
Alle haben sie versprochen, sich nicht mehr zum Thema zu äußern, komme was wolle. Doch kaum schmeißt der sonst als Weichspüler verhasste Johannes B. Kerner die stoiberesk Erklärungen stammelnde Eva Herman aus seiner Sendung, ist die Manege wieder frei. Da ist sie wieder, die „Sensationslüsternheit der Mainstream-Medien, die wissen, dass Nazis sich gut verkaufen, die alten Verführer.“
Viele Blogger wenden sich unisono gegen Hermans Aussagen. Auch wenn sie vielleicht nicht mit Rechtsextremismus in Verbindung zu bringen sei, so gebe sie doch „die Lebenslüge der deutschen Konservativen wieder. Ein böser, böser Mann hat das grundgute deutsche Volk ins Verderben geführt.“
Vielerorts wird in die gleiche Kerbe geschlagen: „Wenn der dauergrinsende Schwiegersohn JBK solche Konsequenzen zieht, dann war Hermans Verhalten wohl wirklich unter aller Kanone.“
Ihre Thesen werden angegriffen: „Sind die 1968er jetzt für die Werte von Erwachsenen Menschen im Jahre 2007 nach Christus Geburt verantwortlich?“
Doch pro Herman wird ebenfalls Partei ergriffen, wenn auch nur zaghaft und eher auf der menschlichen Ebene: „Kein Wunder, dass man dann irgendwann loswettert. Eigentlich ein fieses Spielchen des Moderators, wenn man es distanziert betrachtet.“ Und: „Den Hut ziehe ich vor Eva Herman, hat sich tapfer gewehrt.“
Thematisch wird Frau Herman aber teils auch in Schutz genommen: „Wer sich in diesem Land als Patriot oder Nationalist outet, der hat sofort irgendwelche Idioten am Hals die einen sofort als Nazi brandmarken.“
Und dann ist da noch das Thema Meinungsfreiheit. Dass der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) als Schirmherr des „Forums Deutsche Katholiken“ zurück getreten ist, weil Eva Herman als Sprecherin geladen wurde, ist für so manchen Blogger ein „Akt des vorauseilenden Gehorsams vor der Medienmeute.“
Die Behandlung des Themas ist so furchtbar unproduktiv!“, klagt ein Kommentator entnervt. Aber was ist das für eine Saite, die Herman da in den Bloggern zum Klingen bringt? Das “antibürokratieteam”-Blog fühlt sich bei Hermans Ausrutschern zur Distanzierung aufgerufen: „Es geht um etwas, was alle Kollektivisten, alle Etatisten, alle Sozialisten, alle Antiliberallalas, alle Anti-Indivdualisten und mit ihnen selbstverständlich die Nationalsozialisten (…) einigt: Sie erheben einen beliebigen, wie auch immer empirischen, vermeintlich empirischen, natürlichen, göttlichen, utilitaristischen, meistens jedoch, wenn nicht sogar immer den ganz eigenen, jedenfalls aber bestimmten Zweck zum Kollektivzweck
und versuchen, entsprechend zweckgerichtetes Handeln als “Kollektivpflicht” (verbales Indiz: ‘wir müssen…’) zu statuieren.“
Bildquelle: flickr.com (cosmoproletin)
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Ich bin entsetzt darüber, dass auch in der Blogwelt so wenig tiefgründig gedacht wird: ich schrieb hier http://www.deutschland-debatte.de/2007/10/10/demokratie-jetzt/ u.a.
Wenn man die Presse und die Kommentare so liest, wird man den Eindrucks nicht los: nein, wir Deutschen haben die NS- Zeit nicht aufgearbeitet. Die Meinung darüber wurde oktroyiert, Abweichler irgend einer Meinung wurden und werden in eine Ecke gestellt, in die die sie nicht wollen. Dieses mehr als dumme und kurzsichtige Verhalten führt nicht zu einer Isolation, sie führt dazu, dass die Leute beginnen, sich in dieser Ecke umzuschauen, sich vielleicht mit diesem oder jenem anzufreunden. Wer will schon sein Leben lang in einem offenen Vollzug lebenslang sitzen?
Diese aus meiner Sicht gelenkte Strategie führt letztlich dazu, dass der rechten Ecke mehr und qualifizierteres Potential zugeführt wird als sie jemals akquirieren könnte. Somit wird sich die rechte Ecke für diese Leitfigur bei Herrn Kerner und bei dem ZDF bedanken.
War es das, was das ZDF wollte?
Aus meiner Sicht: das Desaster beginnt erst noch, wenn der Hermann klar ist, dass sie gesellschaftlich isoliert wurde, dass sie bezüglich des Berufslebens am Ende ist und eigentlich ganz anders fühlt. Sie wird sich dank der Medienstrategie der rechten Szene zuwenden; es wird dauern, aber sie wird, und dann hat die Medienschelte der Demokratie einen Bärendienst erwiesen ( siehe Nockemann … ).