
Der 1. Mai ging ohne größere Ausfälle und “soziale Unruhen” vorüber, und dennoch lebt es sich gefährlich. Schweine! Piraten! Wir leben in riskanten Zeiten.
Auf Netzpolitik kann man nicht nur gefilmte Blogger-Statements gegen die Netzzensur bewundern, sondern auch selbst aktiv werden und eine Petition gegen Zensursula unterzeichnen.
Das Online-Petitionssystem ist allerdings selbst ganz und gar nicht hürdenfrei zu bedienen, wie Fefe herausfindet.
Stefan Niggemeier klärt über ausgewiesene Kinderporno-Experten und die adeligen Strippenzieher des Vereins “Innocence in Danger” auf – und darüber, wie diese sich gegenseitig die Bälle zuspielen. Alle “von und zu’s” stecken unter einer Decke!
Das erklärt allerdings auch teilweise, wie die Zahlen zustande kommen, die von der Leyen und Co. für ihre Zwecke anführen. Odems Blog erläutert, wie Zensursulas Faktenwissen durch eine kleine, gründliche Recherche widerlegt werden kann.
Eine etwas ausführlichere Statistik gibt es von Christian Bahl auf dem Blog “Missbrauchsopfer gegen Internetsperren”.
Selbst das CDU-Blog appelliert an von der Laiens Sachverstand: Zensur im Internet durch Sperren sei definitiv der falsche Weg.
Auf die Ergebnisse dieser hanebüchenen Vorschläge kann man sich jedenfalls nur freuen.
Piraten haben das Twitter-Schiff der CDU gekapert – offenbar durch das einfache Ausprobieren von nahe liegenden Passwörtern, wie Spreeblick berichtet. Schon erschreckend, finden das die meisten Blogger.
Der “24-Stunden-Hack” war wohl als eine Protestaktion gegen die geplante Sperrung von Netzseiten gedacht. Wenigstens ist die Meldung der Piratenhacker nicht gelöscht worden – entweder die CDU-Twitterer stehen zu den unangenehmen Ereignissen oder sind gar nicht dazu in der Lage, den entsprechenden Beitrag zu löschen.
In diese hämische Kerbe schlagen nicht alle Blogger. Alvar Freude beispielsweise betrachtet die Kaper-Aktion nicht nur als amüsant. Vielleicht um das spöttische Gelächter aus den Reihen der Blogger etwas zu relativieren, schreibt er auffällig freundlich, dass sich die Vertreter der SPD und CDU auf dem PolitCamp 09 bezüglich der Internetsperren durchaus gesprächsbereit gezeigt hätten.
Es geht auch anders. Die Piratenpartei Bayern bloggt gehässig zum gleichen Thema:
Liebe CDU, ein paar Sachen müssten euch klar sein: Wer zu blöd ist, die einfachsten Grundregeln im Netz zu befolgen, braucht nicht “illegal” zu schreien. Ihr legt doch auch nicht eure Parteikasse in eine unbewachte Ecke mitten auf die Straße und brüskiert euch dann wenn sie geklaut wird.
Es wird den Politikern nicht leicht gemacht, im twitternden und bloggenden Web-Wahlkampf anzukommen, soviel ist klar. Laut dem ewigen Bloggergriesgram Don Alphonso wird sich im Wahlkampf allerdings sowieso nach wie vor niemand dafür interessieren. Menno! Immer muss er den Spaß verderben.
Ein Thema, an dem offensichtlich auch die Blogosphäre nicht vorbeikommt, ist die Schweinegrippe.
“Oink oink!” Jens Berger fragt sich, wie diese Meldung aus Mexiko sich in den aktuellen, bewegten Zeiten so populär durchsetzen konnte.
Frédéric stellt sich die Frage weitaus philosophischer. Wenn die Menschheit alle paar Monate ob der Bedrohung durch Epidemien kurz vor ihrem Untergang steht, ist dies dann ein Zeichen für die kollektive Schuld, die wir auf uns geladen haben? Fazit: Ach, sie ist halt einfach ein kleines Neuröschen, unsere Gesellschaft.
In Zettels Raum wird das Ganze ernster genommen. Er verweist darauf, dass die Panik vor Pandemien zu Vorsichtsmaßnahmen führe, die es im Nachhinein so aussehen lassen, als habe nie eine Gefahr bestanden. Es gelte dennoch: “Auch wenn eine Gefahr sich nicht genau so, wie erwartet, realisiert, sondern nur ähnlich, kann ihre Erwartung nützlich gewesen sein.”
Das Lawblog macht sich Sorgen um den neuen Namen der Schweinegrippe: AH1N1, wer soll sich das bitteschön merken?
Das Parteibuch zeigt sich von den Ungeheuerlichkeiten, die durch die Veröffentlichung der Memos durch US-Präsident Obama zu Tage treten, nicht schockiert. Wie abgebrüht man ist.
Heftige Kritik üben die NachDenkSeiten an Volksliebling und Bundespräsident Köhler. Erst verhöhne er die ärmeren Teile der Bevölkerung, in dem er sagt “Wir haben alle über unsere Verhältnisse gelebt” und neuerdings spreche er von “demokratischer Selbstbestimmung” – und zwar in einem Land, in dem ungefähr die Hälfte der Deutschen mit der Art und Weise, wie die Demokratie in Deutschland funktioniert, wenig zufrieden seien.
Was hat, so muss man den Bundespräsidenten fragen, die reale Politik der letzten Jahre mit „demokratischer Selbstbestimmung“ zu tun? Wo bleibt die „Selbstbestimmung“ bei denjenigen, die durch die Rezession ihren Arbeitsplatz verlieren, und bei den 5 Millionen Arbeitslosen, die im Gefolge der Wirtschaftskrise für die kommenden Jahre prognostiziert werden?
Auf Ad Sinistram liefert Roberto de Lapuente pünktlich zum 1. Mai ein flammendes Plädoyer gegen den verdorbenen Zeitgeist unserer ideale-freien Gesellschaft.
Bild: flickr.com (nolifebeforecoffee)
Tags: CDU, Epidemie, Internetsperren, Köhler, Memos, Piraten, Politcamp 09, Schweinegrippe, Twitter, wahlkampf, Zensursula
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Friedrich-Ebert-Stiftung und AWO sind immer gut für statistische Halbwahrheiten und richtig ist, dass Arbeitslosigkeit nichts mit demokratischer Selbstbestimmung zu tun hat. Nur gut, dass die Zufriedenheit mit dem Staat BRD ahnen lässt, dass es mit Alternativen zu der aktuell gelebten demokratischen Selbstbestimmung nicht weit her ist. Ey, der Köhler, was meint er denn, wenn er davon spricht, dass wir über unsere Verhältnisse leben. Doch wohl, dass, wenn wir Sozialleistungen erhöhen (auch ALG II)wir diese Aktion auf Pump finanzieren…also über unsere Verhältnisse. Daran würde übrigens auch ein Reichensteuer nichts ändern. Außer, wie beim Wetter, das die gefühlte Gerechtigkeit einige Punkte mehr bekommt…von einem Institut der Friedrich-Ebert Stiftung.