Bayern-Des samma mia: Blogschau (o9/I)

Wankt die CSU in Bayern? Wird die Linke Einzug ins Maximilianeum halten? Am 28.9. wird sich zeigen, wie unzufrieden die Bürger mit der CSU-Alleinregierung sind – oder ob doch alles beim Alten bleiben soll.

Ein für andere Bundesländer schwer nachvollziehbares Phänomen: die CSU. So mächtig, so beliebt! Und dabei doch so konservativ.
Jedoch, ein bißchen Angst scheint sie schon zu haben vor der linken Bedrohung. Erwin Huber sprach von einem Kreuzzug, den es nun gegen die Kommunisten zu führen gälte. Ein Blogger denkt nostalgisch an die Wahlplaketten aus den 60ern und 70ern zurück, die beim jetzigen Wahlkampf auch wieder ihre Verwendung finden könnten: “Komm aus deiner linken Ecke! Vater, Mutter, Tochter, Sohn, alle wählen die Union!”
Ein antifaschistisches Blog sieht in diesem Zug Hubers eine Parallele zu Hessens Roland Koch und seiner Dämonisierung der Linken: “Mittels Verteufelung des Politischen Gegners eine Angstglocke aufbauen, um den Politischen Gegner auszustechen.”

Aber: Kreuzzug! – das ist gelungene Wahlkampfrhetorik. Fast so gut wie die Symbolik, die das Wahlkampf 08 – Outfit der CSUler aufweist.

Allgemein scheint neben dem CSU-Blog die bayerische politische Blogosphäre eher linksgerichtet zu sein und beschäftigt sich unter Anderem mit der Schwierigkeit, Bayer und gleichzeitig Atheist zu sein. Würde die CSU an Macht verlieren, könnten tatsächlich einige atheistische Träume wahr werden. Denn beispielsweise fordern die Grünen, die Bezahlung der Bischöfe aus dem Staatshaushalt und damit aus den allgemeinen Steuergeldern zu beenden.
Auch für Studenten dürfte die anstehende Wahl interessant werden. Wenn die CSU die absolute Mehrheit verliert, rückt die von SPD, Grüne und Linke geforderte Abschaffung der ‘Campusmaut’ in greifbare Nähe.

Aufrufe, die CSU allein wegen peinlicher Wahlkampfsongs nicht zu wählen, sind keine Seltenheit. Bei “der Himmel ist blau-weiß” gruselt es selbst CSU-Wähler.
Es muss aber erwähnt werden, dass manche Blogger auch auf gute Ideen der CSU verweisen, wie das Versammlungsgesetz, dass rechtsextremistische Aufmärsche an symbolträchtigen Orten unterbinden soll.
Und bezüglich der Wahlk(r)ampfvideos hat die SPD ebenfalls nicht die Gnade besessen, ihren Youtube-Auftritt so zu vollziehen, dass ein Fremdschämen verhindert wird.
Eine Annäherung der beiden Parteien scheint kaum möglich zu sein, betrachtet man die Spitzen, die das CSU-Blog gegen Franz Maget, der Spitzenkandidaten der bayerischen “Kohlekraftswerkpartei” vorbringt: Dessen Wahlkampfbus sei eine Dreckschleuder, 17 Jahre alt und entspräche nicht der europäischen Umwelt-Norm.

Alternativen? Die FDP beispielsweise. Doch selbst ein bloggendes FDP-Mitglied ärgert sich über das Fehlen klarer Absagen an “Chaos-Koalitionen” mit den Grünen und den Freien Wählern. Viel eher sollte sich die FDP bei der CSU anbiedern, dann könnt es auch mit dem Wiedereinzug in den Landtag klappen.

Was man auch machen kann: Einfach blau wählen gehen. Meinen zumindest die Republikaner, die sich wohl auf ihre weißbiertrunkenen Wähler verlassen müssen. Welche Agentur sich das wohl ausgedacht hat? Vielleicht kann man bei kandidatenwatch.de mal nachfragen.

