Georgien und China dominierten die politische Blogosphäre diese Woche, nicht zuletzt wegen des Überangebots an Hintergrundtheorien, die von den Mainstream-Medien nicht geliefert werden. Da schaffen es höchstens die Querelen der SPD, zwischendurch Aufmerksamkeit zu erringen.
Eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse im Kaukasus findet sich auf Spreeblick. Wie ein Kommentator anmerkt, beschränkt sich Gastautor Frank Seezen allerdings größtenteils auf die russische Sichtweise. Aber auch Jens Berger macht in einem Beitrag über die psychologische Kriegsführung des georgischen Präsidenten Saakaschwili Georgien als Aggressor aus. Ihm zufolge nutzten die georgischen Spin Doctors die Macht der Bilder, um dem Rest der Welt einen russischen Krieg gegen die Zivilbevölkerung zu suggerieren. Zugute kommt den PR-Strategen aber auch die medienstrategische Unfähigkeit der Russen.
Der Mitbegründer der belgischen Beraterfirma, die die PR-Arbeit für Georgien macht, war zuvor in einer leitenden Position bei Hill & Knowlton – die PR-Agentur, die den zweiten Golfkrieg publik machte. Eine neue Brutkastenlüge? – fragt sich zurecht mein-parteibuch.com.
Die Negativaspekte des Bologna-Prozesses werden von den Nachdenkseiten beleuchtet. Eine Studie des BMBF zeigt nicht nur, dass die Akzeptanz für die neuen Studiengänge Bachelor und Master bei den Studierenden sinkt, sondern dass sich die “Schere” der sozialen Herkunft beim Hochschulzugang vergrößert hat.
Und der Rummel um die SPD nimmt kein Ende. Daran wird wohl auch ein Comeback des Wunderheilers Müntefering nichts ändern.
Kein Verständnis hat Nico Lumma für den Eiertanz der SPD bezüglich möglicher Koalitionen mit der Linken. Ganz abgesehen davon, was man von dieser Partei und ihrer Geschichte zu halten habe, sei eine Verteufelung der Linken nicht sinnvoll und eine Koalition genauso realisierbar wie mit anderen Parteien auch.
Ähnlich sieht der Oeffinger Freidenker die Unangemessenheit einer Dämonisierung der Partei. Zumindest am Beispiel Hessen sei es lächerlich anzunehmen, dass die Linke zu 80% aus SED-Erben bestehe. Diese Behauptung habe unter Anderem eine unangebracht hysterische bis peinliche Umgangsweise der Journalisten mit Linke-Politikern wie Oskar Lafontaine zur Folge.
Das wird von den ‘bissigen Liberalen’ ganz anders gesehen. 70% der Partei würden auf Bundesebene von ehemaligen SED-Mitgliedern gestellt, ergo wirkt es sich auch auf die hessische Linke aus. Stefanolix schreibt entgegen der Meinung Lummas, dass “die Kommunisten” nicht zu einer Koalition fähig wären – der Gedanke, sie beim Haushalt mitentscheiden zu lassen, lässt ihm deutlich den Schreck in die Glieder fahren.
Die kleinen Triumphe der Blogosphäre: Ein Blogger recherchiert mittels Google und Co., dass eine der chinesischen Turnerinnen tatsächlich erst 14 Jahre alt ist – und damit zu jung für Olympia. Schade, dass dieses Aufdecken des wahren Alters keinerlei Konsequenzen haben wird.
Oswald Metzger glaubt sowieso an nichts mehr bei Olympia: Die Weltrekorde von Phelbs und Bolt seien ohne Chemie nicht denkbar gewesen.
Blogger leben gefährlich: 5 US-Blogger werden in Peking festgenommen, weil sie Pro-Tibet-Verkündungen begleiten. Dass aber auch chinesische Journalisten in Deutschland Probleme bei freier Meinungsäußerung bekommen können, zeigt das Beispiel Danhong Zhang, die sich zu chinafreundlich geäußert hat. Sie wird vom Dienst bei der deutschen Welle vorerst entbunden, weil sie deren “Wertekanon” nicht teilt.
Für Freiheit und gegen Angst wird es bei der Großdemo im Oktober gehen. Netzpolitik macht schon einmal Werbung.
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Ich meine nicht, dass 70% der PDS/Linkspartei auf Bundesebene von ehemaligen SED-Politikern gestellt werden. Ich schrieb:
»Die SED/PDS/Linkspartei besteht bundesweit immer noch zu 70% aus ehemaligen Mitgliedern der SED …«.
Stimmt. Wurde verbessert!
Am interessantesten ist an Georgien, was sich hinter dem Konflikt verbirgt und allmählich ans Tageslicht kommt – der weiter schwelende Widerspruch zwischen den USA und Russland. Letzteres hat erstmals seit langem die Amerikaner wieder in die Schranken weisen können, aber man weiß noch nicht, ob das der Welt gut tun wird oder nicht. Mehr:
http://www.blogsgesang.de/2008/08/25/georgien-zeigt-grenzen-amerikanischer-macht/
Ich weiß nicht, was die SPD hier für ein Spielchen spielt. Eins weiß ich aber sicher, das Spiel wird die SPD verlieren.
Vorschlag zur Güte: Der Linksflügel wechselt zur Linken und der Rechtsflügel zur CDU. Dann hätte die Linkspartei die Kompetenz, die sie brauch um Politik zu machen.