Gong zur nächsten Runde. Blogschau (5/III)

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Das Thema ist immernoch nicht vom Tisch: Zensursula von der Leyen und ihre nahezu grotesken Stoppschilder sorgen weiterhin für Furore.
Es herrscht nun wohl offiziell Krieg, wie ein “alter Bekannter” und “Hauptstadtjournalist” des Bloggers Chris verlautbaren lässt. Auch ein sich offensichtlich in der Politik auskennender, ominöser Kollege des DonDahlmann spricht militärisch zackig davon, dass man im politischen Berlin aufgrund der erfolgreichen e-Petition “zunehmend nervös” werden würde.

Jedenfalls wird zurückgeschossen: Zunächst wurde eine Satire-Seite aus dem Netz genommen, die den Nutzer von der eigentlich Webseite auf die vermeintliche Homepage des BMI umleitete (via Basicthinking). Komisch, dass genau so etwas (nämlich das Abschalten kompletter Seiten) mit Kinderporno-Seiten nicht klappt, sondern dort nur ein Stoppschild verhängt werden darfkann.

Nun rüstet die Internetsperren-Kampagne der CDU gegen die Online-Petition auf und ist dem Parteibuch eine satirische Presseerklärung wert. Das Wut-Blog regt sich über die “Welt”-Schlagzeile auf, laut der stolze 92% der Deutschen für die “Kinderporno-Sperre” sind.
Keentech spricht von “purer Demagogie”. Die “Deutsche Kinderhilfe” hat die Studie in Auftrag gegeben – über die dubiosen Hintergründe der Organisation klären der Spiegelfechter und Stefan Niggemeier auf (da bringt es auch nichts, wenn jemand noch mal schnell den Wikipedia-Eintrag der Deutschen Kinderhilfe optimiert, wie fixmbr herausgefunden hat).
Auf naturbelastet.de verweist man auf die Schwierigkeiten standardisierter Fragebögen und gleichzeitig deren Nutzbarmachung zur Meinungsmanipulation.
Bei Readers Edition fühlt man sich nicht umsonst an die 98% erinnert, die Erich Honecker nach den letzten Kommunalwahlen ergatterte.
XiongShui auf Buettchenbunt ist der Meinung, dass die Familienministerin mit ihrer Symbolpolitik der Polizei nur weitere Steine in den Weg lege, anstatt bei der Verfolgung von Kinderschändern erfolgreich mitzuhelfen. Es gibt aber auch friedfertige Angebote zum Dialog, so wie den Brief von der Leyens an die Spreeblick-Redaktion.

Ein schönes Video über die profunde Unkenntnis deutscher Politiker bezüglich des Internets findet sich beim Oberlehrer-Blog: Hier kommt man doch leicht ins Schwimmen, wenn es um “Kannibalenforen” und “Bombenanbau – ehm – Leitsätze” geht.
Der Meinung, es handele sich bei den Unterzeichnern der e-Petition um halb-perverse und vor allen Dingen kinderlose Internetfreaks widerspricht die Unterschriftensammlung, die Hanno ins Leben gerufen hat: Erklärung von Eltern aus IT-Berufen zu Internetsperren.
Schöne Idee: Die Aktion “Überwach” (via Konsumpf) will den Spieß umdrehen und nachvollziehen können, welche Blogs und Webseiten von welchen Ministerien überwacht werden.
Dentaku hat keine Lust mehr und ist dafür, einfach ein neues Internet aufzumachen.

Man mag es kaum glauben, aber es geschehen auch noch andere Dinge in der Welt. Indymedia.org berichtet über den Toleranzmarsch für Homosexualität im polnischen Krakau und die Komplikationen mit rechten oder katholizistischen Gegnern, welche den Demo-Zug teilweise mit Eiern und Tomaten bewarfen. Zu weitaus schlimmeren Auseinandersetzungen und einer gewaltsamen Auflösung der Pro-Homosexualitäts-Demo kam es in Moskau. Dies versuchte der deutsch-russische Autor Wladimir Kaminer offensichtlich klein zu reden, wie Stefan Niggemeier kritisierend berichtet.

Pöbel-Thilo is back. Der Ex-Finanzsenator übertrifft sich mal wieder selbst, indem er dafür sorgen will, dass nur die “Richtigen” Kinder bekommen sollten – HartzIV-Empfänger scheiden dabei leider aus. Wie das gehen soll, erklärt Jens Berger.

Das Antibürokratieteam bloggt vom FDP-Parteitag.

Das CDU-Blog kritisiert indessen den Europawahlkampf und die mangelnde Transparenz der Vorgänge auf der Ebene der Europa-Politik. Und sowieso, so wird schwadroniertpostuliert, würden die meisten Menschen spüren, “dass da was nicht stimmt mit Europa”.

Udo Vetter greift den Fall des mutmaßlichen NS-Verbrechers John Demjanjuk auf, dem unter großem medialen Getöse der Prozess gemacht werden soll. Vetter meint: “Wie auch immer, dass ausgerechnet ein Ex-Rotarmist und Kriegsgefangener als “letzter lebender NS-Verbrecher” den Kopf hinhalten muss, ist schon eine Ironie der Geschichte- wenn man an die zahlreichen KZ-Schergen deutscher Herkunft denkt, die unbehelligt im Nachkriegsdeutschland lebten oder hier gar nach wie vor ihren Lebensabend verbringen.”

Bild: flickr.com (saarworres)

3 Antworten zu “Gong zur nächsten Runde. Blogschau (5/III)”

  1. Wenn hier zum cdu-politik.de blog geschrieben und jede Kritik als unsinnig angedeutet wird, sollte man sich über folgende objektive Kritikpunkte im Klaren sein, bevor man jede Diskussion abwürgt:

    1. Eine Wählerstimme in Deutschland hat aufgrund der Mandatsverteilung erheblich weniger Einfluß auf die Zusammensetzung des Parlaments, als eine aus den kleineren Mitgliedsstaaten.

    2. Deutschland ist der mit Abstand größte Nettozahler der EU – auch auf hundert Menschen gerechnet zahlen die meisten viel weniger und bekommen mehr raus.

    3. Die EU Kommission, die zwar vom Parlament bestätigt, aber faktisch nicht kontrolliert wird, war mit ihrer angelsächsischen “Wettbewerbspolitik” nicht unschuldig an der aktuellen Krise.

    Das ließe sich so fortführen. Die EU ist eine wunderbare Sache – nur die heutige Umsetzung ist oftmals höchst mangelhaft.

  2. [...] Immer wieder gut:Die Blogschau von Politik.de [...]

  3. [...] politik.blog habe ich dieses Bild [...]

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