Blogschau – Die Woche im Rückblick IV

Einen Kommentar hinterlassen von Eva
28. Juli 2008 | 14:11 Uhr

Zwei große Ereignisse haben diese Woche das friedliche Sommerloch der Blogosphäre erschüttert: Zum einen war da der Spiegel, der den Bloggern vom gleichnamigen Magazin vorgehalten wurde, und zum anderen der Besuch eines Mannes, der die Gelegenheit nutzte und an der Siegessäule von “Wechsel” sprach. Und dazwischen? Traurige Schotten, reiche Russen und Schleichwerbung.

Unsexy und zu wenig Adolf Hitler: Den Super-GAU der Woche bescherte der Spiegel-Artikel über die “Beta-Blogger”. Schön polemisch, so dass auch wirklich auf Nummer sicher gegangen wird, dass die Blogosphäre darauf anspringt. Einige Blogger haben dies nur widerstrebend und mit einem Seufzer getan – man gehört nicht gern zu berechenbarem, blökendem Herdenvieh. Klar, dass namentlich genannte Blogger wie Jens Berger und die Nachdenkseiten aus der “Web-Steinzeit” darauf reagieren. Thomas Knüwer rechnet dem Spiegel vor, weshalb er Angst vor dem kleinen David Blogoshäre hat. Auf so eine Art Kräftemessen sollte man sich gar nicht erst einlassen: Je stärker das Autonomiestreben der Blogosphäre, desto weniger Aufmerksamkeit verdient sie. Meint die Autorin eines Beta-Meta-Blogs. Und außerdem: Wir können’s ja doch. Schließlich trennt sich wenige Tage später der WDR von seinem Medizinjournalisten, weil diesem Schleichwerbung nachgewiesen wurde – durch Blogger. Stefan Niggemeier fasst zusammen.

Spreeblick diagnostiziert der SPD eine Depression. Und jetzt ist die CDU auch noch größte Partei! Kein Wunder, bei der “unterirdisch schlechten” Politik der SPD, meint (wer hätt’s gedacht) das CDU-Blog. Duckhome verweist aber unbarmherzig darauf, dass die CDU sich freut, “wenn dem anderen prozentual mehr Mitglieder davonlaufen und sieht das als Sieg. “Siehste, die bluten schneller aus als wir!”. Was für Siege und was für Vergleiche.”

Auch wenn Obama bei seiner Berlin-Rede höchstwahrscheinlich keinen bleibenden Satz prägte, gibt es doch immerhin viel zu bloggen über typographische Feinheiten seines Plakates und die verwendeten rhetorischen Stilmittel. Aus der herrschenden Obamanie lässt sich einiges über den Wunsch nach Modernität ableiten, der im Deutschland der Retro-Dynamik herrscht, meint ein Blogger der Achse des Guten.

Viele finden die Rede ja ganz gut, Andere kritisieren Obama für eine allzu glatte “Wahlpropaganda-Veranstaltung”. Wer zur Siegessäule gehe, verkaufe sich als Gratis-Statist der Obama-Show, rügt Mein Parteibuch.

Direkt aus Moskau bloggt Peter Voßwinkel über den Expansionsdrang von Gazprom, das Angebot, Libyens Gasvorräte aufzukaufen und die so entstehenden Schwierigkeiten für Europa. Jens Berger schreibt über den “talentierten Mister Medwedew“, der eine Annäherung an den Westen anstrebe. Doch ob zum Erreichen dieses Zieles auf warme Worte warme Taten folgen werden, bleibt vor dem Gazprom-Hintergrund fraglich. Diese strategische Partnerschaft mit der EU wird nicht aus rein freundschaftlichen und freiheitlichen Gründen entstehen, wenn die russische Hegemonie auf dem Energiemarkt weiter zunimmt.

Gordon Brown kuckt so traurig, stellt Zettels Raum fest. Und vergleicht den ewigen “fähigen zweiten Mann”, der an der Führungsspitze scheitern muss, mit Kurt Beck. In Browns Heimatstadt und angestammtem Labour-Wahlkreis Glasgow musste die Partei des Regierungschefs eine herbe Niederlage einstecken. Und Obama will sich auch nicht mit ihm sehen lassen, schreibt Maphry.

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