Müffelnde Politiker und Mümmelmänner. Oster-Blogschau (4/II)

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Die Problematik schmelzender Schoko-Osterhasen aufgrund des schönen Wetters, oder vielleicht auch die Nachwehen der Re:publica 09, trugen zu einer eher ruhigen Woche in der Blogosphäre bei.

Man hat also Zeit, sich basalen Fragen zuzuwenden. Zum Beispiel: Ostern, was ist das noch mal genau? Die BamS startet Erklärungsversuche, die glücklicherweise gleich vom Bildblog verbessert werden.

Der Spiegelfechter entfacht in der allgemeinen Frühlingsmattigkeit eine Thread-Debatte über die Finanzkrise und deren mögliche Auswirkungen. Damit sich die Leser übers Osterfest nicht langweilen.

Unverhofft kommt auch manchmal vor: Jochen Hoff erfreut sich tatsächlich an einem SPIEGEL-Interview. CSUler Peter Gauweiler spricht hier von den “Hinterzimmerabsprachen” zu Zeiten der Entmachtung Stoibers: “Manchmal haben wir vor Feigheit gestunken.” Für Hoff natürlich nichts Neues.
Doch handelt es sich um Fraktionszwang oder notwendige Kompromissbereitschaft innerhalb einer Demokratie? Für einige Blogger ist es nur eine billige, gespielte Bürgernähe, die von der CSU da an den Tag gelegt wird, um die Fünf-Prozent-Hürde der Europa-Wahl im Juni zu knacken. Wie? Nach dem Motto: ich bin ein feiger Hund genau wie jeder Mensch? Hmm. Ob man so Bürgernähe zeigt…

Soviel Ehrlichkeit bezüglich parteiinterner Mechanismen wird jedenfalls nicht immer belohnt: “Sowas regiert? Bäh!” meint Keentech.
Auch beim Wut-Blog kennt man kein Erbarmen: Gauweilers Einsicht komme schlicht und einfach zu spät.
Sprengsatz macht eher ein verstärktes Vorkommen türkenfeindlicher Parolen als klassische CSU/CDU-Wahlkampf-Gassenhauer aus. Er bezieht sich vor allem auf Kommentare des Europa-Abgeordneten Bernd Posselt, der Gabriele Pauli als “Türken-Gabi” bezeichnete und nun Obama vorschlug, er könne die Türkei doch zum 51. Bundesstaat der USA machen. Was mischt der sich aber auch in EU-Angelegenheiten ein.

Wahlkampf-Fieber scheinbar auch bei der SPD. Zettel analysiert die plötzliche Medienpräsenz von Scholz, Steinbrück und Müntefering. Letzterer fische mit dem Vorschlag einer gesamtdeutschen Verfassungsänderung vor allem in ostdeutschen Wählergewässern.
Wieder mal ein Politiker, der seine gierigen Finger nach der Verfassung ausstreckt. Fefe bekommt da schon wieder die Panik.
Andre Heinrichs kommt der Realität wahrscheinlich am nächsten: Für ihn ist das alles nicht viel mehr als heiße Luft.

Das Antibürokratieteam mäkelt an der mangelnden Haltung der Bänker herum. Warum stehen sie nicht aufrecht und klagen den Staat an, der sie, die dicksten Fische im Teich, jahrelang mästete? Ja, warum eigentlich nicht. Vielleicht weil der Staat denn doch nicht an allem Schuld ist?

Zum Osterfest springt Irans Präsident Ahmadinedschad aus dem Ei und belustigt die Blogger. Kulla beschäftigt sich mit Ahmadinedschads Interview , in welchem dieser dem zionistisch verblendeten SPIEGEL Fragen stellte.
Das CDU-Blog sinniert lieber über Möglichkeiten, dem “Diktator” die Möglichkeit zum Bau einer Atombombe zu nehmen. Da wird kein Spaß verstanden: “Sollte der Iran weiter ein undurchsichtiges und auf den Besitz atomarer Waffen abzielendes Spiel treiben heißt die Alternative aber auch bewaffneter Konflikt.”

Das Zeitgeist-Blog nimmt sich an Ostern dem Phänomen des Amokläufers an. Die Gründe für solcherlei Ereignisse seien nicht in singulären Faktoren wie Eltern, Killerspiel oder Schule zu suchen, sondern in einem gesamtgesellschaftlichen Problemkomplex, dem sich die politisch Verantwortlichen annehmen müssten. Genaueres zu den Wirkungsweisen und Symptomen dieser “kranken Gesellschaftsordnung” weiß das Zeitgeist-Blog dann aber selbst auch nicht anzuführen.
Bei Stefan Niggemeier findet sich ein Video des Fernsehkritikers Charlie Brooker, der Kritik übt an der journalistischen Aufbereitung der Fälle Winnenden und Co. Niggemeier fragt:

Ist es nicht erstaunlich, wie ein ganzer Berufsstand es kollektiv und grenzüberschreitend abzulehnen scheint, Verantwortung für die Folgen seiner Arbeit zu übernehmen?

Ganz so erstaunlich ist es nicht. Vielmehr ein Luxus, den sich nicht jeder Journalist leisten kann.
Umgekehrt sind manche Reaktionen auf journalistische Beiträge überhaupt nicht absehbar. So das “Scheitern” einer jungen, unerfahrenen Journalistin bei der Live-Übertragung der Bluttat (der übrigens nirgendwo mehr zu finden ist). Klaus Jarchow fragt sich, warum RTL das Video unbedingt aus dem Netz entfernen wollte. Schließlich fängt ja jeder mal an…

Bild: flickr.com (Dorizzo)

2 Antworten zu “Müffelnde Politiker und Mümmelmänner. Oster-Blogschau (4/II)”

  1. epikur sagt:

    “In einem gesellschaftlichen Klima in dem jeder für sich steht, jeder seinen persönlichen Vorteil auch auf Kosten seiner Mitmenschen maximieren soll und in der persönliche Erfahrungen von Bindungen, Solidarität und Anerkennung immer seltener werden – ist der Amoklauf das Produkt eben dieser Gesellschaftsordnung.
    Mobbing, Konkurrenzdenken, Rivalität, Egoismus und Leistungsdenken zerstören systematisch eine Persönlichkeitsentwicklung, die Selbstvertrauen schafft.”

    Hey, ist das kein Hinweis zum Symptom bzw. zur Wirkungsweise der kranken Gesellschaftsordnung? ;)

  2. antiferengi sagt:

    @epikur
    Hmm, schöne Zusammenfassung.
    Und die singuläre Denkweise ist ja wohl eine politische.

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