Der Gangster und der Messias: Blogschau (1/IV)

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Der ehemalige Post-Boss und Immernoch-Millionär Klaus Zumwinkel bekommt wegen Steuerhinterziehung zwei Jahre Haft auf Bewährung und eine Geldstrafe von einer Million Euro aufgebrummt.
Alter Falter meint: Der Reingewinn von Zumwinkel müsste dennoch bei mindestens 200.000 Euro liegen. Welch naive Äußerung, könnte man denken, so doof kann die Justiz ja nicht sein. Ist sie auch nicht. Aber dafür ist sie blind, wenn Geld in die Waagschale geworfen wird.
Wie ein Beitrag auf dem Blogprojekt der Readers Edition zeigt, scheint im Fall Zumwinkel tatsächliches einiges schief gelaufen zu sein. Auch auf Blogwave ist man sich sicher, dass die Richter “zugunsten” des Angeklagten entschieden haben und diese Entscheidung wesentlich durch dessen “Promistatus” geprägt gewesen sei. Leider mangelt es dem Beitrag an Fakten, die diese Unterstellungen belegen.
Auch ein Blick in die Handakte WebLAWg bringt kein Licht ins Dunkel, sondern zitiert lediglich den Readers Edition-Artikel. Es ist nur die Rede von “Justitia Light”, weil der beschuldigte Straftäter sich durch ein Schuldeingeständnis einen erheblichen Nachlass bei der Höhe der Festsetzung der Strafmaßes erhandeln kann. Warum dies ein ungewöhnlicher und vor allen Dingen unberechtigter Vorgang sein sollte, bliebt fraglich.
Udo Vetter, die erste bloggende Anlaufstelle für Rechtsfragen, nennt das Ganze ein “Schmierentheater”. Offensichtlich habe es im Vorfeld Absprachen gegeben, obwohl die Richter dies geleugnet hätten.
Für Jochen Hoff hat sich “die Sache mit dem Recht” erledigt. Seiner Meinung nach ist es offenkundig, dass die Milde für Zumwinkel in Härte für den nächsten Hartz-IV-Empfänger umschlagen wird. Beeindruckend ist wie immer Hoffs langer Atem bei seinem Lieblingsspruch: Diese Regierung und dieses Recht müssen weg, und zwar schnell.

Weitaus schillernder: Barack Obamas Amtseinführung stellte das nächste große Thema der vergangenen Woche dar.
“Was für ein Spektakel!” freut sich Jens Berger. Bush werde “als inkompetenter Stümper, Massenmörder und Totengräber Amerikas und der westlichen Werte in die Geschichte eingehen”. Fast bedauernd stellt Berger fest, dass die Welt ihren liebsten Bösewicht verliert.
Weissgarnix analysiert die gemeinsamen Grundlagen der Herren Bush und Obama, nämlich “God” und “the Spirit of the Pilgrim Fathers”. Bushs Politik sei die logische Folge dieser Grundlagen gewesen, die realpolitische Manifestation dieser beiden Leitgeister des US-amerikanischen Selbstverständnis. Es müsse somit damit gerechnet werden, dass Obama diesen Kurs weiterverfolgen werde – wenn auch charmanter verpackt.
Auf ad sinistram wird Obamas Wahl alter Ikonen kritisiert, die eben nicht für Demokratie und Freiheit sondern eben auch für den Genozid der Einheimischen Bevölkerung, Rassenunruhen etc. stünden.
Johnny Haeusler versucht mit Bezug auf die US-Militärangriffe auf Pakistan ebenfalls, die Euphorie über die Friedenstaube Obama zu dämpfen.

Weitere Themen der Woche:
Dem Pro Ana Blog kommt die zweifelhafte Ehre zu, das erste indizierte Weblog in Deutschland zu sein. Auf Spreeblick begrüßt man die Entscheidung.
Verschwörungstheorien: Fefe zum geheimen US-Folterknast in Mannheim.
Manipulationstheorien: Gezieltes Schüren von Angst vor der nächsten Bundestagswahl auf Mein Parteibuch.
Gaza: Lila erzählt von ihrem Leben in Israel und verspricht jedem “in die Hand”, dass Israel zum Frieden bereit ist, wenn die Palästinenser eine “redliche” und “tüchtige” Regierung einsetzen. Tatsächlich wird die Kritik an der Hamas immer größer. In Deutschland führt die “Hart aber Fair”-Sendung zum Thema zu Debatten.

Bild: flickr.com (karstenkneese)

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