerne in den Topf gucken und mit entscheiden, wo und wie ihr Gemüse drapiert wird, vielleicht sogar das Rezept ändern. So verhält sich auch die aus Klein-Bloggersdorf stammende Restaurantfachfrau PP, die ihren Senf hinzu gibt und meint, mit einer Prise „Polipfeffer“ gewönne das hochsensible Rezept an Schärfe und Differenzierung im Geschmack.
Vielen Dank. Von PP´s Beitrag hätte man allerdings etwas mehr journalistische Objektivität und Qualität gewünscht und erwartet. Allein der Eingangssatz über die Lage in Afghanistan und die „durchsichtiger werdenden Interessen der Kriegsmacher“ enttäuscht: wieso wird hier die Afghanistanmission als derart einseitig und nur von „Kriegsmachern“ gewollt dargestellt?
Die Pioniere, Sanitäter und Ärzte der Bundeswehr vor Ort; die vielen zivilen Aufbauhelfer und Kräfte, die durch das Uno- Mandat ihre Legitimation und darüber hinaus, Rückendeckung finden; fänden das sicher nicht pc. Und wie sollte man hier in Deutschland, für den Aufbau von Schulen in Afghanistan geld-sammelnden Schülern, erklären, dass Deutschland –nur- an einem Krieg und nicht am Staatsaufbau im Rahmen eines Uno-Mandates beteiligt ist?
rabe