Scheitern auf bayrisch: Blogschau (10/II)

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Wahrscheinlich wird über die Gesichter vieler Bürger, auch über die einiger politisch Uninteressierten, am Sonntag Abend nach dem Tatort-Schauen ein gehässiges Grinsen gehuscht sein. 17,7 % Wählerstimmenverlust der CSU, der größte in der Geschichte der Bundesrepublik. Wie reagierte die Blogosphäre, wenn sie sich nicht gerade still freut?

Frédéric befragt seine bayerische Großtante. Die erklärt das Fiasko auf Spreeblick mit dem fehlenden “Format” Becksteins und Hubers – diesen Verdacht äußert auch der Oeffinger Freidenker. Jochen Hoff schließt sich mit dem Wort vom “Charisma wie ein totes Schaf” an. Aber wenn es darum ging, wieso war die CSU um Himmels Willen unter Stoiber so erfolgreich?

Als zwei weniger offensichtliche Verlierer kennzeichnen die Nachdenkseiten die Demoskopen und die SPD. Kein demoskopisches Unternehmen habe den Absturz der CSU auch nur ansatzweise ermittelt, Forsa verfehlte am auffälligsten den letztendlichen Wahlausgang. Auch das ebenso schlechte Ergebnis der SPD sei teilweise ob der “euphorischen Sprachregelung” der SPD untergegangen.
Dass SPD-Kandidat Maget weiterlächeln würde, komme was da wolle, war aber vorauszusehen. Dass er das vernichtende SPD-Ergebnis aber gleich als “historischen Tag feiert, entbehrt allerdings nicht eines gewissen Euphemismus einer gewissen Größe.

Beschönigungen finden sich, wie soll’s auch anders sein, im CSU-Blog. Von einer “Katastrophe” möchte man hier nicht reden, auch wenn es schon “a Watschn” für die CSU war. Lieber frönt man weiter dem Giftpfeileschießen gegen den “hyperventilierenden Maget” .
Nachdem sich selbst die Junge Union in Bayern gegen Beckstein ausspricht, kommt es Mitte der Woche zur logischen Konsequenz aus dem Wahl-GAU: Beckstein und Huber treten zurück (Fefe freut sich). In Zettels Raum wird applaudiert: Endlich mal wieder Politik wie im Shakespeare’schen Königsdrama!

Doch auch die Berliner CDU führt ihr ganz eigenes Possenstück auf. Kaum sind die Wählerschrecke Ingo Schmitt und Pflüger weg, geht die Intrigenspinnerei los, diesmal gegen die “einzige vorzeigbare Kandidatin weit und breit” (CDU-Blog), Monika Grütters. Da ist selbst das CDU-Blog entsetzt und fragt sich, ob der Hauptstadt-CDU überhaupt noch zu helfen sei.

Neben der Bayernwahl gab es da auch noch das erschreckend rechte Wahlergebnis von der Österreicher Nationalratswahl, mit dem sich Big Berta auf Duckhome eingehender befasst. Erklärungen finden sich hier nicht, aber immerhin eine Presseschau.

Zum Schluss sei noch auf Begleiterscheinungen des neuen RAF-Films “Baader-Meinhof-Komplex” hinzweisen. “Man weiß so wenig”, resümiert Spiegelfechter Jens Berger angesichts der neuen Terrorhysterie, die, passend zum Herbst, über Deutschland hereinbricht. Und verweist auf Staatsfeind No. 1, den Innenminister, der (bitte bildlich vorstellen) “wie ein hawaiianischer Surfjunkie auf solchen Hysteriewellen” reite.

Bild: flickr.com (Lars Trebing)

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