Ein bißchen bestätigt die bayrische Blogosphäre ja die Klischee-Schublade namens ‘Bayern’. Wühlt man in ihr, steigen Kruzifixe, Bierhumpen stemmende CSU-ler und Stammtischatmosphäre vor dem geistigen Auge auf.
Und tatsächlich berichtet ein bayerischer Journalist und Blogger von den Problemen, denen sich Wahlkämpfende als auch mündige politikinteressierte Bürger ausgesetzt sehen. So reicht auf dem Land das Auftauchen einer Kellnerin mit Kesselfleisch und Bier, um die Konzentration von Wegpauschale und Rentenversicherung abzulenken.

Auch die am vergangenen Freitag taufrisch online gegangene Ulmen-tv-Staffel spielt mit stereotypisierten Vorstellungen von bayerischen CSU-Politikern. Der gezeigte bayerische Bürgermeister gibt offen zu, nur in der CSU zu sein um gewählt zu werden, ansonsten sei er eher ein ‘Freier’ (im politischen Sinne, als auch im allgemeinen Sinne, wie sich erschreckenderweise im Lauf der Sendung zeigt. Ach so, und er ist auch noch ein Ausländerfeind und Schwulenhasser).
So quält man sich durch die Sendung und kann nur noch hoffen, dass dies eine absolute Ausnahmeerscheinung der CSU ist.

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4 Antworten zu “Bayern-Des samma mia: Blogschau (o9/I)”

  1. Servus sagt:

    Bayern bloggt. Oh wie cool. Na dann auf ihr Blogger, stürzt die CSU von ihrem Thron und zeigt, dass Blogs nicht nur in den USA politisch was bewegen können!

  2. Kafka Dollinger sagt:

    Ich finde auch, dass ein konservativ geführter Bundesstaat, der in Sachen Umweltpolitik, Arbeitsplatzbeschaffung, Vermeidung von Arbeitslosigkeit,Verkehrspolitik, kommunaler Strukturpolitik, Bildungspolitik, Verbrechensbekämpfung, Sozialhilfeempfängerstatistik, Hochschulpolitik,Gleichberechtigung und Verwaltungsreformen unangefochten die Nummer eins in Deutschland ist, durch Schlaffis, wie Wowereit oder auch die wortbrüchige hessiche Linke ersetzt werden müsste. Vielleicht hätten wir dann endlich auch in Bayern 20 % Hartz IV-Empfänger, 21 % Arbeitslose und 20.000 Euro Pro-Kopf-Verschuldung. Die Zeit ist reif!
    Ach ja, Eva, und dann die Bischöfe: Es gibt in Bayern 7 katholische Bistümer – das sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Aufgrund von Staatsverträgen erhalten diese Insitutionen für öffentliche Aufgaben, von denen auch “Kirchenlose” profitieren, Ihre Zuwendungen. Es sind die Bereiche soziale Dienste, wie Alten,- Kranken- und Jugendpflege. Daneben wird aus den Zuschüssen auch Gebäude- und Denkmalerhalt finanziert. Im übrigen wird das auch in anderen Bundesländern praktiziert!
    Nichts für ungut: Bayern vorn!!

  3. antifaunited sagt:

    Nix für ungut, aber Bayern ist schon lange nicht mehr “vorn”. Denn ein Bundesland, das erst durhc massive Finanzspritzen aller anderen Bundesländer vom zurückgebliebenen Land, das Bayern definitiv bis mitte der 60ziger war, zur nummer eins wurde, muss auch mal über den berg drüber.

    und so rosig siehts auch in bayern nicht mehr aus, seit dem Grundig weg ist, seit dem BMW seine Spitzenmodelle im ausland bauen lässt und in zukunft wirds nach der Klimaerwärmung da erst recht nicht mehr toll aussehen.

    was glauben sie, warum der Herr Huber solche Angstzustände hat? Was hat er denn positives Vorzubringen, denn auch in Bayern wirds Geld knapp und die arbeitslosigkeit steigt und die fachkräfte wandern ab.

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