Kreationisten, Kürbisse und US-Wahlen: Blogschau (11/I)

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Nur noch zwei Tage bis zu den Präsidentschaftswahlen in den USA. In deutschen Blogs ist das Thema etwas zum Erliegen gekommen – die Ruhe vor dem Sturm. Vielleicht ist der Grund aber auch, wie vom Spiegelfechter augenzwinkernd bemerkt, dass wichtigere Ereignisse ihre Schatten vorauswerfen: zum Beispiel die Hessenwahl.

Im Mai schrieb zumindest die Financial Times noch, das MacCain die bessere Wahl sei. Doch nun sieht es so aus: Das Duo McCain/Palin ist allerorten Zielscheibe des Spotts, während Obamas Messias-Status gefestigt wird und er bei den Wahlprognosen in Führung liegt. Kaum ein positives Wort über die republikanischen Kandidaten lässt sich aufspüren.
Ein Beispiel: Palin wird von einem Comedy-Duo hinters Licht geführt, das behauptet, “Nico” Sarkozy zu sein. Wie nicht anders zu erwarten, leistet sie sich die klassischen Fauxpas. Manchmal kann sie einem schon leid tun.
Gleichzeitig schockiert McCain rechtzeitig zu Halloween nicht nur Fefe mit zombiehaften Gesten. Saubermann Obama hingegen inspiriert seine Anhänger zu künstlerischen Höchstleistungen im Kürbisschnitzen.

Florian Heinhold bemerkt aber ganz richtig, dass zumindest der Sketch bei Saturday Night Live McCain einige Sympathiepunkte einbringen dürfte. In dem Film entschließt sich McCain zu einem Auftritt bei Shopping-Kanal QVC, weil er dem 30-minütigen Werbespot Obamas etwas entgegensetzen will – ihm aber das Geld für größere Aktionen ausgegangen ist. Mit an Bord: Die Palin-Imitatorin Tina Fey.

Während die Anti-McCain-Palin-Kampagnen zum Selbstläufer geworden ist, bleibt die Schmuddelkampagne gegen Obama deutlich schwerfälliger in Gang zu bringen. Gerade wurde noch ein “brisantes” Detail ausgegraben: Obamas Tante soll eine illegale Einwanderin sein. Das wirkt wie ein letztes verzweifeltes Knüppel-zwischen-die-Beine-Werfen. Die republikanische Deutung lautet: Obama hat seine Tante hängenlassen, nur die Bush-Administration hat ihr geholfen.
Da hilft auch nicht Terminator Arnie, der mit geschickt lancierten rhetorischen Spitzen (“Obama hat dürre Beine”) das Ruder herumzureißen versucht.

Geistvoller muten die 76 (!) Nobelpreisträger an, die sich für Obama aussprechen. Laut Newscream seien Palin und Bush dafür verantwortlich, dass der Wissenschaftspolitik der Republikaner keinen Glauben geschenkt wird. Eine fragliche Behauptung, würde McCain doch die Evolutionstheorie bestimmt auch nicht anerkennen wollen.

Also: Trotz Obama-Bashing ist der aktuelle Trend, nach dem Obama mit 51% vorne liegt, nach wie vor ungebrochen. Ein mulmiges Gefühle hinterlässt nur die mangelnde usability (und Manipulierbarkeit?) des elektronischen Wahlsystems.
Interessanterweise erfährt Obama mehr Zuspruch in Staaten, deren Häuserpreise fallen und die einen Einkommensschwund aufweisen. Es wäre schön, wenn dies tatsächlich dafür spräche, dass die US-Amerikaner sich verstärkt mit Wirtschaftsfragen auseinandersetzen anstatt mit dem Einwandererstatus seiner Tante.

Letztendlich kann auch ein kleiner Blogger namens Robert Basic das Zünglein an der Waage sein, siehe hier. Die Hollywood-Traumfabrik hat daraufhin aber schon ihren Beitrag zur Aufklärung von Nichtwählern produziert.

Zum Schluss ein Blick über den US-Tellerrand direkt ins “field”, geliefert von Anna Stechert auf Empfehlung von Frédéric. Hautnah berichtet sie über die Arbeit von Unicef in Myanmar, zum Beispiel von Familien, die vom Zyklon auseinander gerissen wurden und mithilfe von freiwilligen Helfern wieder zusammengeführt werden. Auch Unicef-Bloggerin Lena von Naso schreibt informativ und unterhaltsam über die Erlebnisse als Streetworker in Argentinien.

Bild: flickr.com (stevegarfield)

2 Antworten zu “Kreationisten, Kürbisse und US-Wahlen: Blogschau (11/I)”

  1. eines Tages wird aus dem Zünglein Robert vermutlich noch der Präsident…

  2. Eva sagt:

    …ganz bestimmt :)

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