
Es ist vorhersehbar, was passiert, wenn man in Köln ein Alt bestellt. Oder man Friedbert Pflüger zum Wahlkampf nach Kreuzberg schickt. Ebenso vorhersehbar war, dass ein Großteil der deutschen Blogger und Wirtschaftsminister Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg keine Freunde werden würden.
Und tatsächlich gibt Letzterer endlich Grund zum Dampf ablassen: Das Spitblog hat beispielsweise nur noch Verachtung für Guttenbergs Einstellung zur Petition gegen die Online-Sperrungen übrig. O-Ton zu Guttenberg in der Tagesschau:
Das macht mich schon sehr betroffen, wenn pauschal der Eindruck entstehen sollte, dass es Menschen gibt, die sich gegen die Sperrung von kinderpornographischen Inhalten sträuben.
In Zettels Raum wird dieser seltsame Satz detailliert und pointenreich auseinandergenommen. Zum Beispiel so:
“Sträuben” ist freilich ein Ausdruck nach, sagen wir, Gutsherrenart dafür, daß Bürger sich das Recht herausnehmen, anderer Meinung zu sein als die Bundesregierung.
Dem Popkulturjunkie macht die “Dummdreistigkeit” von Politikern wie Guttenberg einfach nur Angst. Lukas geht der Blutdruck hoch. Auf Blogsprache ist man nur froh, dass Menschen, die so offensichtlich ahnungslos sind, wieder abgewählt werden können. Johnny Haeusler denkt darüber nach, bei weiteren Aussagen dieser Art Strafanzeige wegen übler Nachrede und Verleumdung zu stellen.
Zu Guttenberg und seine Brüder und Schwestern im Geiste sind nun gezwungen, auf den Willen des Volkes einzugehen – in vier Tagen gab es mehr als 55.000 Unterzeichner der e-Petition, die von Franziska Heine initiiert wurde. Laut netplanet ist dies eine Aktion, von der jede Friedensbewegung jahrzehntelang höchstens “kühn geträumt” habe. “Ein gelebtes Stück e-Demokratie”, meint auch Text & Blog.
Wie Thomas Knüwer berichtet, hält das Bundesfamilienministerium dennoch am Gesetzesentwurf fest.
Wenigstens über die Berichterstattung in den Nachrichten kann man sich diesmal freuen, meint Don Dahlmann. Schließlich betone der Sprecher, dass “die Petition nicht deswegen existiert, weil man die Kinderpornographie weiter zugänglich machen möchte”.
Jens Scholz verfasst vor lauter Freude über die Petition eine Ode an die Blogger, die er eigentlich nicht schreiben wollte und spricht sich damit gegen den ewigen Pessimismus des Blog-Migränejungen Don Alphonso aus.
Als dessen Erben lassen sich die “bringt doch eh nichts”- Blogger betrachten. Einen kleinen Sturm im Wasserglas löste Florian Holzhauer mit seinem Post Ich unterschreibe nicht aus. Und stieß bei einigen auf Zustimmung.
Jens Berger läuft sich indes schon mal für das Superwahljahr 09 warm und stellt die Spiegelfechter-Sonntagsfrage.
Bei den Liberalen stellt sich aufgrund sozialdemokratischer Wahlkampfstrategien bereits leichte Verwirrung ein.
Beim Blog der CDU findet man die Europawahlplakate der SPD einer “demokratischen Partei nicht würdig”.
Andrea schreibt einen irgendwie traurigen, aber doch sehr lesenswerten und unterhaltsamen Bericht über den Spatenstich für den Ausbau des Frankfurter Flughafens.
Über das paradoxe Verhalten und die zwiespältige Wirkung der US-amerikanischen Armee in Afghanistan und Pakistan berichtet Jochen Hoff.
Auch interessant: Weissgarnix’ Gedanken zum richterlichen Beschluss, dass das Arbeitsamt einem Bordell keine Prostituierten zuweisen muss.
Verwundert reibt sich Fefe die Augen ob der israelkritischen Anklänge bei SPON: “Hut ab, das ist eine deutliche inhaltliche Verbesserung!” Ein Redakteur hatte eine fiktive Rede fomuliert, die Außenminister Steinmeier dem “Ultranationalisten” Avigdor Lieberman halten sollte.
Claudio Casula schiesst sofort zurück und schreibt eine Abmahnung, die der israelische Außenminister dem betreffenden Reporter nicht verpassen wird – aber sollte.
Auch Joachim Steinhöfel empfindet den SPON-Artikel als Anti-Israel-Hetze.
Blogger Mr. Moe schreibt hierzu:
Es bleibt, was immer bleibt, wenn man Hang zum “Klartext” und “Tacheles”, aber keine Ahnung hat: ein Haufen Stammtischparolen, die im besten Fall auf den Rausschmiss aus der Dorfkneipe und im schlimmsten Fall auf Massenmord hinauslaufen.
Den Massenmord mit Farbklecksen wird’s wohl in Zukunft eher nicht mehr geben. Daniel Nuber beschwert sich über das geplante Verbot von Paintball-Spielen und auf Nerdcore ist man richtig sauer auf “f***ing Bosbach” und sein Paintballverbot: Dann müssten auch Wasserpistolen verboten werden, mit denen simulierten Kinder schließlich landesweit ebenfalls das Töten.
Bild: flickr.com (Michael Panse M)









