
Im Streit um die Tarifforderungen der Lokführer symbolisieren die Standpunkte der beiden Hauptakteure Manfred Schell und Hartmut Mehdorn in ihrer Unvereinbarkeit den ideologischen Abgrund zwischen zwei großen, politisch-wirtschaftlichen Lebensentwürfen. Bezogen auf die Bahn heißt das: Wollen wir ein privatisiertes, wettbewerbsfähiges Unternehmen? Oder eine Bahn, die so bleibt wie und wo sie ist: Gemütlich, leicht angestaubt und in den Händen des Staates, der (im Idealfall) gewillt ist, die finanziellen Bedingungen für die Lokführer zu verbessern?
Zu ersterer Option scheint das Nürnberger Arbeitsgericht zu tendieren. Das Streikverbot wird mit den wirtschaftlich schädigenden Folgen begründet (womit sich die Richter dem Vorwurf der Wirtschaftshörigkeit aussetzen, auch wenn sie behaupten, das gesamtdeutsche Wohl vor Augen zu haben). Kritische Blogger weisen zu Recht darauf hin, dass es nun einmal in der Natur des Streikes liege, ohne Rücksicht auf Verluste einen materiell wunden Punkt des Gegners zu treffen- und dass sich Deutschland mit dem Nürnberger Beschluss wohl endgültig zur „Wirtschaftsdiktatur“ verfestige. Pragmatiker hingegen begrüßen das Streikverbot, da es unnötigen Schaden an Leuten verhindere, die nichts dafür können. Oder sie räumen GDL-Führer Schell sowieso nicht allzu viele Chancen ein, den „Sandkasten-Krieg für Opis“ zu gewinnen.
Die Mehrheit der Beiträge deutet jedoch auf eine Solidarisierung mit den Forderungen der Lokführer und somit auf deren Recht, mal für eine Weile das Land lahm zu legen, um „Bulldozern“ wie Mehdorn zu zeigen, wo es lang geht.
Hier finden Sie weitere Informationen und Fakten. Oder Sie diskutieren in unserem aktuellen Thema der Woche.
Bildquelle: http://flickr.com/photos/familienpolitik/1059657398/ (ozeflyer)
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Die Unternehmen finden nichts dabei, ihre Lohnkosten ständig zu minimieren und auch durch Tarifversträge lassen sie sich daran nicht hindern. Wenn aber eine Gewerkschaft mit ähnlichen Waffen zurückschlägt und um eine angemessene Bezahlung kämpft, die mit vorhandenen, von anderen ausgehandelten Tarifverträgen nicht zu erreichen ist, dann ist die Empörung groß. Warum eigentlich dieses doppelte Maß? Mehr:
http://www.blogsgesang.de/2007/08/08/der-markt-der-lokfuehrer/
Na ja, bei den Lokführern gilt es als besondere Qualifikation, vor Fahrtbeginn eine Bremsprobe zu machen und einen Streckenplan zu lesen, auf dem Baustellen eingezeichnet sind. Na, Dichtung und Wahrheit…..in diesem Fall ganz dicht bei einander. Also der Ausbildungsgang besteht aus einer dreijährigen Ausbildung bei der Bahn und einer Zusatzqualifikation. Es gibt auch einen europäischen Lokführerschein, der die Ausbildung vereinheitlicht. Wenn man die Arbeitsabläufe betrachtet, kommt zwangsläufig die Erkenntnis, dass es schwierigere Berufe gibt, die schlechter bezahlt werden – beispielsweise die Berufskraftfahrer, deren Leben im Straßenverkehr um ein mehrfaches gefährdet sind als die der Lokführer.
Ja und der Nettoverdienst (welcher Tarifvertrag in Deutschland weist übrigens Nette-Löhne aus) ist so schlecht auch nicht: Ein 40jähriger Lokführer erhält (entsprechend seinem Brutto-Jahresgehalt) monatlich 2040 Euro mit Steuerklasse III und einem Kind. Also: Ich würde das sofort machen – auch ohne Tariferhöhung.
Hinweis an die Befürworter: Die anstehende Tariferhöhung wird nicht von Herrn Mehdorn bezahlt, auch nicht von der Bundesregierung und erst recht nicht von den künfitgen Aktionären. Stattdessen können sich alle Bahnkunden (zum großen Teil Renter, Arbeitnehmer ohne Auto, Hartz IV-Empfänger, Jugendliche) in absebarer Zeit auf eine saftige Tariferhöhung einstellen!!!!